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04.07.2013

15:13 Uhr

Raus aus Aktien

Europas größter Vermögensverwalter hortet Cash

Die Schuldenkrise in Europa stimmt die Strategen von Amundi misstrauisch. Die Vermögensverwalter aus Paris verkaufen Aktien und Hochzinsanleihen - und setzen stattdessen auf Bargeld. Nun schauen sie auf Deutschland.

Bündelweise Euro-Scheine. Der Vermögensverwalter Amundi setzt auf Bargeld. dpa

Bündelweise Euro-Scheine. Der Vermögensverwalter Amundi setzt auf Bargeld.

GenfAmundi, der größte Vermögensverwalter in Europa, hat die Barpositionen zu Lasten von Aktien und Hochzinsanleihen erhöht. Begründet wurde der Schritt mit einem im nächsten Jahr möglicherweise schwächerem weltweiten Wachstum als erwartet.

„Die Prognosen sind weiterhin zu optimistisch bezüglich des weltweiten Wachstums für 2014“, sagte Didier Borowski, Leiter Strategie und Konjunkturanalyse bei Amundi, die fast eine Billion Dollar verwaltet, in einem Interview in Genf in der vergangenen Woche. „Wir müssen auf kurze Sicht sehr vorsichtig sein bei risikoreichen Vermögenswerten.“

Amundi, die in erster Linie für institutionelle Kunden investiert, berichtet, dass ihre diversifizierten Fonds bis zu 55 Prozent der Vermögenswerte in bar halten, da der schwächere Konjunkturausblick risikoreichere Investments abschrecke.

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro

Ökonomen sind zu optimistisch, während die Sparprogramme der Regierungen in Europa das Wachstum eindämmen, sagt Borowski. Amundi, die sich im Besitz von zwei der drei größten französischen Banken, Crédit Agricole SA and Société Générale befindet, hat den Baranteil aufgestockt, nachdem US- Notenbankchef Ben S. Bernanke im Mai sagte, dass die Zentralbank mit der Reduzierung der Bondkäufe beginnen könnte.

Der Stoxx Europe 600 Index hat seit dem Bernanke-Kommentar 8,2 Prozent eingebüßt, der MSCI World Index hat 4,9 Prozent verloren. Die Aktienkurse dürften Borowski zufolge weiter sinken, wenn Unternehmen und Analysten wegen eines schwächer als erwarteten Wachstums 2014 ihre Gewinnerwartungen nach unten korrigieren. Die Prognosen gehen Bloomberg-Daten zufolge dahin, dass die Weltwirtschaft 2014 um drei Prozent wächst, nach einem Plus von 2,13 Prozent in diesem Jahr.

Die Besorgnis um die öffentlichen Finanzen bei den überschuldeten europäischen Ländern und die Möglichkeit einer Schulden-Umstrukturierung in Spanien und Portugal schreckt die in Paris ansässige Amundi davon ab, mehr Aktien zu kaufen. Dennoch könnten Marktrückgänge Amundi im späteren Jahresverlauf bewegen, die Aktieninvestments zu erhöhen, sagte Borowski. Das dürfte jedoch erst nach der am 22. September stattfindenden Bundestagswahl in Deutschland geschehen.

Bei absoluten Ertragsstrategien hat sich der Baranteil im vergangenen Monat auf 30 Prozent verdoppelt, berichtete Alain Pitous, stellvertretender Chief Investment Officer bei Amundi, am 27. Juni in einer E-Mail auf Fragen von Bloomberg News. Barmittel wurden unter anderem durch Verkäufe von Hochzinsanleihen sowie Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern beschafft, erläuterte Pitous.

Amundi verwaltete Ende März ein Kapital von 746,2 Milliarden Euro. Die Gesellschaft war damit Europas größter Vermögensverwalter.


Kommentare (14)

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Account gelöscht!

04.07.2013, 12:53 Uhr

Endlich mal einer, der durchblickt und das auch öffentlich kundtut. Selten genug im HB.

Crash-Profiler, Möchtegern-Bonds-Könige und jede Menge Schwätzer sind leider mittlerweile das normale Maß hier.

Hauptsache Nachrichtenmenge.

Bankster

04.07.2013, 13:27 Uhr

Vielleicht Bankkonten sowie kurzfristig verfügbare Finanzanlagen aber nicht Bar. Wahrscheinlich kennen sie nicht mal diesen kleinen aber feinen Unterschied.

Wolferl

04.07.2013, 17:16 Uhr

Schlaumeier

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