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11.01.2010

06:00 Uhr

Staatsfonds

„Deutschland verfügt über Weltklasse-Unternehmen“

VonMichael Backfisch

ExklusivScheich Ahmed aus Abu Dhabi, Chef des größten Staatsfonds der Welt, spricht in seinem ersten Wortlaut-Interview über Investitionschancen in Amerika und Europa sowie über die Konsequenzen, die aus der Finanzkrise gezogen werden müssen.

Managing Director des größten Staatsfonds der Welt: Scheich Ahmed bin Zayed Al-Nahyan. Pressebild

Managing Director des größten Staatsfonds der Welt: Scheich Ahmed bin Zayed Al-Nahyan.

Handelsblatt: Viele Menschen halten Staatsfonds immer noch für geheimnisumwitterte Organisationen. Wie definieren Sie die Abu Dhabi Investment Authority - kurz: ADIA?

Scheich Ahmed bin Zayed Al-Nahyan: Das Etikett „Staatsfonds“ kann verwirrend sein. Es ist eine allgemeine Formel für Dutzende von Institutionen, die sehr verschiedene Ziele, Strategien und Stile haben. Wir sehen uns als global diversifizierte Investment-Gesellschaft, die der Regierung des Emirats Abu Dhabi gehört. Aber ich denke, dass ADIA einzigartig ist. Erstens haben wir einen langfristigen Fokus. Wir setzen auf Strategien, die zum Ziel haben, über einen ausgedehnten Zeitraum besser als der Markt abzuschneiden. Wir sind zudem einer der etabliertesten Staatsfonds, der sein Investitions-Konzept seit mehr als 30 Jahren verfeinert. Darüber hinaus sind wir in der glücklichen Lage, über eine große Zahl von sehr talentierten Profis in unserem Haus zu verfügen. Aber wir pflegen auch enge Beziehungen zu vielen externen Weltklasse-Managern, deren kombiniertes Fachwissen uns eine globale Perspektive und Einsichten in Marktbewegungen und Trends gibt. Die einzige Mission von ADIA be-steht darin, den gegenwärtigen und künftigen Wohlstand des Emirats Abu Dhabi zu sichern. Das hat sich in mehr als 30 Jahren nicht geändert. Das stellt sicher, dass sich unsere Investitons-Strategie auf langfristige Trends konzentriert und weniger auf das Auf und Ab individueller Zyklen.

HB: Die Weltwirtschaft wurde von einer nie dagewesenen Krise getroffen. Welche weiteren Risiken sehen Sie am Horizont?

Scheich Ahmed: Wir sollten zu-nächst die bemerkenswerten Anstrengungen von Regierungen und Regulierungsbehörden würdigen, die uns durch die gefährlichsten Phasen dieses Abschwungs gesteuert haben. Es steht außer Frage, dass ihre schnellen Aktionen geholfen haben, das globale Finanzsystem zu schützen. Aber während sich nun die Aufmerksamkeit auf die wirtschaftliche Erholung richtet, dürfen wir die vielen substantiellen Risiken, die immer noch existieren, nicht außer Acht lassen. Dazu gehören die hohen Haushalts-Defizite und Arbeitslosen-Quoten. Aber auch Protektionismus fällt darunter.

HB: Welche Gefahr des Protektionismus meinen Sie?

Scheich Ahmed: Wenn wir etwas aus der Finanzkrise gelernt haben, dann das, dass Finanzsysteme global eng miteinander verbunden sind. Mehr als jemals zuvor hängen wir voneinander ab, um Stabilität und Erfolg zu erreichen. Aus diesem Grund muss der freie Kapitalfluss zwischen den Ländern aufrechterhalten werden. Grenzüberschreitende Investitionen dürfen nicht durch restriktive Maßnahmen erstickt werden, die in einzelnen Märkten kurzfristig populär sein mögen, aber am Ende uns allen schaden. Die Weltwirtschaft ist immer noch in einem zerbrechlichen Zustand. Wir dürfen ihre Erholung und das künftige Wachstum nicht gefährden, indem wir Barrieren für Investitionen und gemeinsamen Erfolg errichten.

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