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14.07.2016

20:30 Uhr

Subjektive Aktienauswahl

Die Macht der ETF-Anbieter

Die Diskussion, ob chinesische Wertpapiere in globale Indizes aufgenommen werden, hat gezeigt wie mächtig die Anbieter von passiven Investments in der Geldbranche sind. Dabei verwalten diese Firmen nicht einen Cent.

Die pakistanischen Börsenhändler schauen während des Handels auf den Bildschirm , der die Aktienkurse zeigt. Der Indexanbieter MSCI hat Pakistan am 15. Juni 2016  auf den Status  "Emerging Market" hochgestuft, die Kurse dort stiegen auf ein neues Rekordhoch. AFP; Files; Francois Guillot

Pakistanische Börse

Die pakistanischen Börsenhändler schauen während des Handels auf den Bildschirm , der die Aktienkurse zeigt. Der Indexanbieter MSCI hat Pakistan am 15. Juni 2016 auf den Status "Emerging Market" hochgestuft, die Kurse dort stiegen auf ein neues Rekordhoch.

MSCI ist für gewöhnlich kein Name, der einem sofort einfällt, wenn man über die mächtigsten Mitspieler auf dem weltweiten Aktienmarkt nachdenkt. Der New Yorker Index-Ersteller verfügt nicht über die Billionen an Dollar, die Blackrock verwaltet, die Armee an Beratern, die Morgan Stanley beschäftigt, oder einen geschichtsträchtigen Namen wie den der UBS.

Doch dank der steigenden Popularität von passiven Investments ersetzen MSCI und dessen Rivalen wie FTSE Russell und S&P Dow Jones Indices still und heimlich die Giganten der Vermögensverwaltung bei der Frage danach, wohin die weltweiten Aktien-Investments fließen.

Der durchschnittliche Anteil jener Aktienfonds in den USA, Europa und Asien, die die Entscheidungen von Index-Anbietern zu Wertpapier- und Länder-Verteilungen abbilden, hat sich in den vergangenen acht Jahren auf rund 33 Prozent verdoppelt. Das geht aus Daten von Morningstar hervor.

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Die steigende Macht war in diesem Jahr gut in China zu beobachten. Dort hatten Entscheidungsträger einige der bislang weitreichendsten Marktreformen des Landes angeschoben. Dahinter stand die Hoffnung, dass die Volksrepublik in die globalen Aktien-Indizes von MSCI aufgenommen wird. Der am Ende nicht erfolgreiche Versuch zementierte den Status von MSCI als einem der wenigen globalen Unternehmen, die die Entscheidung der regierenden Kommunisten in China beeinflussen können.

Sie haben ziemlich viel Macht, sagt George Cooper, der Investmentchef bei Equitile Investments Ltd. in London. Fonds-Manager und Investoren folgen diesen Indizes sklavisch.Index-Anbieter sind allerdings keine Aktien-Auswähler in demselben Sinn, wie es aktive Manager sind, die durch die Auswahl der vermeintlich besten Titel versuchen, den Gesamtmarkt zu schlagen. Die meisten von MSCI genutzten Kriterien sind eher Maßstäbe für die Investierbarkeit - etwa Marktkapitalisierung oder tägliches Handelsvolumen.

Doch auch bei den Index-Anbietern gibt es ein gewisses Maß an Subjektivität bei der Auswahl der Titel für Börsenbarometer. Das gilt besonders für kontroverse Fragen - etwa, ob ein Land als Industriestaat, Entwicklungsland oder Frontier-Staat eingestuft wird.

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Viele Anleger stecken ihr Geld in ETFs. Börsenprofis sehen das nicht gern und schießen gegen die Anbieter. Der Chef des Branchenriesen Vanguard weist die Kritik zurück und macht deutlich, warum die Fonds boomen.

Die MSCI-Entscheidung im Juni, chinesische Aktien nicht in die eigenen globalen Indizes aufzunehmen, hatte viele Beobachter überrascht. Gleichzeitig führte in demselben Monat das Votum, Pakistan in die Gruppe der Schwellenländer heraufzustufen, zu einer Rekord-Rally bei Aktien in Karatschi. Das deutet darauf hin, dass Investoren den Schritt vorher nicht eingepreist hatten. MSCI reagierte nicht auf die Bitte um Stellungnahme.

Neben Markt-Einstufungen fallen oder steigen Aktien in vielen Fällen auch, wenn Index-Anbieter selbst kleine Veränderungen bei ihren wichtigsten Barometern bekanntgeben. Solche Entscheidungen sind so wichtig, dass Broker wie Societe Generale SA Analysten beschäftigten, die Händlern bei Prognosen dazu helfen, wann Aktien hinzugefügt und herausgenommen werden oder sich die Gewichtung einzelner Titel im Index verändert.

Index-Anbieter werden zunehmen zum Aktien-Auswahlentscheider, sagt Rodney Comegys, Chef für Investments in Asien-Pazifik bei Vanguard. Das Unternehmen verwaltet mehr als drei Billionen Dollar, hauptsächlich in passiven Fonds. "Auf eine gewisse Art und Weise ersetzen sie den aktiven Manager.

Bloomberg, das Mutter-Unternehmen von Bloomberg News, steht mit MSCI und anderen derartigen Unternehmen im Wettbewerb bei der Erstellung von Indizes und beim Angebot von Analysen zu Aktien, Anleihen und Rohstoffen.

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