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20.07.2016

13:09 Uhr

Roman für Hodge

Allianz holt Hedgefonds-Chef für Pimco

Die Allianz tauscht den Chef ihres Sorgenkindes Pimco aus, das seit mehr als zwei Jahren unter massiven Mittelabflüssen leitet. Nun soll es der Chef des weltgrößten börsennotierten Hedgefonds richten.

Das Logo von Pacific Investment Management Co (PIMCO) in Newport Beach, Kalifornien. Manny Roman vom Hedgefonds-Anbieter Man soll das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur bringen. Reuters

Pimco

Das Logo von Pacific Investment Management Co (PIMCO) in Newport Beach, Kalifornien. Manny Roman vom Hedgefonds-Anbieter Man soll das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur bringen.

FrankfurtBeim Allianz-Sorgenkind Pimco soll ein neuer Chef für frischen Wind sorgen. Das US-Fondshaus, das seit gut drei Jahren Kundengelder verliert, wird ab November von Emmanuel „Manny“ Roman geführt. Der 52-Jährige folgt auf Douglas Hodge und kommt vom weltgrößten börsennotierten Hedgefonds Man Group, wo er seit Anfang 2013 an der Spitze stand. Pimco machte den überraschenden Wechsel am Mittwoch bekannt.

Die Herausforderungen sind groß: Roman muss den Sparkurs weiter vorantreiben und vor allem die Gunst der Anleger zurückgewinnen. Personalquerelen und eine enttäuschende Entwicklung der einstigen Flaggschiff-Fonds haben viele Kunden verprellt. Ein kompletter Strategieschwenk hin zu riskanteren Produkten ist Insidern zufolge unter dem neuen Mann aber nicht zu erwarten.

Allianz-Managerin Jacqueline Hunt, die zum 1. Juli neu in den Vorstand des Münchener Versicherungsriesen eingezogen und dort für die Vermögensverwaltung im Konzern zuständig ist, pries Roman als Investmentexperten mit fast 30 Jahren Erfahrung. Er bringe das richtige Werkzeug mit, um Pimco in die Zukunft zu führen. Hodge dagegen - der nur etwas mehr als zwei Jahre im Chefsessel gesessen hat - habe als Mann des Übergangs einen hervorragenden Job gemacht. Er soll Pimco jetzt als Berater erhalten bleiben.

Die größten Verwalter privater Vermögen

Der Markt für Vermögensverwalter

Der Markt für Verwalter privater Vermögen hat ein Volumen von 20,6 Billionen Dollar.
Die zehn größten Vermögensverwalter beherrschen davon 47 Prozent. Allein die UBS kommt auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent.

In diesem Ranking nicht berücksichtigt: Vermögensverwalter, die sich nicht auf vermögende Privatkunden fokussieren, wie Blackrock.

Quelle: Scorpio Partnership

Die dynamischsten Vermögensverwalter

Das schnellste Wachstum unter den Vermögensverwaltern legte die BMO Financial Group aus Kanada hin. Durch Übernahmen wuchs das verwaltete Vermögen um 80 Prozent auf 326,4 Milliarden Dollar.

Unter den Top 10 Vermögensverwaltern wuchs JPMorgan Chase & Co. am schnellsten. Die Amerikanier steigerten das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf 428 Milliarden Euro.

Platz 10

Goldman Sachs, USA
Verwaltetes Vermögen: 363 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 10 Prozent

Platz 9

HSBC, Großbritannien
Verwaltetes Vermögen: 365 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 4,5 Prozent

Platz 8

BNP Paribas, Frankreich
Verwaltetes Vermögen: 371 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 6,2 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 6,3 Prozent

Platz 7

J.P.Morgan Chase & Co., USA
Verwaltetes Vermögen: 428 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 18,6 Prozent

Platz 6

Citi Bank, USA
Verwaltetes Vermögen: 551 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr: Keine Angaben, da die Bank ihre Berechnungsgrundlagen geändert hat.

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada
Verwaltetes Vermögen: 704 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 4,6 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 13,8 Prozent

Platz 4

Credit Suisse, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 884 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 0,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 10,6 Prozent

Platz 3

Bank of America Merill Lynch
Verwaltetes Vermögen: 1,98 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,3 Prozent

Platz 2

Morgan Stanley, USA
Verwaltetes Vermögen: 2,03 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,1 Prozent

Platz 1

UBS, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 2,04 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 3,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 15 Prozent

Quelle: Scorpio Partnership

Pimco mit Sitz in Kalifornien und einem Fokus auf das Anleihe-Geschäft war jahrelang das Maß aller Dinge an den Märkten. Firmengründer Bill Gross galt als „Bond-König“. Seine Fonds, allen voran der Total Return, brachten den Anlegern satte Gewinne. Die Allianz wiederum konnte sich mit der wichtigen Stütze Pimco eine lukrative Vermögensverwaltung als zweites Standbein aufbauen. Doch in der Finanzkrise verließ Gross das Glück. Die Fonds-Entwicklung enttäuschte zusehends, später kam ein Zerwürfnis mit seinem Kompagnon Mohamed El-Erian hinzu. 2014 schied erst El-Erian im Streit mit Gross aus, wenig später ging auch Gross im Streit mit der Konzernmutter. Seither versucht die Allianz, Pimco wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Der Bedeutungsverlust ist enorm: Hatte das Fondshaus Anfang 2013 zwei Billionen Dollar verwaltet, waren es Ende März 2016 noch 1,5 Billionen. Die Investmentgesellschaft wirft zwar weiter Gewinne ab. Die Allianz will die Mittelabflüsse aber in der zweiten Jahreshälfte gestoppt sehen. In der Zwischenzeit steuert sie mit Kostensenkungen gegen: 68 der rund 2300 Mitarbeiter müssen bei der Tochter gehen, wie im Juni bekannt wurde. Gleichzeitig wird die Produktpalette wieder ausgedünnt. Denn die Hoffnung, Pimco könne auch stärker im Aktienfondsgeschäft Fuß fassen, erfüllte sich nicht.

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Auch der künftige Chef Roman gilt als Experte für festverzinsliche Wertpapiere. Den Hedgefonds Man Group, der knapp 80 Milliarden Dollar an Vermögen verwaltet, machte er in den vergangenen Jahren erfolgreich wetterfest. Dabei kommt der Manager ursprünglich gar nicht aus dieser Branche, die traditionell höhere Renditen bei höherem Risiko verspricht. Roman war 2010 mit der Übernahme der Fondsgesellschaft GLG Partners zu Man gekommen. Vor seiner Zeit bei GLG hatte er 18 Jahre für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. Bei Man Group soll ihn der bisherige Präsident Luke Ellis ablösen.

Von

rtr

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