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16.11.2012

16:04 Uhr

Schiffsfonds

Wie Anleger noch von Bord springen können

VonThomas Schmitt

Schiffsfonds werden zum Auslaufmodell. Seit fünf Jahren stecken die Finanzierer von Frachtschiffen in der Krise. Nun droht dem beliebten Steuersparmodell der Kollaps. Was Investoren noch tun können, um Geld zu retten.

Das Hansa-Forum ist ein beliebter Branchentreff. Derzeit fühlen sich die Schiffsfinanzierer gefangen im Netz von Banken, Märkten und Politik. Bildquelle: Einladung zum 16. Hansa-Forum

Das Hansa-Forum ist ein beliebter Branchentreff. Derzeit fühlen sich die Schiffsfinanzierer gefangen im Netz von Banken, Märkten und Politik.

Bildquelle: Einladung zum 16. Hansa-Forum

Düsseldorf / Hamburg„Hier trifft sich die Welt.“ So wirbt das Hamburger Grand Elysée-Hotel für seine Tagungen. Was in der schönen Welt der Werbestrategen nach Horizonterweiterung klingt, geht in der Praxis nicht immer auf. Das heutige Treffen der Reeder zum Hansa-Forum ist so ein Beispiel: Während Anleger seit Jahren Geld damit verlieren, dass sie den Reedern neue Schiffe bezahlten, wird hier hinter der hell verklinkerten Fassade des Luxushotels vor allem darüber gesprochen, wie sich die Branche selbst weiter über Wasser hält.

Dass Konten der umschwärmten privaten Geldgeber von einst längst unter Wasser sind, ist hier bei Häppchen und O-Saft nur ein Randthema.

Dabei droht den Initiatoren nun von ihren Anlegern neuer Ärger. Viele überlegen, wie sie aussteigen können. Rechtsanwälte bieten bereits ihre Hilfe an und prüfen Fluchtwege. 

 

Bereits zum 16. Mal versammelt sich die Elite aus Schifffahrt und Finanzierung 
im Grand Elysée. „Jahr fünf der Krise“, heißt das große Thema. „Wie viel Spielraum haben Anleger und Reeder noch? Welche Schiffe können sich morgen noch am Markt behaupten?“. 2012 sei eines der härtesten Jahre für die Schifffahrt überhaupt, heißt es daher in der Ankündigung für die gut besuchte Branchenveranstaltung Hansa-Forum. Und viele Profis bestätigen den Befund. Unauskömmliche Fracht- und Charterraten in vielen Segmenten hätten die Liquiditätslöcher bei etlichen Schiffsgesellschaften wieder weit aufklaffen lassen. Die Zahl der Schiffs-Insolvenzen sei auf weit über 100 hochgeschossen. 

So könnte der Ausstieg aus Schiffsfonds gelingen

Details

Die Hahn Rechtsanwälte schicken Anlegern per Mail auf Nachfrage einige allgemeine rechtliche Handlungsempfehlungen, die aber nicht den Einzelfall berücksichtigten könnten.

Quelle: Hahn Rechtsanwälte

Falsch beraten?

Wer Kontakt zu einer Bank oder einem Anlageberater hat, schließt mit diesem einen Auskunfts- oder Anlageberatungsvertrag. Der Vertragsabschluss kommt in der Regel  durch entsprechende mündliche Erklärungen zustande. In diesem Falle muss der Berater anleger- und objektgerecht beraten und dabei auch auf negative Presseberichte hinweisen.

Schlecht aufgeklärt?

Berater müssen die Plausibilität einer Empfehlung prüfen, sie sollten zudem ungefragt über Rückvergütungen aufklären.

Pflichten verletzt?

Einen Anlagevermittler zu verklagen, lohnt sich womöglich bei eindeutigen Pflichtverletzungen.

Fehler im Prospekt?

Gegen das Emissionshaus könnte wegen Prospekthaftung im engeren Sinne vorgegangen werden. Voraussetzung seien Fehler im Verkaufsprospekt, so die Anwälte. Hier ist die Verjährungsfrist zu beachten, meist sind das drei Jahre.

Fehlerhafte Widerrufsbelehrung?

Ein weiterer Ansatz ist ein Widerruf bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung. In Extremfällen könnten Schadensersatzansprüche gegen Initiatoren, Gründer und Hintermänner gegeben sein.

Rückzahlung der Ausschüttung?

Von zahlreichen Kommanditisten werden derzeit Ausschüttungen zurückgefordert. Grundsätzlich hafte der Kommanditist mit seiner Hafteinlage. Werde diese durch Ausschüttungen geschmälert, sei die Hafteinlage wieder aufzufüllen.

