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04.03.2016

06:00 Uhr

Staatsfonds

Norwegen greift in seinen Ölfonds

VonMatthias Streit

Der Ölpreisverfall lässt Norwegens Finanzministerin ein Tabu brechen. Sie geht an die Substanz des Fonds, um den Haushalt zu finanzieren. Die Einnahmen sprudeln nicht mehr wie gewohnt.

Die Politikerin der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet (FrP) ist seit 2013 Finanzministerin in der konservativen Regierung unter Ministerpräsidentin Erna Solberg von der Partei Høyre. dpa

Siv Jensen

Die Politikerin der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet (FrP) ist seit 2013 Finanzministerin in der konservativen Regierung unter Ministerpräsidentin Erna Solberg von der Partei Høyre.

DüsseldorfZum ersten Mal in seiner Geschichte greift Norwegen zu seinen Reserven des größten Staatsfonds der Welt: Die Finanzministerin, Siv Jensen, hat im Januar 6,7 Milliarden norwegische Kronen – umgerechnet 712 Millionen Euro – aus dem Fonds entnommen. Das schreibt die norwegische Finanzzeitschrift „Dagen Næringsliv“. Das Finanzministerium habe der Zeitung den Eingriff bestätigt. Mit dem Geld sollen die Ausgaben des norwegischen Haushaltes ausgeglichen werden.

Normalerweise ist es dem Staat nur erlaubt, vier Prozent des Überschusses aus dem Fonds für seinen Haushalt zu nutzen. Auf diese Weise will Norwegen seinen Wohlstand für die Zeit nach der Öl- und Gasära bewahren.

Doch der Fonds liefert in Zeiten der gefallenen Ölpreise und niedriger Zinsen längst nicht mehr die gewohnt prächtigen Gewinne ab. Allein im dritten Quartal 2015, den aktuellsten zugänglichen Daten, verlor er 4,9 Prozent beziehungsweise 273 Milliarden Kronen (29 Milliarden Euro).

Die größten Staatsfonds der Welt

Wo Geld langfristig angelegt werden soll

Sie horten Devisen oder gehören zu den größten Einzelanteilseignern von Konzernen: Staatsfonds. Der Marktführer etwa hält allein 1,3 Prozent an den börsennotierten Unternehmen der Welt. Einmal im Jahr gibt das Sovereign Wealth Fund Institute ein Ranking über die größten Staatsfonds heraus. Dies sind die Ergebnisse.

Stand: 31. Dezember 2015

„Statens pensjonsfond utland“ (Norwegen)

Der „Statens pensjonsfond utland“, wie der norwegische Staatsfonds offiziell heißt, ist mit einem Volumen von 824,9 Milliarden Dollar der weltweit größte seiner Art. Der Fonds wurde 1990 gegründet, um den Wohlstand der Nation aus dem Ölgewerbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Deshalb wird er inoffiziell auch „Ölfonds“ genannt. 60 Prozent des Vermögens sind in Aktien, 35 Prozent in Zinspapieren und fünf Prozent in Eigentum wie Immobilien investiert.

Abu Dhabi Investment Authority

Ölreichtum ist auch der Hintergrund für den zweitgrößten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Dessen Ziel ist es, über breit gestreute Investments in Aktien, Immobilien oder etwa Hedgefonds für die Zeit nach dem fossilen Zeitalter vorzusorgen.

Wert: 773 Milliarden Dollar

China Investment Corporation

Dieser chinesische Staatsfonds wurde 2007 gegründet, um einen Teil der riesigen Devisenreserven des Landes zu managen und beispielsweise in ausländische Firmen zu investieren. Von einst 200 Milliarden US-Dollar in seinem Gründungsjahr wuchs der CIC bis Ende 2015 auf 746,7 Milliarden US-Dollar an.

SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)

In dem Foreign Holdings-Fonds verwaltet die saudische Zentralbank „Saudi Arabien Monetary Agency“ die Einkommen aus der Ölindustrie des Staates. Fondsvolumen Ende 2015: 668,6 Milliarden Dollar.

