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18.01.2011

17:03 Uhr

Sex, Gefängnisse, Alkohol

Neuer Fonds wettet auf die sieben Todsünden

VonIngo Narat

Müssen Anlagen wirklich politisch korrekt sein? Ein Fondsberater versucht es mit dem genauen Gegenteil. Ein neues Produkt mit dem Namen "Prosperia Mephisto I" vereint die sieben Todsünden in sich - und die Interessenten rennen dem Berater die Bude ein.

"Mephisto": Ein geschlossener Fonds trägt den Namen des Teufels aus Goethes Faust. dpa

"Mephisto": Ein geschlossener Fonds trägt den Namen des Teufels aus Goethes Faust.

FRANKFURT. Mephisto ist bei Goethes Faust der Name, den der Teufel trägt. "Prosperia Mephisto I" könnte also eine wüste Prophezeihung sein. Tatsächlich ist es aber der Name einer geschlossenen Beteiligungsmöglichkeit, die heute in Frankfurt vorgestellt wird. Sie hat es in sich: Sie vereint die sieben Todsünden unter einem Dach und macht sie für Anleger so locker handelbar wie Kaffeebohnen oder Dollarscheine.

Zur Erinnerung: Sünde Nummer eins sind Stolz und Hochmut, hier setzt der frischfrohe Fonds mit Aktien von Luxusgütern an. Zu Sünde Nummer zwei, Habsucht und Geiz, passen Finanzwerte und Discounter. Der Neid wird mit Lifestyle-Firmen kombiniert. Der Zorn mit Anteilsscheinen von Gefängnisbetreibern. Für Unkeuschheit und Wollust bleibt die Sparte der Erwachsenenunterhaltung. Für Maßlosigkeit und Völlerei die Alkohol- und Tabakindustrie. Siebte Todsünde ist die Trägheit, dafür gibt es Aktien aus dem Freizeitsektor. Initiator dieses Sündenbabels ist Conrad Mattern, bekannter Fondsberater aus München, Leiter der Analysefirma Conquest und nebenbei Hochschullehrer.

"Die Vertriebe sind unglaublich interessiert, die rennen mir die Bude ein", sagt Mattern. Wahrscheinlich liegt es an der erhofften Rendite. Wer der Geschichte und der Statistik vertraut, kann in einen seit mehr als zehn Jahren berechneten Sündenindex für Aktien schauen. Ergebnis: Die unmoralischen Anlagen haben den allgemeinen deutschen Aktienindex um Längen geschlagen, vom Nachhaltigkeitsindex - der in diesem Fall eine Art faustischer Gegenspieler wäre - ganz zu schweigen. Viele Sündenaktien sind konjunkturell unabhängig, haben eine gewisse Marktmacht und werden von vielen Analysten gemieden.

Was für Mattern und seine "Prosperia Mephisto I" Gründe zum Investieren sind, scheuen große Investmentgesellschaften wie der Teufel das Weihwasser. Der Teufelsknabe aus München hatte versucht, einem großen Investmenthaus die Idee zu verkaufen. Ohne Erfolg. Kein Haus will einen offenen Fonds dieser Art auflegen. Über die Gründe kann Mattern nur orakeln. Vielleicht fühlen sich manche Anlagehäuser unter hohem Druck, weil ohne Bekenntnis zu nachhaltigen Ansätzen, zu grünem Denken, sozial verantwortlichem Handeln, Kampf gegen den Klimawandel und vielen anderen korrekten Zielen nichts mehr geht.

Ein Anlagehaus winkte wegen kirchlicher Investoren ab, ein anderes interessanterweise, weil im Fonds Aktien von Investmentbanken unter dem Laster Habsucht verbucht werden. Das könnte ja den eigenen Geschäftsinteressen schaden. Die unbestechliche Aufsicht Bafin hat den Fonds zwar durchgewunken. Aber das ist kein Gütesiegel wie bei der harten Prüfung eines offenen Fonds. Ein solcher Segen wird den Anlegern allemal lieber sein.

Kommentare (2)

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Ingo Scheulen

08.02.2011, 19:57 Uhr

Transparenz - einmal anders: Viele tun es, selten jedoch wird so offen gesagt, dass es einem "sch...egal" ist, auf welche Weise und auf wessen Kosten Rendite zustande kommt. Es wird interessant sein zu sehen, in welche Unternehmen das Geld der Anleger gesteckt wird - und ob sich das nicht auch in scheinbar harmlosen anderen Finanzprodukten findet.
Pecunia non olet - Geld stinkt nicht. Damit soll schon vor 1900 Jahren der römische Kaiser Vespasian die Einführung der Latrinensteuer kommentiert haben.
Vielleicht hat der eine oder andere Anleger bei Prosperia Mephisto ein schlechtes Gewissen. Doch dafür ist vorgesorgt: Wenn die Komplementärin (d.i. die initiatorin der Gesellschaft) gut verdient, "spendet sie 10% für einen guten Zweck, d.h. für gemeinnützig anerkannte Projekte, Vereine oder Gesellschaften, die sich gegen den Missbrauch von Kindern engagieren." (aus der Homepage)
Dies erinnert an den Martin Luthers "peccate fortiter!" (sündigt tapfer!). Wenn ihr kräftig sündigt, wird euch viel vergeben. Am Ende ist dann alles wieder gut, oder?
im interview (siehe Anlage) behauptet der Fondsberater Mattern: "Sie werden wie ich wahrnehmen, dass nahezu die gesamte Finanzbranche auf nachhaltige oder ethische investments setzt, also überall nur 'Gutmenschen', wohin ich auch schaue." Wenn es denn so wäre ...
Natürlich ist diese Art der Darstellung mit der "Sünde" ein schriller Werbe-Gag, der Aufmerksamkeit erregen soll. Ungewollt wird aber die Debatte um Moral und Geld beflügelt - was zu begrüßen ist.

Heiko

23.03.2011, 02:15 Uhr

Hat sich wohl erledigt, Finanznachrichtendienst gomopa meldet soeben in einer Warnmitteilung das die Initiatoren bereits eine halbe Milliarde Anlegergeld in den letzten 10 Jahren verbrannt haben. Der Fond ist brandgefährlich. http://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=695&meldung=Prosperia-Mephisto-1-GmbH-&-Co-KG-Schon-der-Fonds-selbst-ist-Suende

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