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02.06.2015

06:12 Uhr

Smart-Beta ETF: Die speziellen Indexfonds

Die Welt ist nicht genug

VonJessica Schwarzer

Einfach nur in einen Index wie den MSCI World zu investieren, reicht vielen Anlegern nicht. Sie wählen Indexfonds mit einem gewissen Pfiff. Viele dieser Trendprodukte nennen sich „smart“ – doch ist ein Kauf auch clever?

Die Anlagewelt, wie sie mir gefällt: Das ist das Versprechen von Smart-Beta-ETF, also speziellen Indexfonds.

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Die Anlagewelt, wie sie mir gefällt: Das ist das Versprechen von Smart-Beta-ETF, also speziellen Indexfonds.

DüsseldorfClever sollen sie sein, die neuen Produkte. Cleverer als das deutsche Standardwertebarometer Dax, der amerikanische S&P 500 oder der Weltaktienindex MSCI World beispielsweise. Aber sie sollen auch kostengünstig sein wie ein börsengehandelter Indexfonds, kurz ETF. Dabei sind sie aber fast so individuell wie ein aktiv gemanagter Fonds. Geht nicht? Geht doch. Zumindest wenn man den Emittenten neumodischer Indexfonds glaubt. „Smart Beta“ lautet das neue Gütesiegel, dass immer mehr ETFs ziert.

Hinter „Smart Beta“ steckt schlicht und einfach eine regelbasierte Geldanlage. Herkömmliche Indizes werden neu interpretiert, intelligenter, so zumindest das Produktversprechen. Das passiert, indem die Emittenten alternative Gewichtungsmethoden benutzen. Der Fondsanbieter weicht also von der Marktkapitalisierung ab, die bei den meisten gängigen Indizes über das Gewicht einzelner Aktien entscheidet. So wird dann beispielsweise das Übergewicht besonders hoch bewerteter Titel reduziert. Nimmt er nämlich alle im Index enthaltenen Werte zu gleichen Teilen in das Portfolio auf, steigert er den Anteil von aktuell niedrig bewerteten Aktien, die mehr Wachstumspotenzial haben. Dadurch profitiert der ETF stärker als der zugrunde liegende Index von der Aufholjagd schwach bewerteter Titel.

Fondsanbieter können auch die Volatilität eindämmen, indem sie Titel stärker gewichten, die in der Vergangenheit durch besonders niedrige Schwankungen aufgefallen sind. Auch die Dividendenrendite, Unterbewertungen bei Substanzaktien, also Value-Titeln, oder der Renditevorteil kleinerer Aktien können Faktoren sein, nach denen ein Index smart gewichtet wird.

Gleich gewichtete Indizes als Spielart

Experten können diesen Strategien einiges abgewinnen. „Einiges macht Sinn, aber nicht alles“, sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA). Auf jeden Fall sei Smart Beta aber eine Bereicherung.  „Denn es gibt sicher sinnvollere Interpretationen des Marktes als die Marktkapitalisierung.“ Auch Detlef Glow vom Analysehaus Lipper findet Smart Beta „ganz schön smart“. Viele Produkte würden Marktineffizienzen ausbeuten, die belegt seien. „Also beispielsweise, dass Aktien kleinerer Unternehmen oder Value-Titel langfristig besser abschneiden als Standardwerte“, so Glow. Zwei Faktoren, die auch IVA-Experte Beck gut findet. Ihm gefallen aber vor allem gleich gewichtete Indizes.

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Glow räumt allerdings ein: „Es ist nicht alles smart, wo smart drauf steht.“ So könnten Indizes, in denen die einzelnen Aktien nach der Höhe der Dividendenrendite gewichtet werden, durchaus auch ihre Tücken haben. „Nicht immer ist ein hoher Dividendentitel auch ein Gütesiegel, mitunter ist eine Aktie gerade abgestürzt, womit die Dividendenrendite rein rechnerisch natürlich steigt“, so Glow.

Kommentare (1)

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Herr Matthias Hanauer

02.06.2015, 17:29 Uhr

"Nimmt er nämlich alle im Index enthaltenen Werte zu gleichen Teilen in das Portfolio auf, steigert er den Anteil von aktuell niedrig bewerteten Aktien, die mehr Wachstumspotenzial haben."

Diese Aussage stimmt nicht zwingend! Bei einer Gleichgewichtung steigt zunächst einmal der Anteil von Aktien mit geringer Marktkapitalisierung im Vergleich zu herkömmlich gewichteten Indizes. Im Schnitt sind diese Aktien auch relativ zu ihren Fundamentaldaten günstig bewertet.

Es kann jedoch auch sein, dass Aktien trotz ihrer niedrigen Marktkapitalisierung relativ teuer sind, bzw. anders herum auch Aktien mit hoher Marktkapitalisierung relativ günstig bewertet sind. Das hängt davon ab ob die zugehörigen Fundamentaldaten noch niedriger bzw. stärker sind.

Ob nun die Mehrzahl der Aktien mit geringer Marktkapitalisierung nun günstig oder eher teuer bewertet sind, schwankt im Zeitverlauf. Deshalb ist Gleichgewichtung allein noch kein Allheilmittel!

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