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11.01.2010

16:31 Uhr

Schneeballsysteme

Finanzkrise lässt Betrüger auffliegen

VonSonia Shinde

Seit Monaten fliegen immer mehr Schneeballsysteme auf. Ihnen fehlt es an frischem Kapital, weil Anleger in Zeiten der Wirtschaftskrise Geld aus den Investments ziehen wollen. Und die Strafverfolger schauen genau hin und schlagen härter zu.

Die Finanzkrise entlarvt Betrüger wie Bernard Madoff. Quelle: dpa

Die Finanzkrise entlarvt Betrüger wie Bernard Madoff.

FRANKFURT. Den Anfang machte Bernard Madoff, der im bislang weltweit größten Schneeballsystem Anleger um rund 65 Mrd. Dollar geprellt hat. Dann folgte Allen Stanford, bei dem rund sieben Mrd. Dollar verschwanden und Ende vergangener Woche gestand Scott Rothstein, rund 1,2 Mrd. Dollar veruntreut zu haben.

Experten sehen darin eine Folge der Finanzkrise, die bald über den Großen Teich schwappen wird. "Ich rechne damit, dass auch in Deutschland in den nächsten Monaten immer mehr solcher Betrügereien auffliegen werden", sagt der Würzburger Wirtschaftskriminalist Uwe Dolata, der als ausgewiesener Kenner der Szene gilt. Würzburg galt jahrelang als heimliche Hauptstadt der Kapitalanlagebetrüger. Schneeballsysteme "made in Franken" führten regelmäßig die bundesweiten Schadenstatistiken an. In Würzburg sitzt derzeit auch der Aschaffenburger Psychologe Helmut Kiener in Haft. Der Staatsanwalt wirft ihm Kapitalanlagebetrug im großen Stil vor. Er soll mit seinen K1 Fonds Banken Tausende Anleger um mehr als 200 Mio. Euro geprellt haben.

Die Gründe, dafür, dass Schneeballsysteme wie die von Madoff, Stanford oder Rothstein "platzen wie Seifenblasen", wie es Experten beschreiben, sind simpel - Geldsorgen. "Viele Anleger haben durch die Finanzkrise Geld verloren und ziehen jetzt Vermögen aus ihren Investments ab. Gleichzeitig ist die typische Klientel aus Ärzten und Anwälten nicht mehr so liquide und misstrauischer beim Geld anlegen", sagt der Wirtschaftsstrafrechtler Kai Bussmann von der Universität Halle.

In Krisenzeiten steigen Anleger schneller aus und Investoren schwerer ein. Betrüger geraten so doppelt unter Druck, beobachtet auch Brigitte Galley, Direktorin des Instituts für Risk & Fraud Management an der Steinbeis-Hochschule.

Aber auch die Strafverfolger schauen genauer hin. "Die Finanzkrise hat gezeigt, welche fatalen Folgen ein dysfunktionales Finanzsystem hat", sagt Jurist Schröder. Entsprechend würden vor allem die USA ihre Strafverfolgung intensivieren, um das Vertrauen in die Märkte wieder herzustellen. "Allein die Tatsache, dass das FBI im Fall des mutmaßlichen Kapitalanlagebetrügers Helmut Kiener einen V-Mann eingeschleust hat, zeigt, dass die US-Behörden größere Geschütze auffahren", sagt Uwe Heim, Forensikexperte bei den Wirtschaftsprüfern von Deloitte.

Gleichzeitig rüsten aber auch die Betrüger auf, warnt Steffen Salvenmoser, Fachmann für Wirtschaftskriminalität beim Konkurrenten PWC. "In Zeiten, wo die Zinsen niedrig sind und die Kunden ihren Banken misstrauen, ködern Betrüger leicht neue Opfer", beobachtet der ehemalige Staatsanwalt.

Kommentare (1)

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Clemens

11.01.2010, 23:52 Uhr

dann wollen wir mal hoffen, dass keiner das Geld aus den Schnellballsystemen der banken und des Rentensystems abholen will. Sonst macht es einfach nur noch PLOPP...

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