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13.10.2011

15:54 Uhr

Raj Rajaratnam

Im eigenen Netzwerk gefangen

VonThomas Jahn

Der Hedge-Fonds-Manager Raj Rajaratnam hat Anleger um Milliarden betrogen. Heute wird seine Strafe verkündet. Der Prozess wirft ein Licht auf die indische Mafia in den USA.

Raj Rajaratnam: Dem Finanz-Manager drohen bis zu 24 Jahren Haft. dapd

Raj Rajaratnam: Dem Finanz-Manager drohen bis zu 24 Jahren Haft.

New YorkWenn Vivek Wadhwa von der indischen Mafia in seinem Heimatland USA erzählt, dann meint er das nicht böse. Selbst in Indien geboren und mit den Eltern nach Amerika ausgewandert, hat er es in der neuen Heimat weit gebracht: Der Gründer mehrerer Softwarefirmen ist mittlerweile Forschungschef der Ingenieursfakultät an der Duke University. "Das meine ich durchaus respektvoll - man hilft sich gegenseitig", sagt Wadhwa.

Vor einem Bundesgericht in Manhattan zeigt sich am Donnerstag die dunkle Seite der indischen Cosa Nostra: Dort erwartet den Hedge-Fonds-Manager Raj Rajaratnam ein Urteil nach einer Anklage wegen Wertpapierbetrugs und Insiderhandel. In insgesamt 14 Fällen wurde er bereits von einer Jury für schuldig befunden. Jetzt verkündet ein New Yorker Richter die Haftstrafe. Der Finanzspekulant wäre mit sechs bis acht Jahren Gefängnis zufrieden. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 24 Jahre.

Zahlreiche Insidertipps erhielt Rajaratnam von Rajarat Gupta, dem früheren McKinsey-Chef und Mitglied des Verwaltungsrats von Goldman Sachs. Eine erstaunliche Verbindung - warum lässt sich einer der angesehensten Manager der USA auf solch niedrige Dinge ein? Es mag das Geld gewesen sein, insgesamt soll Rajaratnam mit den Hinweisen von Gupta einen Gewinn von 17 Millionen Dollar erzielt haben. Aber sein 63-jähriger Tippgeber hatte doch selbst genug, möchte man meinen. Aber: "Gupta wollte mit seinen indischen Freunden, die es im Silicon Valley zu Milliardären gebracht hatten, mithalten", sagt Forschungschef Wadhwa.

Der Prozess wirft ein Licht auf ein hochinteressantes Netzwerk in den USA. So werden zahlreiche Unternehmen von indischen Managern in einflussreichen Positionen gelenkt: Etwa Vikram Pandit, Chef der Bank Citigroup, oder Indra Nooyi, Chefin des Konsumgüterkonzerns Pepsi. Auch Anshu Jain, einer der beiden designierten Vorstandschefs der Deutschen Bank, kletterte in der Gemeinde indischer Auswanderer in Amerika nach oben.

Kommentare (2)

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13.10.2011, 16:29 Uhr

Meine Guete, da hat man einen Betrueger gefangen. Gleichzeitig erinnert mich dies daran, wie man Spitzer, den Aufdecker, fertig gemacht hat.

Mir stellt sich die Frage - WIE UND WARUM konnte Rajaratnam SO LANGE betruegen. Aber nach einem medienwirksamen Bauernopfer darf man solche Fragen ja nicht mehr stellen. Da liegt der wahre Skandal. Goldman Sachs - schon wieder dieser Name? Vielleicht ein dummer Zufall.

Account gelöscht!

13.10.2011, 23:33 Uhr

Die "Verbrecher" sind mittlerweile an einflussreicher Stelle überall überproportional vertreten. Bei den Banken, in der Politik, in der Gesellschaft bis zu mafiösen Verbindungen. Wer da nicht mitmacht ist gesellschaftlich gesehen schon ein Outlaw oder ein Verlierer !! - Also mitmachen und weiter das Leben geniessen; die "Rechtschaffenden" sind die Märtyrer und die Doofen !!

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