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14.01.2004

14:00 Uhr

Steuervorteile spielen nur noch untergeordnete Rolle

Schiffsfonds kommen vom Kurs ab

VonReiner Reichel

Anbieter und Vermittler von Schiffsbeteiligungen reiben sich die Hände. Rund 1,8 Mrd. Euro haben sie nach ersten Hochrechnungen von Branchenexperten im vergangenen Jahr bei Privatanlegern eingesammelt – so viel wie niemals zuvor. Ob die Anleger so viel Freude mit diesen Fonds haben werden wie die Anbieter, ist indes offen.

Viele Schiffe werden ganz wesentlich von Fondsgesellschaften finanziert. Doch die Anlagemöglichkeit hat viel von ihrer Attraktivität verloren. Foto: dpa

Viele Schiffe werden ganz wesentlich von Fondsgesellschaften finanziert. Doch die Anlagemöglichkeit hat viel von ihrer Attraktivität verloren. Foto: dpa

DÜSSELDORF. „Die Anleger glauben fest daran, dass jährlich 8 bis 10 Prozent Ausschüttung auf ihre Schiffsbeteiligung möglich sind“, wundert sich Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert. Dabei belegt eine noch nicht veröffentlichte Studie Doberts, dass selbst die früher sehr viel niedrigeren Ausschüttungsprognosen häufig verfehlt worden sind. Von 294 zwischen 1990 und 1995 platzierten Schiffsfonds hatten Ende 2001 rund 83 Prozent weniger ausgeschüttet als vorhergesagt.

Die Zahlen des Jahres 2002 standen Dobert noch nicht zur Verfügung. Doch mit ihnen würden die Ergebnisse nicht besser ausfallen, sagt Dobert. Der Grund: Die Anleger sind weit überwiegend an Containerschiffen beteiligt, und die in Dollar zu zahlenden Charterraten für diese Frachter waren 2002 besonders niedrig. Und während die Charterraten 2003 stiegen, gab der Dollar nach. So werden auch gute Dollarergebnisse in Euro deutlich schlechter ausfallen.

Doch die mageren Ergebnisse vieler Schiffsfonds scheinen die Anleger kaum zu stören. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts bei Fondsanbietern und -vertrieben. Wilfried Besell, Inhaber der WB-Finanz in Meerbusch, sagt: „Solange Betriebskosten, Zins und Tilgung verdient werden, reagieren Beteiligte an einer Schiffsfondsgesellschaft nur selten.“ Michael Rathmann, Chef der Vertriebsfirma Mira GmbH & Co. KG in Buxtehude, hat festgestellt: „Die Schmerzgrenze fängt an, wenn das Schiff weder Ausschüttung noch Tilgung einfährt.“

Und Oliver Moosmayer vom Schiffsfondsanbieter HCI Holding GmbH in Hamburg vermutet: „Bei 50 Prozent unter Plan wird es kritisch.“ Oder wenn gleich am Anfang das Vertrauen der Anleger verspielt werde, hat Peter Sissovic, Vorstand des Heilbronner Finanzvertriebs UK-Consult AG, festgestellt: „Prekär wird es, wenn Ausschüttungen schon ausfallen, während die Beteiligung noch nicht voll eingezahlt ist.“ Diese Situation kann eintreten, wenn die Einzahlungen auf zwei Jahre gesplittet und schon für das erste Beteiligungsjahr Ausschüttungen versprochen werden.

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