Kuwait Investment Authority

Auch der arabische Staat Kuwait möchte seine Einnahmen aus dem Öl möglichst gewinnbringend anlegen – und diversifiziert seine Investments an den internationalen Märkten. Das Volumen des Fonds beträgt 592 Milliarden Dollar. Einen Teil davon hat Kuwait bei einem deutschen Autobauer angelegt: Kuwait hält 6,8 Prozent der Anteile an Daimler.

SAFE Investment Company (China)

Am liebsten sicher möchte China sein Geld anlegen, wie das Akronym vermuten lässt. Dahinter verbirgt sich die „State Administration of Foreign Exchange“. Diese unterhält eine Tochtergesellschaft in Hongkong, die SAFE Investment Company, welche sich wie auch schon die China Investment Corporation um die Anlage der Devisenreserven des Landes kümmern soll. Das Volumen des zweitgrößten chinesischen Staatsfonds wird auf 547 Milliarden Dollar geschätzt.

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio

Der Exchange Fund, ein Vorläufer des Fonds, wurde bereits im Jahr 1935 gegründet. Knapp 60 Jahre später, 1993, wurde schließlich die Hong Kong Monetary Authority gegründet, welche den Fonds managt. Ende 2015 wachte verfügte der über 417,9 Milliarden Dollar. Diese werden vor allem in die Hongkonger Börse Hang Seng investiert.

GIC Privat Limited (Singapur)

Der größte Staatsfonds Singapurs wurde bereits im Jahre 1981 gegründet. Zuletzt wachte er über eine Anlagevermögen von 344 Milliarden Dollar. Die Summe teilt sich auf gleich drei einzelne Fonds, die alle von der Mutter verwaltet werden. International deutlich bekannter ist indes der Singapurer Staatsfonds Temasek. Der landet mit einem Volumen von „nur“ 193,6 Milliarden Dollar lediglich auf Rang 11 der weltweit größten seiner Art.

Qatar Investment Authority

Das kleine Emirat Qatar am persischen Golf erfreut sich großer Öl- und Gasressourcen. Um den Gewinn daraus möglichst langfristig anzulegen, wurde 2005 die Qatar Investment Authority gegründet. Sie wacht über 256 Milliarden Dollar. Die für Deutsche wohl bekannteste Beteiligung besitzt die Investmentgesellschaft an Volkswagen: Insgesamt 17 Prozent hält der Staatsfonds über die Qatar Holding LLC am Wolfsburger Konzern.

National Social Security Fund (China)

Die Top Ten der größten Staatsfonds der Welt rundet ein chinesischer Fonds ab. Der National Social Security Fund wurde 2000 gegründet, um die Anlagen der sozialen Leistungen zu verwalten. Sein Volumen beträgt 236 Milliarden Dollar. Damit stammen von den zehn größten Staatsfonds der Welt gleich vier aus dem Reich der Mitte – das Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio inbegriffen.

Nun hat das offenbar zu einem Novum geführt. Statt einen Teil des Haushalts mit den Überschüssen aus dem Fonds zu finanzieren, geht die Finanzministerin erstmals an die Substanz. Experten haben zuvor bereits erwartet, dass dies 2016 der Fall sein wird.
Seit 1996 die ersten Überweisungen aus der Ölindustrie in den „Statens pensjonsfond utland“, wie der Fonds offiziell heißt, flossen, belaufen sich die gesamten Einzahlungen auf 3,5 Billionen norwegische Kronen (372 Milliarden Euro).

Die Überweisung von Gewinnen aus der Ölbranche an den Staatsfonds haben in den vergangenen Jahren stark abgenommen. 2015 waren es nach vorläufigen Schätzungen gerade noch 46 Milliarden Kronen (4,9 Milliarden Euro).
Dennoch bleibt der norwegische Staatsfonds der größte seiner Art. Sein gesamtes Volumen beträgt derzeit 7087 Milliarden norwegische Kronen (752,8 Milliarden Euro).

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