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09.11.2015

19:23 Uhr

Schwellenländer

Goldman Sachs mottet BRICs ein

VonHeike Schwerdtfeger
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Es war eine der erfolgreichsten Marketingkampagnen in der Investmentbranche. Fonds mit dem Kürzel BRIC für vier Schwellenländer sammelten Milliarden ein. Jetzt schlachtet Namensgeber Goldman Sachs die heilige Kuh.

Brasilien, Russland, Indien und China waren vor rund 15 Jahren die Zugpferde der Weltwirtschaft. Doch die BRIC-Party ist jetzt vorbei. dpa

BRIC-Fonds

Brasilien, Russland, Indien und China waren vor rund 15 Jahren die Zugpferde der Weltwirtschaft. Doch die BRIC-Party ist jetzt vorbei.

Als Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs erfand Jim O'Neill das BRIC-Konzept: Brasilien, Russland, Indien und China machte er vor rund 15 Jahren als Zugpferde der Weltwirtschaft aus. Der Goldman-Sachs-Fondsableger GSAM machte daraus – wie viele andere Fonds- und Zertifikateanbieter – rasch ein neues Investmentprodukt. Die BRIC-Fonds wurden geboren, eine riesige Marketing-Kampagne lief an, die Länder liefen gut und entsprechend üppig wurden die Fonds mit Geld überflutet.

Jahrelang hatte ein massiver Kreditboom die Länder angetrieben, das billige Geld, das die Notenbanken der Industrieländer in den Markt pumpten, wurde vielfach in den Schwellenländern investiert. Die erzielten lange hohe Einnahmen aus ihren Rohstoffexporten, galten als gering verschuldet, jung und dynamisch. Jetzt rächt es sich, dass die Länder in den Boomzeiten nicht die notwendigen wirtschaftlichen Reformen umgesetzt haben und ihre Wirtschaft nicht diversifizieren konnten. Dafür bezahlen jetzt auch die Anleger den Preis.

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Schwellenländer, vor Jahren noch ein Mega-Anlagethema, hinken den Industrieländern hinterher - aus Börsensicht. Doch mutige Investoren verdienen auch im schwierigeren Fahrwasser Geld.

Die BRIC-Party ist vorbei. O’Neill ist inzwischen ins britische Oberhaus eingezogen und macht lieber Politik. Brasilien ist nicht dauerhaft zum Ernährer und Rohstofflieferant der Welt geworden, wie O’Neill einst orakelte, sondern kämpft jetzt mit Korruption in der Politik und schwachen Wirtschaftsdaten. Im Jahr 2010 betrug das Wachstum 7,5 Prozent, und alle dachten, so geht es weiter.

Doch 2011 legte Brasilien nur noch um 2,7 Prozent zu, seitdem ging es weiter runter. Russland steckt ebenfalls in einer tiefen Krise unter anderem, weil der Ölpreis stark gesunken ist und das Land nicht mehr auf die hohen Einnahmen aus dem Export zählen kann. Chinas Wirtschaft läuft ebenfalls schwächer und Indien kann die Kurs- und Währungsverluste der anderen Staaten in den BRIC-Fonds allein nicht wettmachen.

Die einstigen Erfolgsfonds sind ins Minus gerutscht. In den vergangenen fünf Jahren erzielt nur noch eines von 67 Portfolios ein Plus und das nur mit mageren 1,5 Prozent pro Jahr. Langfristig, in den vergangenen zehn Jahren war das Ergebnis besser, 6,8 Prozent pro Jahr schafft der beste unter einer Handvoll Fonds, die damals schon am Markt waren.

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