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21.05.2013

11:55 Uhr

Riester, Rürup und miese Fondspolicen

Die faule Tomate im Rentenkorb

VonDörte Jochims

ExklusivIn Zeiten mickriger Zinsen erleben Fondspolicen ein Comeback. Eine Studie zeigt jedoch: Jeder dritte Fonds aus dem Angebot der Versicherer ist ein Flop. Was die Favoriten der Versicherer für die Altersvorsorge taugen.

Fondsprospekt: Bei der Auswahl der Produkte tun sich viele Versicherer schwer. gms

Fondsprospekt: Bei der Auswahl der Produkte tun sich viele Versicherer schwer.

Die Bilanz ist traurig. Minus 8,6 Prozent im Drei- und minus 7,7 Prozent im Fünf-Jahres-Mittel. Der Rohstoff-Aktienfonds BGF World Mining ist zwar einer der Besten seiner Klasse. Doch auch der langjährige Fondsmanager Evy Hambro konnte die starke Abwärtsbewegung bei Rohstoffaktien nicht ausgleichen. Auf Grund solcher Schwankungen gilt dieses Anlagesegment zu Recht als risikoreich.

Würden Sie einen solchen Titel in ein Portfolio nehmen, um für die Altersvorsorge zu sparen? Wohl eher nicht. Trotzdem hält fast jeder zweite Anbieter von fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen dieses Produkt für ihre Kunden anscheinend für unverzichtbar.

Altersvorsorge: Welche Fonds Versicherer verkaufen

Altersvorsorge

Welche Fonds Versicherer verkaufen

Die Renditen für Lebenspolicen sinken, daher nutzen immer mehr Sparer fondsbasierte Altersvorsorge-Produkte. Die Analyse der zehn meist verkauften Fonds zeigt: Die meisten davon sind schlecht. Was Kunden wissen sollten.

Eine Studie des Analysehauses Feri Euro Rating Services, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt zeigt: Obwohl der BGF World Mining eigentlich nur erfahrene Anleger ihrem Portfolio beimischen sollten, rangiert das Produkt bei Anbietern fondsgebundener Leben- und Rentenpolicen in der Beliebtheitsskala an dritter Stelle. Und das ist nicht der einzige fragwürdige Aspekt bei der Fondsauswahl der Versicherer.

Masse statt Klasse

Die Experten von Feri nahmen zum zweiten Mal Fonds unter die Lupe, in die Versicherungskunden bei Fondspolicen investieren können. Sie untersuchten dabei alle Produkte, die in den Versicherungsbedingungen oder in den Geschäftsberichten dokumentiert wurden und in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Feri hatte bereits 2010 das Angebot von 60 Versicherungen getestet. In der aktuellen Studie waren es 71 Anbieter.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Von den 6.000 Fonds, aus denen Bestandskunden der Versicherer auswählen können, weisen immerhin 36,3 Prozent ein Top-Rating bei Feri auf, was eine stabile überdurchschnittliche Performance in ihrer Anlageklasse erwarten lässt. Das Angebot für neue Versicherungskunden umfasst 1.200 Fonds. Hier halten 44 Prozent der Fonds ein Spitzenrating.

Das Problem: 23,4 Prozent der Fonds, die Neukunden bei Vertragsabschluss in ihr Depot wählen können, werden von Feri mit „unterdurchschnittlich“ oder „schwach“ bewertet. Bei Bestandskunden fielen sogar 32,2 Prozent der Fonds auf den Produktlisten durch.

Kommentare (13)

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Klaus

30.04.2013, 11:18 Uhr

Seit wann ist der Pioneer Global Ecology ein Umwelttechnologie-Fonds und ein "risikoreicher Exot"? Ein kurzer Blick in die Branchenverteilung hätte gereicht:
43,530% Industrie
24,300% Sonstige Konsumgüter
10,600% Finanzdienstleistu..
08,450% Sonstige Branchen
06,170% Gesundheitsdienstl..
05,850% Sonstige Versorger
01,100% Energieversorger

Oder ist es exotisch, eine nachhaltige Aktienauswahl zu treffen?

violent

30.04.2013, 11:40 Uhr

Fondak hat bezogen auf ein Jahr 15,99 % gemacht und auf 5 keinen Verlust. was bitte soll dann durchschnitt sein?

tbhomy

30.04.2013, 12:15 Uhr

Das Problem liegt, wenn man einmal von den teilweise hohen Fondskosten einer Fondspolice absieht, nicht immer im Fondsprodukt, sondern recht häufig in der Beratung des Kunden. Fondspolicen bedürfen einer konsequenten Serviceleistung des Vermittlers in der Form, dass dieser seine Kunden laufend über den STatus Quo der Fonds informiert und Fondwechsel/Änderungen im Mix anregt. Nur leider ist dem Vermittler der Aufwand hierfür zu groß oder er hat überhaupt keine Ahnung vom Fonds oder dem Markt der im Fonds gebündelten Finanzinstrumente.
Er ist halt Vermittler und kein Berater. Errare humanum est...

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