Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2014

08:25 Uhr

Selfmade Capital und NCI New Capital Invest

Anlegern von Malte Hartwieg droht Totalverlust

ExklusivSchlechte Nachricht für Kunden des Finanzmaklers Malte Hartwieg: Mehrere Gesellschaften sind insolvent. Es droht der Totalverlust. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Selfmade Capital Management GmbH ist pleite. Anleger, die auf dieses Angebot aus Hartwiegs Portfolio gesetzt hatten, schauen nun in die Röhre. Andreas Dörnfelder/Handelsblatt

Die Selfmade Capital Management GmbH ist pleite. Anleger, die auf dieses Angebot aus Hartwiegs Portfolio gesetzt hatten, schauen nun in die Röhre.

DüsseldorfTausenden Anlegern, die auf Fonds des Münchener Finanzmaklers Malte Hartwieg vertraut haben, droht der Totalverlust. Beim Emissionshaus Selfmade Capital haben neben Holding und Verwaltungstöchtern zwei Treuhandgesellschaften Insolvenz angemeldet. „Damit stehen bis zu 70 Millionen Euro Anlegergeld im Feuer“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Rolf Pohlmann dem Handelsblatt.

Bei Hartwiegs Emissionshaus NCI New Capital Invest haben bereits mehrere Fonds Insolvenz angemeldet. Wie aus einem Brief von Pohlmann an Anlegeranwälte hervorgeht, handelt es sich um die Fonds NCI New Capital Invest USA 11, 16 und 19. Nach Handelsblatt-Informationen gelten bei NCI mindestens 50 Millionen Euro als gefährdet.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Gegen Malte Hartwieg, der auch den Fondsvertrieb Dima24 gegründet hat, ermittelt seit Sommer die Staatsanwaltschaft München wegen Verdachts auf Kapitalanlagebetrug. Hartwieg hatte über seinen damaligen Anwalt Aufklärung versprochen – und die Anleger um Geduld gebeten. Er war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Laut Insolvenzverwalter Pohlmann arbeitet Hartwieg konstruktiv mit und erteilt alle Auskünfte. Wie viel Geld zu retten ist, ließe sich noch nicht sagen, sagte der Insolvenzverwalter. Bei Selfmade Capital habe er bislang eine Million Euro gefunden. Das aber sei „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×