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24.01.2012

15:18 Uhr

Schuldenschnitt

Fondsbranche rechnet mit Anlegerprozessen

VonAnnika Williamson

ExklusivWer über einen Fonds in Griechenland investiert hat, muss um sein Investment bangen. Fondsanleger haben keine Möglichkeit, sich gegen den Schuldenschnitt zu wehren. Die Branche rechnet mit Klagen.

Griechische Euro-Münze. dpa

Griechische Euro-Münze.

DüsseldorfDie Verhandlungen um den griechischen Schuldenschnitt kommen in die heiße Phase. Für Anleger stellt sich jetzt die Frage: Was wird aus dem eigenen Geld? Große Gläubiger wie Banken und Versicherer stehen in der Pflicht, Griechenland entgegenzukommen. Am ehesten haben noch die Kleinanleger Aussichten darauf, um den Schuldenschnitt herumzukommen - doch auch diese Chance scheint gering zu sein. „Es ist wahrscheinlich, dass auch Kleinanleger mit einbezogen werden“, sagt Günther Welter, Portfoliomanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. „Das macht Sinn, um die griechische Schuldentragfähigkeit wiederherzustellen - zum Wohl aller Anleger.“

Verbraucherschützer und Finanzexperten haben schnell klargemacht, dass der Schuldenschnitt für jeden einzelnen Gläubiger freiwillig ist. Doch wer ihn ablehnt, läuft Gefahr, im Fall einer Staatspleite sein Geld komplett zu verlieren. Je mehr Gläubiger am Schuldenschnitt teilnehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland schnell wieder auf die Beine kommt.

Eine Anlegergruppe bleibt vollkommen machtlos: die Fondsanleger. Sie sind zwar Kleinanleger. Gläubiger für ihre Anteile ist allerdings die Fondsgesellschaft, bei der sie investiert sind. Diese entscheidet daher auch, ob sie im Namen der einzelnen Anleger, die zum Beispiel über einen Rentenfonds indirekt in griechische Staatsanleihen investiert sind, am Schuldenschnitt teilnimmt.

Privatanleger: Griechischer Schuldenschnitt? Ohne uns!

Privatanleger

Schuldenschnitt? Ohne uns!

Privatanleger können sich im Falle eines Schuldenschnitts verweigern.

Wer im Fondsprospekt nachliest, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, dass sich die Fondsgesellschaft schon vor Monaten von ihrem Griechenland-Engagement getrennt hat. JP Morgan beispielsweise hat im Juni 2010 ihre Benchmarks so angepasst, dass nur noch Anleihen mit Bonitätsnoten im "Investment Grade"-Bereich in ihre Portfolios kommen – das heißt Anleihen, die mindestens die Note "BBB" halten. Griechenland wird von der Ratingagentur Fitch derzeit mit "CCC" bewertet. Auch Union Investment hat nach eigener Auskunft "so gut wie keine Bestände" an griechischen Anleihen mehr.

Einige griechische Papiere verstecken sich allerdings weiterhin in Fondsportfolios, und die dürften von einem Schuldenschnitt betroffen sein. „Ich denke, die deutsche Fondsbranche wird sich auf eine einheitliche Lösung für Publikumsfonds einigen“, sagt Portfoliomanager Welter - und hält es für wahrscheinlich, dass es bei dieser Einigung auf eine Zustimmung zum Schuldenschnitt hinausläuft.

Kommentare (3)

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Thomas-Melber-Stuttgart

24.01.2012, 16:08 Uhr

Grundsätzlich sind die Fonds dem Anlegerinteresse verpflichtet - was Raum für Interpretationen läßt. Vielleicht könnten die Fonds auch Ansprüche an die Investoren der 2. Linie (Fondsanleger) abtreten bzw. übertragen, noch vor dem Schuldenschnitt?

kleinfeldt

24.01.2012, 17:22 Uhr

Was das wohl für die Bürger bedeutet die in einer Lebensversicherung investiert sind. Legen diese Versicherer das Geld der Sparer nicht meist in Staatsanleihen an? Glücklich dürfte jetzt der sein, der alles gekündigt und auszahlen lassen hat!

Subventionen-fuer-DWS-Fehler

25.01.2012, 01:20 Uhr

Asoka Wöhrmann ist Oberster Fondsmanager der Dt. Bank-Tochter DWS. Im März 2010 (!),lange vor dem endgültigen Absturz der Ouzo-Bonds prahlte Wöhrmann in der FAZ „Wir kaufen griechische Staatsanleihen“
Mit dieser Titelzeile sollten Anleger animiert werden, es dem Meister gleichzutun , plauderte dieser doch leutselig über angebliche Gewinne seiner Strategie.
Im Nachrichtenmagazin FOCUS legte Wöhrmanns DWS-Fondskollege Oliver Eichmann noch im Mai 2011 nach."Wir haben jüngst kurzlaufende Griechenland-Anleihen gekauft" ... tönte der Mann von der Dt.Bank-Tochter in froher Bail-Out-Erwartung.
Wie sich die Schieflagen wohl seitdem entwickelt haben ? ...
Offenbar ist die Spekulation der Prahlhanse nicht aufgegangen. Die Schieflage trifft daher auch die Schar ihrer Jünger, die ihnen Geld anvertraut haben.
In dieser Situation kann es nicht Aufgabe der deutschen Steuerzahler sein, den Geldverleihern und Gläubigern die Folgen ihrer Fehlentscheidung wegzusubventionieren.
Zahlungsausfälle gehören in das Innenverhältnis von Gläubiger und Schuldner ... auch wenn sich die Gläubiger noch so sehr bemühen, das Tragen der Konsequenzen ihrer eigenen Investmentfehler zur "aufgezwungenen Beteiligung" umzulügen

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