Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

16:03 Uhr

Rekordabsatz für Investmentfonds

Aktien? Aber bitte gut gemischt!

VonIngo Narat

Noch nie sind deutsche Anleger so vehement mit Fonds auf den Aktienzug aufgesprungen wie in diesem Jahr. Die Börsenabstinenz nimmt ab – doch bei den Käufern steht auch Sicherheit im Fokus.

Privatanleger kaufen in diesem Jahr wieder verstärkt Aktienfonds – doch am allerliebsten Mischfonds, die mehrere Anlageklassen vereinen.

Barkeeper

Privatanleger kaufen in diesem Jahr wieder verstärkt Aktienfonds – doch am allerliebsten Mischfonds, die mehrere Anlageklassen vereinen.

FrankfurtDie Deutschen mögen keine Aktien. Das galt über praktisch das gesamte Jahrtausend. In diesem Jahr ist alles anders. Die deutschen Anleger begeistern sich für Fonds, die in Aktien investieren oder diese in Kombination mit anderen Vermögensformen einbauen.

Der deutsche Fondsverband veröffentlichte beeindruckende Zahlen zum neuen Denken. Die Branche setzte in diesem Jahr bis Juli für netto 124,4 Milliarden Euro Fondsanteile ab. Der Clou: Dieser Betrag übertrifft bereits jetzt den bisherigen Rekord des Gesamtjahres 2000 – dem Börsenboomjahr, in dem die Privaten so viele Aktienfonds gekauft hatten wie noch nie zuvor.

Im Gesamtabsatz steckt ein großer Teil Geldes von institutionellen Fondsinvestoren wie Versicherungen und Pensionskassen, die letztlich das Geld privater Anleger investieren. Doch auch beim direkten klassischen Privatkundengeschäft ist ein Rekordjahr 2015 kaum mehr aufzuhalten. Private investierten in die auf sie zugeschnittenen Publikumsfonds bis Juli 49,8 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr sollte auch die 2000er-Rekordmarke von 74,7 Milliarden Euro übertroffen werden.

Die neue Lust an der Börse steht heute auf robusterem Fundament als damals. Der frühere Börsenboom war in der Spätphase von Spekulation getrieben. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre begannen sich Anleger um Internetaktien zu reißen, die am Ende völlig überbewertet waren. Der Gedanke an einen schnellen Gewinn trieb viele Sparer in die Aktie – und das ohne Sicherheitsnetz.

Die Nachfrage war so stark, dass Privatanleger im Jahr 2000 praktisch nur reine Aktienfonds gekauft hatten. Mischfonds, die mit Kombinationen verschiedener Wertpapierformen die Risiken streuen, waren weit weniger beliebt. Heute hat sich das Bild gedreht. Die Anleger gehen vorsichtig vor.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Bis Juli kauften sie für 10,3 Milliarden Euro Aktienfondsanteile, aber für 26,9 Milliarden Euro Mischfonds. Laut Branchenschätzungen ist knapp die Hälfte des Mischfondskapitals in Aktien investiert.

Mit dem sich andeutenden neuen Trend könnte eine Ära zu Ende gehen. Über sehr lange Zeit hatten die Deutschen der Aktie den Rücken gekehrt, erst verbrannt vom Börsen-Crash zur Jahrtausendwende, dann vom Absturz im heißen Finanzkrisenjahr 2008. Seitdem ist jedoch die bislang wichtigste Anlageform uninteressant geworden: die Zinsanlage.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Lars Lecante

10.09.2015, 16:27 Uhr

Ja, genau so ist das gewollt.
Wenn dann alle schön investiert sind kommt die große
Korrektur. Die Aktien kann man dann an die Wohnzimmerwand
nageln und das Papiergeld ins WC hängen.
Die Politik meint dann das alles so nicht vorhersehbar war.
aber Kopf hoch wir fangen jetzt ganz neu an.
Jeder kriegt sagenhafte 20.-€ Anfangsgeld

Herr Peter Rall

10.09.2015, 16:28 Uhr

Und prompt steht eine 15% Besteuerung von Fonds an. Passt schon.

Herr Werner Wilhelm

10.09.2015, 16:36 Uhr

Ob ein Sparer eine Rendite erzielt hängt vom Realzinssatz ab. Dieser errechnet sich aus Nominalzins minus Inflation. Insofern ist ein heutiger Sparer selbst bei einem Nominalzinssatz von 0 % bei einer Inflationsrate von unter 1 % noch vergleichsweise gut bedient.

Früher gabs z.B. eine Sparbuchverzinsung von 2 % bei einer Inflation von 4 %. Da haben die Sparer nicht gemeckert, was sich Geldillusion nennt. ;-)

Wie zu hören war (= ich suchs jetzt nicht heraus) liegt die reale Aktienrendite bei DAX-Werten noch im positiven Bereich. Ein Einstieg ist daher jetzt noch rentierlich. Selbst wenn ein Crash kommen sollte, sind bald wieder die selben Höhen erreicht. Wo sollten die Leute sonst ihr Geld anlegen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×