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07.02.2012

13:26 Uhr

Sorge um Stabilität

Privatanleger fliehen in der Krise aus Fonds

Privatanleger suchen nach Sicherheit - und trennen sich von Fonds. Eine Verkaufswelle belastet die Branche, vor allem Rentenfonds sind Ladenhüter. Welche Fonds auf der Verkaufsliste stehen.

Privatanleger haben Milliarden aus Publikumsfonds abgezogen. dpa

Privatanleger haben Milliarden aus Publikumsfonds abgezogen.

FrankfurtVerunsicherte Privatanleger haben im vergangenen Jahr Milliarden aus Fonds abgezogen. Aus Publikumsfonds - unter anderem Renten- und Aktienfonds - flossen unter dem Strich 16,6 Milliarden Euro ab, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Mit einer schnellen Trendwende rechnet die Branche nicht: „Der Januar war insgesamt wieder negativ“, sagte BVI-Präsident Thomas Neiße.

„Die Verkäufe der Privatanleger sind der Suche nach Sicherheit geschuldet“, erklärte Neiße. „Viele Bürger haben mittlerweile das Vertrauen verloren. Dies gilt sowohl für das Vertrauen in die Stabilität unserer Währung als auch für das Vertrauen in das Finanzsystem. Und das gilt insbesondere für das Vertrauen in die Fähigkeit der europäischen Politik, die Verschuldungskrise zu lösen.“ Dagegen investierten institutionelle Investoren mitten in der Euro-Schuldenkrise weitere 45 Milliarden Euro in Spezialfonds.

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Insgesamt verwaltete die Fondsbranche in Deutschland Ende des Jahres 2011 ein Vermögen von 1,783 (Vorjahr: 1,832) Billionen Euro - direkt und indirekt für etwa 50 Millionen Anleger. BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter betonte, er sehe bei Privatanlegern kein generelles Misstrauen gegenüber Aktienfonds. „Es liegt vielmehr eine Vertrauenskrise in den Kapitalmarkt vor.“

Publikumsfonds hätten in den vergangenen 20 Jahren ganz erheblich zum Vermögensaufbau beigetragen, bilanzierte Richter: „Dieser Trend ist weiterhin intakt.“ Wachstumspotenzial sehen die Kapitalanlagegesellschaften auf dem Feld der privaten Altersvorsorge. Angesichts niedriger Zinsen und wachsender Inflationsgefahren könne beispielsweise mit Bundesanleihen kaum erfolgreich vorgesorgt werden, erklärte der Branchenverband.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Privatanleger trennten sich vor allem von Rentenfonds. 5,8 Milliarden Euro flossen aus diesen Produkten ab. Bei den Mischfonds zogen Anleger netto 2,3 Milliarden Euro ab. Vor allem rentenbasierte Fonds wurden abgestoßen. Die stark volatilen Börsen verunsicherten offenbar die Anleger, die sich im vergangenen Jahr von Aktienfonds mit einem Wert von 2,3 Milliarden Euro trennten.

Es gab aber auch Gewinner. 1,2 Milliarden Euro flossen in offene Immobilienfonds. Diese Produktgruppe steckt nach der zwischenzeitlichen Schließung einiger Fonds in einer Vertrauenskrise und gilt als Vertriebsprodukt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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07.02.2012, 14:37 Uhr

Wofür bitte die Fonds??? Wenn ich investieren will wie nach Gewinnmitnahmen bei amerikanishchen Ölwerten soeben getan, dann prüfe ich die langjährig erfolgreichen Fonds auf ihre Top- (First-five)Zusammensetzung. Und: verfolge das kontinuierlich, um die Änderungen zeitnah mitzunehmen. Dann kaufe ich bei weiterer Überzeugung diese Einzelwerte.
So erspart man sich diese jährlichen Abzockergebühren!
Bestregards!

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