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25.04.2012

20:43 Uhr

SEB ImmoInvest

Letztes Rettungsmanöver für offenen Immobilienfonds

Etliche offene Immobilienfonds stecken in der Krise. Die Fondsgesellschaft der SEB will jetzt ein Schwergewicht der Branche, in das Tausende Privatanleger investiert haben, mit einem Rettungsmanöver vor dem Aus bewahren.

Feuerwehrmänner stellen sich für einen Wettbewerb vor einem Berliner Hochhaus auf. dpa

Feuerwehrmänner stellen sich für einen Wettbewerb vor einem Berliner Hochhaus auf.

Der seit zwei Jahren eingefrorene Offene Immobilienfonds SEB ImmoInvest legt sein Schicksal in die Hände der Anleger. Der gut sechs Milliarden Euro schwere Fonds werde am 7. Mai für einen Tag öffnen und dann versuchen, die Rückgabewünsche der Anleger zu bedienen, teilte SEB Asset Management am Mittwochabend überraschend mit. Nur wenn mit der derzeitigen Liquiditätsquote von gut 30 Prozent alle Rückgabewünsche bedient werden können, habe der Fonds eine Zukunft. Andernfalls droht dem ImmoInvest die Abwicklung. Falls zu viele Investoren ihre Anteilsscheine zurückgeben, könnte der Fonds wieder in Schieflage geraten.

Eine solche Blitzöffnung ist rechtlich zwar erlaubt, fördert Experten zufolge aber nicht unbedingt das Anlegervertrauen. Die Gnadenfrist der Regulierer läuft eigentlich am 5. Mai ab: Bis dahin hätte der Fonds wieder öffnen oder für immer dichtmachen müssen. In der Branche wurde zuletzt erwartet, dass sich SEB für eine Abwicklung des ImmoInvest entscheidet. Fondsmanagerin Barbara Knoflach will die Verkaufsorders nun in den nächsten Tagen sammeln und alle Anleger gleich behandeln. Der Anteilswert wird allerdings im Zuge von Wertberichtigungen auf den Immobilienbestand von vornherein um fünf Prozent gesenkt.

Weitere Details will Knoflach an diesem Donnerstag bekanntgeben. Die Nachrichten vom SEB ImmoInvest sind ein denkbar schlechtes Vorzeichen für den ungefähr gleich großen und ebenfalls eingefrorenen Konkurrenten CS Euroreal, über dessen Zukunft bis spätestens 18. Mai entschieden werden muss.

Offene Immobilienfonds galten hierzulande jahrelang als sicheres Investment gerade für Kleinsparer, weil sie Immobilien-Anlagen breit streuen. Die Branche warb damit, dass die Mittel täglich verfügbar sind. Doch in der Finanzkrise 2008 zogen institutionelle Investoren auf einen Schlag Milliardensummen aus den Fonds ab, während die Kleinanleger oft nicht schnell genug reagierten. Aus Sorge vor Liquiditätsengpässen froren deshalb viele Gesellschaften ihre Fonds ein und stoppten die Anteilsscheinrücknahme. Bis heute hat sich die Lage kaum entspannt.

Eine 2011 beschlossene gesetzliche Neuregelung greift erst über die Zeit. Aktuell sind nach Angaben des Branchenverbands BVI rund 15 Milliarden Euro in eingefrorenen Offenen Immobilienfonds dem Zugriff der Anleger entzogen - fast ein Fünftel des gesamten Vermögens in dieser Anlageklasse. Derzeit befinden sich schon acht Fonds in der Abwicklung. Auch etliche Dachfonds, die in Offene Immobilienfonds investierten, mussten dichtmachen.

Von

rtr

Kommentare (16)

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Bekloppte-Fonds

26.04.2012, 01:15 Uhr

Die Fonds waren grossenteils bekloppt: Häufig sah man in Grossstädten mit reichlichem Leerstand an Büroimmobilien riesige Neubauprojekte, bei deren Anblick man sich fragte "Welcher Idiot baut dieses Ding in einen übersättigten Markt?" In aller Regel waren es Immobilienfonds, die wohl nicht wussten, wohin sie das Geld kippen sollten. Das Endergtebnis kann man jetzt bewundern.

AlexQuint

26.04.2012, 10:26 Uhr

Wer so einen Kommentar abgiebt hat noch nie einen Rechenschaftbericht eines offenen Immobilienfods gelesen und kennt die Vermietungquoten nicht. Wahrscheinlich verwechselt er sogar offene mit geschlossenen Immobilienfonds. So gesehen ist der Kommentar hier voll daneben ! Alex Quint

AlexQuint

26.04.2012, 11:06 Uhr

Ich kann nur hoffen, dass hier durch UNSACHLICHE Kommentare nicht zu einer Art - Massenpanik - begetragen wird. Es giebt sehr viele Gründe und Argument FÜR offenen Immobilienfonds. Stichwortartig : konstante Wertentwicklungen über viele Jahre hinweg, Geldanlage in Sachwerte ( gerade in der € Schuldenkriese ), konstante Mieterträge, steigende Immobilienpreise ( Inflation ), Risikostreuung, normalerweise "offenen" Fonds, die das Geld für kleinanlegen eben nicht ewig binden, dazu noch die Nachteile der Geldanlageklassen, die sich als Alternativen böten. Die 1. Alternative wären GELDWERTE in Form von Konten und festverzinslichen, mit MINIZINS und Risiken aus der Währung, die 2. Alternaive wären Aktien oder Rohstoffe / Edelmetalle, die jeweils über Börsen gehandelt werden und erheblichen Schwankungen unterliegen.
die 3. Alternative ist das direkte Investment in Immobilien, nur da fehlt es dann an der Streuung und der möglichkeit Teilbeträge zu veräußern. Und dann gibt es unzähle weitere Alternativen, die sich bei genauem Hinsehen aus Alternative 1 und 2 zusammensetzen. Teil 2 folgt.

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