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05.11.2013

11:50 Uhr

Steuern auf Edelmetalle

Wer Silber will, muss keines kaufen

VonSara Zinnecker

Von Januar an gilt für Silber: 19 Prozent Mehrwertsteuer auf alles, auch auf Münzen. Doch gibt es Möglichkeiten, die Preiserhöhung zu umgehen. Was Anleger über die speziellen Produkte auf Edelmetalle wissen sollten.

Silberbarren wollen gut gelagert sein. Das kostet. Doch Anleger können in das Edelmetall investieren, ohne es physisch zu besitzen. dpa

Silberbarren wollen gut gelagert sein. Das kostet. Doch Anleger können in das Edelmetall investieren, ohne es physisch zu besitzen.

DüsseldorfWenn sich in diesen Tagen Edelmetallhändler wie der Hamburger Goldkontor verstärkt zu Wort melden, hat das einen Grund. Denn bei Silber droht bald „19 Prozent auf alles“. Weil sich die Bundesregierung einer Richtlinie aus Brüssel beugen musste, fällt zum 1. Januar 2014 der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Silbermünzen weg; fortan wird alles – Münzen wie Barren – mit dem regulären Satz besteuert.

Wer der Preiserhöhung entkommen will, hat nun mehrere Möglichkeiten. Die erste und naheliegende: Noch vor dem Jahreswechsel in Silber investieren. Wer jetzt zugreife, dem sei die breite Angebotspalette bei Silber noch sicher, heißt es etwa bei Goldkontor. Schon ab Januar würden spezielle Münzbarren nicht mehr hergestellt. Der Münchner Edelmetallhändler Pro Aurum ist da ein wenig pragmatischer: Wer Silber nicht physisch in der Hand halten, sondern es nur handeln wolle, könne es jederzeit im Ausland, etwa in der Schweiz oder in Hongkong, zollfrei lagern.

Weil ein solches Einlagern aber mit Kosten verbunden ist und sich erst ab einer gewissen Anlagesumme – pro Aurum spricht von 15.000 Euro – lohnt, können sich Kleinanleger schließlich auch ganz anders behelfen: Wer in sogenannte Exchange Traded Commodities (ETCs) auf Silber investiert, kann von steigenden Silberpreisen profitieren, ohne das Edelmetall physisch überhaupt zu besitzen. Die börsennotierten Schuldverschreibungen auf Rohstoffe funktionieren ähnlich der börsengehandelten Indexfonds (ETFs): Ihre Wertentwicklung folgt einem bestimmten Referenzkurs, also zum Beispiel dem Preis pro Feinunze Silber.

ETCs gibt es seit Mitte der 2000er-Jahre, seit 2006 werden sie auch an deutschen Börsen, etwa in Frankfurt und München, gehandelt. Doch verlief die Einführung damals nicht problemlos. Scharfe Kritik kam im Vorfeld aus Reihen der verarbeitenden Industrie, für die Silber nach wie vor ein wichtiger Rohstoff ist. Das Problem: Emittenten von ETCs, meist Tochtergesellschaften großer Banken, aber auch der auf ETFs spezialisierte Anbieter, ETF Securities, müssen ihre Schuldverschreibungen in der Regel mit physischem Edelmetall besichern. Je mehr Papiere also verlangt werden, desto mehr Silber wird nachgefragt.

Fakten zu Silber ETCs

Wo werden sie gehandelt?

In Deutschland werden Exchange Traded Commodities auf Edelmetalle an den Börsen in Frankfurt, Stuttgart und München, sowie auf der Plattform für Zertifikate Scoarch gehandelt.

Welche werden gehandelt?

An der Frankfurter Börse werden unter anderem diese ETCs auf Silber gehandelt: Coba Silber Daily Long (ISIN DE000ETC0191), Deutsche Bank Physical Silver (ISIN DE000A1E0HS6), ETFS Physical Silver (ISIN DE000A0N62F2), S&P GSCI Silver Total Return (ISIN XS0417171658).

Welche Gebühren fallen an?

Je nach Emittent liegt die Verwaltungsgebühr zwischen 0,25 und 0,5 Prozent p.a. Die Commerzbank, die ihre Silber ETCs nicht mit physischem Silber, sondern mit Wertpapieren hoher Bonität besichert, verlangt 0,2 Prozent p.a. Gebühr.

Die Industriebetriebe hatten befürchtet, dass über den Handel mit ETCs die Silberpreise stärker als sonst durch Spekulation getrieben würden. Dass diese Sorge letztlich unbegründet war, weiß Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank: „Die von ETCs ausgehende Nachfrage nach Silber hat bestenfalls kleine Preisveränderungen verursacht.“ Die 882 Millionen Dollar (rund 674 Millionen Euro), die laut Bloomberg im dritten Quartal in Silber-ETCs geflossen sind, seien gemessen am gesamten Handelsvolumen wenig.

Kommentare (8)

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AUFWACHEN

05.11.2013, 12:15 Uhr

"Weil sich die Bundesregierung einer Richtlinie aus Brüssel beugen musste"

Man kann nur darüber lachen, dass sich die Journalisten bei dieser Volksverdummung einspannen lassen. Erstens kann die Bundesregierung jede Richtlinie in Brüssel verhindern. Und zweitens kann sie auch eine beschlossene Richtlinie aussetzen, wenn das für uns - das deutsche Volk - besser wäre.

Die Ausplünderung geht weiter. Bald konnt die Mehrwertsteuer auf Gold, danach ein Verbot, Gold zu kaufen. Zum Schluß dann beginnt die direkte Enteignung der Bürger. Viel Spaß allen, die bis dahin warten und "unserer" Kanzlerin vertrauen.

Account gelöscht!

05.11.2013, 12:20 Uhr

...Weil sich die Bundesregierung einer Richtlinie aus Brüssel beugen musste,....
Hää? Die BundesGESETZgebung "beugt sich" einer schnöden "Richtlinie", welche noch nicht mal GESETZEScharakter hat? Was stimmt denn hier nicht im STAATSaufbau? welchen Status hat denn die BRD mit ihrer "Gesetz"gebungs-Verwaltungsfirma gemäß Art.133 GG? Der "Bund" seit 1990 doch nur eine NGO/Firma? Wegen des fehlenden Art.23 GG seit 1990? Machen deshalb unsere "Freunde und Verbündeten" geheimdienstlich und auch militärisch was sie wollen? Gilt womöglich noch übergeleitetes Besatzungsrecht? Fragen über Fragen......

Account gelöscht!

05.11.2013, 12:33 Uhr

Fand ich immer recht interessant, auf den Auszügen die 7% zu finden, habe mich aber trotzdem gefragt, mit welcher Berechtigung nun auf Silber soviel Märchensteuer kommen wie auf Brot.
Och, nun musste man sich "beugen" - lol.
War das jetzt eine Information oder eine arme Beugungsnachricht? Die Deutschen können einem ja wirklich langsam leid tun *g*

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