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12.01.2005

08:15 Uhr

Regelung betrifft alle Fonds mit Zinsanlagen

Zwischengewinne sind wieder steuerpflichtig

VonReiner Reichel

Seit Jahresbeginn müssen Fondsanleger Zwischengewinne wieder versteuern. Die Steuer belastet Anleger aller Fonds, die in Zinsanlagen investiert haben.

DÜSSELDORF. Zwar weisen vornehmlich Renten- und Geldmarktfonds Zwischengewinne aus. Aber auch in offenen Immobilienfonds, die ihre oft hohen liquiden Mittel kurzfristig am Zinsmarkt parken, sowie in so genannten Mischfonds, die Renten- und Aktienanlagen kombinieren, fallen Zwischengewinne an.

Zwischengewinne sind die zwischen zwei Ausschüttungsterminen aufgelaufenen Zinsen. Sie gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Nach der nun wieder eingeführten Steuerregel gilt, dass ein Anleger die in einem Fondsanteil enthaltenen Zwischengewinne beim Verkauf des Fondsanteils versteuern muss und sie beim Kauf als negative Einkünfte aus Kapitalvermögen steuermindernd geltend machen kann. Dabei lassen sich gezahlte Zwischengewinne nicht nur von vereinnahmten Zwischengewinnen, sondern von allen Zinseinkünften abziehen.

Die neue Regelung ermöglicht es Anlegern jetzt wieder, durch den Kauf von Fondsanteilen ihre Einkünfte aus Kapitalvermögen so zu steuern, dass diese unterhalb des Sparerfreibetrags von 1 370 Euro bleiben. Bei gemeinsam zur Steuer veranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Freibetrag. Der gleiche Effekt lässt sich allerdings auch mit dem Kauf von Anleihen erzielen, in deren Kursen Stückzinsen enthalten sind. Die Stückzinsen sind das Pendant zu den Zwischengewinnen.

Dass die Zwischengewinne nach der Wiedereinführung erst ab dem Jahresbeginn und nicht seit dem letzten Ausschüttungstermin gezählt werden, hat für die Anleger Vorteile. Ein Beispiel: Ein Rentenfonds erzielt über das gesamte Geschäftsjahr gesehen Zinserträge von sechs Prozent. Sein letzter Ausschüttungstermin war der 1. Oktober 2004. Verkauft ein Anleger diesen Fonds nun zum 31. März 2005, so muss er nur den seit Jahresbeginn aufgelaufenen Zwischengewinn in Höhe von 1,5 Prozent versteuern, obwohl seit dem letzten Ausschüttungstermin Zwischengewinne in Höhe von drei Prozent aufgelaufen sind. Je weiter die letzte Auszahlung zurückliegt, desto größer ist der Vorteil. Anleger, die diese Situation zur Steueroptimierung nutzen möchten, sollten allerdings bedenken, dass ein zu versteuernder Veräußerungsgewinn anfällt, sofern sie die Anteile beim Verkauf weniger als ein Jahr gehalten haben, rät Joachim Zimmermann, Steuerexperte der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Abschaffung der Zwischengewinnbesteuerung vor einem Jahr hatte bei Renten- und Geldmarktfonds zu massiven Mittelabflüssen kurz vor den Ausschüttungsterminen geführt. Die Anleger verkauften die Anteile, kassierten die im Anteilspreis enthaltenen Zwischengewinne steuerfrei und kauften nach Auszahlung der steuerpflichtigen Ausschüttung die Anteile wieder – zu dann niedrigeren Preisen. Auch das war allerdings nur dann sinnvoll, wenn der Steuervorteil daraus die Steuerlast im Falle eines steuerpflichtigen Spekulationsgewinns sowie einen eventuell zu zahlenden Ausgabeaufschlag bei Wiederanlage überkompensierte.

Einige Fondsgesellschaften reagierten auf die Abschaffung der Zwischengewinnbesteuerung damals mit der Einführung von Fonds, die mehrmals jährlich ausschütteten. So führte die Deutsche Investment- Trust GmbH (Dit) jeweils einen Geldmarkt-, einen Kurz- und einen Langläuferrentenfonds mit Ausschüttungen in jedem Quartal ein. Diese Fonds würden weitergeführt sagte ein Sprecher. Das gilt auch für die in den gleichen Segmenten anlegenden Fonds der DWS. Allerdings hat die DWS eine andere Lösung gewählt: Sie ergänzt damals bereits bestehende Fonds um im Dreimonatsabstand ausschüttende Tranchen.

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