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02.01.2014

06:20 Uhr

Spekulation

Japans Hedgefonds machen Kasse

Japanische Hedgefonds erzielen in diesem Jahr Rekorderträge. Anleger setzen darauf, dass die Konjunkturprogramme von Premier Abe die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter antreiben. Welche Fonds am besten liefen.

Ein Grund für ein Erinnerungsfoto: Die Abenomics treiben japanische Aktien, Hedgefonds streichen Rekorderträge ein. dpa

Ein Grund für ein Erinnerungsfoto: Die Abenomics treiben japanische Aktien, Hedgefonds streichen Rekorderträge ein.

TokioJapanische Hedgefonds laufen in diesem Jahr auf Rekorderträge zu. Investoren spekulieren auf die Konjunkturpolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe. Sie hoffen, dass die Abenomics die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt erfolgreich ankurbeln werden.

Der Optionen-Fonds von Stratton Street Capital LLP hat einen Ertrag von mehr als 300 Prozent erzielt, während sich der Hayate Japan Equity Long-Short Fund fast verdoppelte. Der Eurekahedge Japan Hedge Fund Index, der etwa 80 Fonds beobachtet, kam in den elf Monaten bis November auf ein Plus von 24 Prozent. Er läuft damit auf das beste Jahr seit Beginn der Datenreihe des Marktforschers im Jahr 2000 zu.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Japans Hedgefonds haben sich von der weltweit schlechtesten Entwicklung im Jahr 2012 nun zu den Besten aufgeschwungen. Dahinter stehen auch die konjunkturbelebenden Maßnahmen der japanischen Zentralbank, die den Benchmark-Index Topix auf den höchsten Zugewinn in 14 Jahren zusteuern lassen und den Yen gegenüber dem Dollar um 17 Prozent abgeschwächt haben.

Das Anlagevermögen in Fonds mit Fokus auf Japan, die von Eurekahedge beobachtet werden, hat sich in der zweiten Jahreshälfte um 451 Millionen Dollar erhöht. Das ist der höchste Zufluss seit den sechs Monaten bis Ende August 2011.

„Bei Japan hat sich für eine Menge Anleger der Kreis geschlossen“, sagte David Baran, Co-Chef von Symphony Financial Partners in Tokio. „Viele Investoren hatten den Eindruck, dass alle japanischen Unternehmen schlechte Investments waren, was offenkundig falsch war. Die Investoren, die Japan abgetan haben, sind durch Abenomics wieder angespornt worden, an den Markt zurückzukehren.“

Barans 300 Millionen Dollar schwerer SFP Value Realization Fund kommt für dieses Jahr bis Ende November nach Abzug der Gebühren auf einen Ertrag von 73 Prozent, wie aus einem Brief an die Anleger hervorgeht.

Der Eurekahedge Japan Index erzielte 2012 einen Ertrag von sechs Prozent, die damals schlechteste Entwicklung unter den fünf geographischen Regionen, die der Datenanbieter verfolgt. Seinem Plus von 24 Prozent in diesem Jahr bis November steht ein Anstieg um sieben Prozent beim globalen Index gegenüber, während nordamerikanische Fonds auf 8,5 Prozent und Hedgefonds in Asien außerhalb Japans auf 12 Prozent kamen.

Unter dem Begriff „Abenomics“ werden die Schritte der japanischen Führungsspitze zur Wirtschaftsbelebung zusammengefasst. Als Abe im Dezember 2012 ins Amt kam, kündigte er eine dreifache Strategie an: aggressive geldpolitische Lockerung, Konjunkturmaßnahmen und Deregulierung was die Anleger begrüßten. Der Topix ist in diesem Jahr um 50 Prozent geklettert so stark wie seit 1999 nicht mehr, als der Index um 58 Prozent in die Höhe geschossen war.

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