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08.04.2013

10:34 Uhr

Tim Albrecht im Interview

„Dax 9.000 – warum nicht?“

VonJörg Hackhausen

An der Börse geht gerade wieder das Zittern los. Tim Albrecht lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Interview erklärt der Fondsmanager, warum er jetzt deutsche Aktien kauft – und wann der Zeitpunkt zum Verkaufen kommt.

Tim Albrecht von der DWS ist von Morningstar gerade zum besten Fondsmanager für deutsche Aktien gekürt worden. Pressebild

Tim Albrecht von der DWS ist von Morningstar gerade zum besten Fondsmanager für deutsche Aktien gekürt worden.

Herr Albrecht, Sie sind gerade als bester Fondsmanager für deutsche Aktien ausgezeichnet worden. Was machen Sie besser als andere?
Wir haben es geschafft, große Fehler zu vermeiden und haben konsequent an unserer Strategie festgehalten.

Worauf schauen Sie, wenn Sie eine Aktie auswählen?

Wir gehen klassisch die Bilanz durch - Cashflow, Verschuldung, immaterielle Vermögenswerte. Da fällt schnell auf, wenn etwas faul ist. Zudem achten wir bei Unternehmen auf ein interessantes Wachstumsprofil und eine attraktive Bewertung.

Die größten Positionen in ihrem Fonds sind BASF, Bayer, SAP und Allianz – allesamt Schwergewichte im Dax. Auf die kommt doch jeder Anleger.

Die meisten Anleger haben nur zwei, drei Aktien im Depot; eine davon ist vielleicht noch die T-Aktie, die man mal für 80 Euro gekauft hat und jetzt nicht mit riesigem Verlust verkaufen will. Wir können viel breiter streuen und handeln emotionsloser. Wenn eine Aktie nur Verluste bringt, dann haben wir kein Problem damit, sie zu verkaufen.

Wieso sollte man nicht gleich einen Indexfonds kaufen – da sind gar keine Emotionen im Spiel?

Ich glaube daran, dass aktives Management überlegen ist. Natürlich kommt es darauf an, dass man den richtigen Fonds erwischt. Ich habe den DWS Deutschland im Juli 2002 übernommen – seitdem hat er rund 160 Prozent zugelegt, inklusive aller Managementgebühren. Mit einem Indexfonds auf den Dax hätten Sie „nur“ 80 Prozent gewonnen.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Der DWS Deutschland ist inzwischen mehr als drei Milliarden schwer. Finden Sie überhaupt noch genug gute Aktien, in die Sie das Geld stecken können?

Doch, doch. Da gibt es noch genug Möglichkeiten. Natürlich spielt es eine Rolle, dass der Fonds heute zehnmal größer ist als vor zehn Jahren. Wir legen das Geld anders an. Statt vor Quartalszahlen noch schnell zu handeln, ist jetzt mehr Kaufen und Halten angesagt.

Wie sieht denn Ihre Strategie aus?

Wir setzen auf Unternehmen, die ein klares Geschäftsmodell haben, global aufgestellt sind und viel in die Schwellenländer exportieren. Umgekehrt investieren wir wenig in Unternehmen, die nur in Europa beheimatet sind, etwa Telekomaktien oder Versorger. Das hat sich als goldrichtig erwiesen.

Kommentare (44)

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Account gelöscht!

08.04.2013, 10:39 Uhr

Wenn ich mir täglich die Meldungen hier durchlese...

Account gelöscht!

08.04.2013, 11:02 Uhr

„Dax 9.000 – warum nicht?“ Ja warum nicht 90.000?
Man muß einfach zehnmal mehr Geld drucken als bisher.

Alternativlose_Aktien

08.04.2013, 11:06 Uhr

Man muss ja nicht jede Aussage für bare Münze nehmen, besonders da der Interviewte ja keine andere Wahl hat als mit seinem Deutschland-Fonds in deutsche Aktien zu investieren.

Wenn er Anlegern empfehlen würde nicht zu investieren, käme das einem Coca Cola-Mitarbeiter gleich der von Zucker(ersatzstoffen) abrät oder einem Autoverkäufer, der sagt, dass man in der Stadt auch gut ohne Auto leben kann.

Trotzdem gefällt mir der Ansatz. VW/Daimler/BMW/Allianz bei einem KGV von knapp 8 und einer Dividendenrendite von 4% und mehr sind mir alle Mal lieber als mein Geld für 0,5% zur Sparkasse zu bringen.

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