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01.07.2011

18:57 Uhr

Swap-basierte Produkte

Unicredit fürchtet Kapitalflucht aus ETFs

Ein britischer Vermögessinvestor hat sich in großem Stil aus Derivate-basierten Indexfonds zurückgezogen. Unicredit fürchtet nun eine Kettenreaktion. Der Markt könnte in Unruhe geraten.

Das Unicredit Logo. Quelle: Reuters

Das Unicredit Logo.

FrankfurtDie Flucht eines europäischen Vermögensverwalters aus Derivate-basierten börsennotierten Indexfonds (ETFs) könnte nach Ansicht der Bank Unicredit eine Kettenreaktion nach sich ziehen. „Wenn die ETF-Anbieter nicht reagieren, dann glaube ich, dass immer mehr Vermögensverwalter sagen werden: Uns ist das Ganze zu risikoreich, wir gehen aus diesen Produkten raus“, sagte Chris Hofmann, globale Vertriebsleiterin im ETF-Handel der Unicredit, am Freitag in einem Interview mit Reuters Insider TV. Bislang sei davon aber nichts zu erkennen.

Am Donnerstag hatte der britische Vermögensverwalter Evercore Pan-Asset Capital Management ETFs, welche die Entwicklungen ihre Basisindizes über Swap-Geschäfte nachvollziehen, aus den meisten seiner Portfolios verbannt. Sie wurden durch ETFs ersetzt, welche statt Derivaten die Indexpapiere im Portfolio halten. Als Grund dafür nannte Evercore die Verunsicherung vieler Anleger wegen der anhaltenden Kritik an ETFs - vor allem an solchen, die Swaps einsetzen. Der Finanzstabilitätsrat (FSB), die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten börsennotierte Indexfonds generell als Risiko für die Stabilität des globalen Finanzsystems bezeichnet. Die Bank of England hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass bestimmte ETFs wegen ihrer Komplexität nicht für Privatanleger geeignet seien.

Die ETF-Anbieter haben Hofmann zufolge nicht ausreichend auf die Kritik reagiert. „Besonders muss man sagen, dass die Swap-basierten Anbieter nur weiter ihre Marketingsprüche verkündet haben, aber nicht auf die Kritik eingegangen sind“, sagte Hofmann. Einige veröffentlichten inzwischen zwar mehr Informationen zu den Swap-Geschäften in ihren Produkten. „Auf der anderen Seite geschieht das nicht einheitlich, und es ist meiner Ansicht nach nicht transparent genug“, sagte Hofmann. Die Anbieter müssten sich auf mehr einheitliche Standards einigen. „Die Branche sollte jetzt endlich mal aufwachen und sagen: Wir arbeiten mit den Regulatoren zusammen.“ „Beispielsweise sollten die Anbieter bei Swap-basierten ETFs die Swap-Kontrahenten nennen und die Risiken dafür angeben, dass die Kontrahenten ausfallen“, sagte Hofmann. Bei Fonds, die Wertpapiere vorübergehend verleihen, um Zusatzerträge zu erzielen, sollten die Leihepartner aufgeführt werden.

Zudem sollte es Hofmann zufolge weltweit oder zumindest europaweit einheitliche Standards geben, was als Sicherheiten für Swap-Geschäfte oder Wertpapierleihegeschäfte infrage kommt und wie anfallende Zusatzerträge verwendet werden. Momentan ist das selbst innerhalb der Europäischen Union je nach Fondsstandort unterschiedlich. „Das sind meines Erachtens noch Punkte, wo die ETF-Anbieter allgemein noch viel mehr machen könnten, um Transparenz zu bieten.“ Hofmann erwartet, dass die anhaltende Kritik eine Konsolidierung des ETF-Marktes einleiten wird. „Die Produktvielfalt wird zurückgehen“, sagte sie. Unter dem Strich werde die Anzahl der verfügbaren ETFs abnehmen. Ende Mai 2011 waren nach Daten des US-Vermögensverwalters Blackrock in Europa 1154 verschiedene ETFs gelistet. „Die Anbieter werden sich genau anschauen, wie profitabel ihr Geschäft ist. Einige werden sich dann möglicherweise ganz vom Markt zurückziehen.“ Das verwaltete Vermögen über alle börsennotierten Indexfonds hinweg werde jedoch weiter wachsen, ist Hofmann überzeugt.

Von

rtr

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