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05.02.2018

17:27 Uhr

Rekordverdächtig

Deutsche Anleger kaufen massiv Fonds

VonIngo Narat, Anke Rezmer

Die deutsche Fondsbranche freut sich über ihr zweitbestes Absatzjahr – moniert aber gleichzeitig die Regulierungsflut aus Brüssel.

Besonders beliebt sind bei Anlegern börsengehandelte Indexfonds (ETF), die einen Index nachbilden und nicht aktiv gemanagt werden. dpa

Fondsanbieter

Besonders beliebt sind bei Anlegern börsengehandelte Indexfonds (ETF), die einen Index nachbilden und nicht aktiv gemanagt werden.

Frankfurt/MainDeutsche Anleger haben offenbar inzwischen verstanden: In der Phase anhaltend niedriger Zinsen macht es Sinn, zumindest einen Teil ihres Kapitals fernab von nahezu zinsfreien Sparkonten zu investieren. So und mit dem „guten, stabilen Kapitalmarktjahr 2017“ erklärte Tobias Pross, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, auf dessen Jahrespressekonferenz, dass sich der Absatz bei Fonds für Privatanleger, den Publikumsfonds, gegenüber 2016 netto rund verzehnfacht hat auf knapp 72 Milliarden Euro. 2016 sei das Börsenjahr dagegen turbulent gestartet und geprägt gewesen von verschiedenen politischen Großereignissen wie der Brexit-Entscheidung der Briten und den US-Wahlen, die für Unruhe unter Investoren gesorgt hätten, wie Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI, ergänzt.

Dass aber die jüngste Korrektur an den Aktienmärkten infolge der Spekulation um steigende US-Zinsen die Fondseuphorie der Anleger wieder abbremst und sie aus Aktienfonds umschichten, „darüber gibt es keine Informationen“, sagte Pross, der auch Europa-Chef der Allianz-Fondstochter Allianz Global Investors ist. Vielmehr hat das neue Jahr beim Fondsabsatz nach Aussage von Richter ähnlich gut begonnen, wie das alte endete.

Im Dezember verkauften die Anbieter insgesamt Fonds für gut 20 Milliarden Euro, und damit fast so viel wie im Dezember des Rekordabsatzjahres 2015. Auch die Umstellung auf die neuen Transparenzvorschriften der EU namens Mifid II zum Jahresbeginn schlägt sich seiner Aussage nicht „im Geschäft nieder“, betont Richter. Startprobleme, weil durch die neuen Regeln nun notwendige Daten über Fonds nicht rechtzeitig zum Jahresbeginn bei den Kundenberatern vorlagen, seien nun „fast alle behoben“.

Private Anleger kauften im vergangenen Jahr einmal mehr vor allem die aus verschiedenen Wertpapierarten gemischten Fonds: Insgesamt 29,5 Milliarden Euro neues Kapital sammelten die Fondsanbieter hier ein. Mischfonds dominieren den Absatz von Publikumsfonds bereits das fünfte Jahr in Folge. Die zweitbeliebteste Anlageklasse sind Anleihefonds, in die gut 20 Milliarden Euro flossen. Hier hätten allerdings vorrangig Großanleger Geld in Zinspapiere mit kurzer Restlaufzeit gesteckt, betonte Pross.

Auch Aktienfonds zogen wieder neues Geld an: Mit netto 14 Milliarden Euro neuem Kapital floss der Großteil in die passiven, indexnachbildenden ETF. Allerdings hätten auch aktive, von Fondsmanagerhand gemanagte Aktienfonds mit gut vier Milliarden Euro seit langem wieder messbar neues Geld eingesammelt, sagte Pross. Erneut floss 2017 der Großteil der neuen Gelder in Höhe von 88,1 Milliarden Euro in Spezialfonds, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren. Ein Treiber dabei: die private Altersvorsorge. Fast zwei Drittel der rund 1,6 Billionen Euro, die die heimische Branche in Spezialfonds verwaltet, ordnet der BVI der Altersvorsorge zu.

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Private und Großanleger steckten im vergangenen Jahr insgesamt 160 Milliarden Euro neues Kapital in Fonds. Nur 2015 sammelte die Branche mit 193 Milliarden Euro mehr ein. Das Vermögen in Publikumsfonds überschritt infolge der Zuflüsse und von Kursgewinnen 2017 erstmals die Marke von einer Billion Euro auf 1,022 Billionen Euro. Insgesamt verwaltet die Fondsbranche im Land nun ein Vermögen von drei Billionen Euro – ebenfalls ein neuer Rekord.

Mit Sorge betrachtet Richter nun neue Diskussionen um weitere Regulierung, etwa um eine EU-weite Aufsicht von Fonds und weitere Bestrebungen der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, Fondskosten künftig regelmäßig zu untersuchen. Nachdem die Branche 2017 mehr gesetzliche Vorgaben als je zuvor umgesetzt habe, sollten nun zunächst die Wirkung existierender Vorschriften bewertet sowie Widersprüche und Fehler beseitigt werden, mahnt er. So seien etwa die verschiedenen EU-Vorschriften zu Kostenangeben nicht konsistent: Für einen Fonds gebe es je nachdem, ob ein Anleger diesen direkt oder etwa in einer Fondspolice oder Riester-Rente kaufe, verschiedenste Angaben zu Kosten.

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