Tipp

„Ohne rechtliche Prüfung sollten Sie hier der Forderung der Fondsgeschäftsführung auf Rückzahlung der Ausschüttungen nicht Folge leisten“, raten die Hahn Rechtsanwälte.

Rechtsberatung

Für eine schriftliche Erstbewertung des Einzelfalls nehmen die Hahn Rechtsanwälte einen Betrag von 250,00 Euro pro gezeichnete Beteiligung. Das Gebührenmodell sei verhandelbar.

Selbst Schiffsgesellschaften, die weitgehend entschuldet sind, steckten häufig in der Bredouille. Reeder und Kommanditisten müssten entscheiden, ob sie noch einmal Liquidität in die Schiffe pumpen oder verkaufen, um drohende Verluste abzuwenden.

Viele Experten sehen die Lage noch weitaus düsterer. "Der Schiffsfonds-Markt steht vor dem Kollaps", sagt Jürgen Dobert, der seit mehr als 40 Jahren die Branche analysiert. Schon mehr als 130 Anlegerschiffe seien in die Insolvenz gefahren. Rund 800 Millionen Euro hatten Anleger in die Schiffe gesteckt.

Anleger müssen zittern: Schiffbruch mit Schiffsfonds

Anleger müssen zittern

Schiffbruch mit Schiffsfonds

Als „Mitreeder“ sind Anleger nicht nur an den Gewinnen der Schiffe beteiligt.

Allein in dieser Woche kamen vier Containerschiffe des Reeders Bertram Rickmers hinzu. "Diese und andere Fälle zeigen, dass auch renommierte Reedereien wie Bertram Rickmers die Stützung ihrer Schiffsfonds eingestellt haben", sagt Schifffahrtsanalyst Jürgen Dobert.

Viele Experten fürchten daher weitere Insolvenzen, etwa Ralf Friedrichs, Chef von HCI, einer der größten Schiffsfinanzierer. Er muss selbst 28 Pleitefälle bei Frachtern verkraften. Oder auch Torben Kölln, Geschäftsführer von Buss Shipping: Letztlich sei Reedern und Emissionshäusern bewusst, dass sie in der Boomphase zu viele Schiffe gekauft haben und die zu teuer bezahlt habe.

Kommentare (17)

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DrPeters

15.11.2012, 17:32 Uhr

Schmeißt das gute Geld den Anwälten hinterher, lautet hier die Info.

Account gelöscht!

15.11.2012, 17:45 Uhr

Dieser Artikel ist inhaltlich sehr dünn. Ist es eine Werbung für die Hahn Rechtsanwälte?
Die meisten Aussagen sind Plattitüden, der Kern der Probleme (zu hohe Einkaufspreise, zu hoher FK-Anteil, keine Währungskongruenz bei den Finanzierungen, Fehleinschätzungen der Betriebskosten und unfähige Fondsgeschäftsführungen) wird allerhöchstens angedeutet. Den Anlegern werden Chancen durch den Rechtsweg vorgegaukelt, die kaum vorhanden sind. Die einzigen die sicher gewinnen sind die Rechtsanwälte (Erstberatung à 250 €, wenn nur 1.000 Handelsblattleser darauf reagieren sind das schöne Einnahmen ohne große Arbeit, da diese Erstberatung sich erfahrungsgemäß auf die auch im Artikel dargestellten oberflächlichen Aussagen beschränken).
Statt sich auf alte Geschichten von exorbitanten Steuervorteilen zu stürzen, sollte das Handelsblatt echte Fakten liefern, sich beispielsweise einmal exemplarisch einige Schiffs-KGen vornehmen und Prospekte und deren Prognosen, die tatsächliche Entwicklung und mögliche zukünftige Szenarien dieser konkreten Beteiligungsgesellschaften analysieren.
Dabei sollte auch die Rolle des Herrn Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik diskutiert werden, der jetzt vom Handelsblatt als Kronzeuge der Krise und Fachmann zitiert wird, mit seinen inzwischen als absurd entlarvten Prognosen (im Auftrag der Emissionshäuser)aber nicht unerheblich daran beteiligt war, Anleger von der Sinnhaftigkeit von Schiffsinvestments zu überzeugen.
Früher stand das Handelsblatt einmal für fundierte Berichterstattung. Und heute?

u.h.

15.11.2012, 18:07 Uhr

Der Artikel ist einfach plumpe Werbung für die schon einschlägig bekannten (meist beschäftigungslosen) Rechtsanwälte, die die Unwissenheit der Anleger in Rechtsfragen ausnutzen und Gebühren kassieren wollen, wohlwissend, das ihre pauschalen Anschuldigungen vollkommen ins Leere laufen.

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