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02.01.2010

08:00 Uhr

Regulierung

Die Hedge-Fonds kämpfen gegen die Pläne der EU

VonMichael Maisch

2010 wird sich entscheiden, welche Zukunft die Branche in Europa hat. In der Auseinandersetzung steht London gegen Brüssel. Die spekulativen Fonds beteuern ihre Unschuld an der Finanzkrise - und fühlen sich zu Unrecht in Sippenhaft mit den Banken genommen.

Hauptgebäude der EU-Kommission in Brüssel: Die Branche reagierte mit einem Aufschrei auf die Regulierungspläne. Quelle: Christoph Papsch

Hauptgebäude der EU-Kommission in Brüssel: Die Branche reagierte mit einem Aufschrei auf die Regulierungspläne.

LONDON. Unversehens fanden sich die Hedge-Fonds 2009 in der Schurkenrolle wieder. Zwar hatten sie keinen nennenswerten Anteil am Ausbruch der Finanzkrise, doch sie standen von Anfang an im Mittelpunkt neuer Regulierungsvorschläge. Wie viel davon umgesetzt wird und was die in der Lobbyarbeit ungeübten Hedge-Fonds noch verhindern können, zählt zu den spannendsten Regulierungsfragen des kommenden Jahres.

Es sind vor allem Frankreich und Deutschland, die die Finanzkrise nutzen wollen, um auch die bisher weitgehend unregulierten Hedge-Fonds endlich strenger zu kontrollieren. Sie wollen den Hedge-Fonds Fesseln anlegen, solange sie noch durch die Krise geschwächt sind.

Ein Aufschrei der Empörung

Die Hedge-Fonds-Branche reagierte auf den Regulierungsentwurf der Europäischen Union mit einem Aufschrei der Empörung. Die spekulativen Fonds beteuern ihre Unschuld an der Finanzkrise und fühlen sich zu Unrecht in Sippenhaft mit den Banken genommen. Der Londoner Lobbyverband Alternative Investment Management Association (Aima) befürchtet massive Schäden für die Branche. Aber auch Großinvestoren wie die britischen Versicherer warnen, dass die EU-Bürokraten mit ihrer Regulierungswut eine wertvolle Investmentalternative abzuwürgen drohten. Das sei am Ende zum Schaden der Anleger.

Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Schluss, dass der Regulierungsentwurf in seiner ursprünglichen Form jährlich bis zu 0,2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten könnte. Die Studie sieht auf die Branche einmalige Kosten von 22 Mrd. Euro zukommen, zuzüglich laufender jährlicher Einbußen von vier Mrd. Euro.

Im vergangenen Jahr gerieten die Hedge-Fonds in den Abwärtssog an den Kapitalmärkten. Der durchschnittliche Fonds bescherte seinen Anlegern einen Verlust von rund 18 Prozent. Aus Furcht vor weiteren Verlusten zogen viele Investoren daraufhin Mittel ab. Dadurch fiel das von den spekulativen Fonds verwaltete Kapital von rund zwei Billionen Dollar auf ein Tief von 1,3 Billionen. Hunderte von Anbietern gaben auf; andere sperrten die Fonds, damit nicht noch mehr Kapital abfließt. Doch die Deutsche Bank rechnet damit, dass die Branche bis Ende 2010 die Verluste beim Anlagekapital wieder wettmacht.

In der Krise benötigte kein einziger Hedge-Fonds staatliche Hilfe. "Die Branche hat ihre Probleme selbst gelöst, viele Fonds verschwanden vom Markt, aber keiner dieser Fälle gefährdete die Stabilität des Weltfinanzsystems", sagt Andrew Baker, Chef des Branchenverbandes Aima. Umso mehr ärgert es die Fonds, dass die EU sie nun an die kurze Leine legen will.

Kommentare (2)

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Ralf Müller

02.01.2010, 22:19 Uhr

ich kann dem Argument, die Hedgefonds hätten die Krise nicht verursacht nicht folgen. Muss denn immer erst eine Katastophe passieren bevor der Gesetzgeber vernüftige Regeln schafft? Wenn nun nur die banken regulieret werden, wird sich das spekulative Kapital in Zukunft auf den weiterhin unterregulierten Hedgefonds konzentrieren und dann werden diese die nächste Krise verursachen.

Jonas

03.01.2010, 05:04 Uhr

Ein Hedgefonds sollte Unternehmen aus seinem Fondsvermögen klaufen, aber er kauft sie zu einem grossen Teil mit Krediten von banken und schlägt den Zins als zusätzliche belastung auf's Unternehen drauf, daß er beschützen (hedgen) sollte.

Das ist ein eklatanter Verstoss gegen das Firmenwohl welches man als ordentlicher Kaufmann und nun Vorstand/Führungsmacht wahren muss und damit vorsätzlicher betrug.

Daher gehören alle Hedgefonds-Manager vor den Kadi.

Aber nicht, weil sie sich überschulden. Hier sind es die banken, die die Kredite gewähren, beispielsweise von 100 Mio wenn ein Fonds eine Firma übernimmt für die er 100 Mio zahlt. Die strunzdummen banker glauben, damit wäre eine Firma auch zumindest diesen gezahlten Preis wert, so wie sie es bei Sperrholzhäusern in USA dachten. Hier ist leichtsinnig mit dem Geld der bank umgegangen worden (denn nicht mal meine Putzfrau denkt so dumm), sträflich leitsinnig, doch ich vermisse die Strafen. Auch hier gibt es meiner Meinung nach den Straftatbestand der Veruntreuung, weil als Kreditsicherheit nicht etwas angesetzt wurde, das SiCHER unter dem erzielbaren Verkaufserlös liegen würde.

Aber haben Hedgefonds die Krise verursacht? Sie haben die Ursach genutzt, nämlich daß Geld billiger war als Arbeit, und sich damit mit dem Kreditheber die Profite erhöhen liessen. Am billigen geld sind die Zentralbanklen schuld, aber die taten es trotz angeblicher Unabhängigkeit auf Wunsch der Politiker.

Geld muss wieder teurer werden, als die mit Arbeit erzielbare Rendite, sonst führen wir den Weg fort, daß mit Kaniospielchen mehr Geld gemacht wird als mit Produktion, so lange, bis wir merken, daß man Kasinochips nicht essen kann.

Aber so grundlegende Wirtschafte-Kenntnisse haben es nicht mal zu unseer VWL Professoren geschafft, Dummheit regiert die Welt.

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