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11.02.2013

14:34 Uhr

Trend

Staatsfonds setzen weiter auf Immobilien

Es sind Rentenfonds aus Norwegen oder Kannada, die weltweit in Großstädten ganze Gebäudekomplexe aufkaufen. Nie wurde stärker in Immobilien investiert. Und die Einkaufstour geht weiter - dadurch steigen die Preise.

Bürogebäude in Sydney: Investitionen lohnen sich für Fonds, denn Mieten steigen weltweit. dpa - picture-alliance

Bürogebäude in Sydney: Investitionen lohnen sich für Fonds, denn Mieten steigen weltweit.

Staatsfonds haben bereits im vergangenen Jahr kräftig in Immobilien investiert und wollen dies noch ausweiten. Angesichts niedriger Renditen bei Anleihen und volatilen Aktienmärkten haben sie im Immobilienmarkt eine Anlagealternative gefunden.

Im vergangenen Jahr tätigten Staatsfonds, darunter Vermögensverwalter für China und Aserbeidschan, 38 Immobilieninvestments, die auf ein Volumen von fast 10 Mrd. Dollar kamen. Das zeigen Zahlen des Sovereign Investment Lab der Bocconi Universität in Mailand, dessen Aufzeichnungen zurück bis 1985 reichen.

Das Volumen war zwar niedriger als die 13 Mrd. Dollar, die 2011 investiert wurden. Doch liegt der Anteil an den gesamten Investments der Staatsfonds 2012 bei 21 Prozent und damit höher als 2011 mit 16 Prozent.

“Angesichts der sehr niedrigen Renditen an den Anleihemärkten und der Volatilität in den Aktienmärkten sind Immobilien derzeit attraktiv - insbesondere für langfristige Investoren”, sagt Andrew Rozanov, Leiter Beratung Staatsfonds bei Permal Investment Management Services Ltd. in London. Immobilienanlagen seien typischerweise ein Schutz vor Inflation und dienten der Portfoliodiversifizierung, erläuterte er.

Staatsfonds, die in der Regel die Überschüsse ihrer Länder aus Exporten, etwa Rohstoffen, verwalten, haben angekündigt, sie planten dieses Jahr weitere Immobilienkäufe, wobei die USA und Paris zu den favorisierten Märkten zählten.

Die Nettorenditen für hochwertige Büroimmobilien liegen in New York bei 4,6 Prozent, im Londoner Westend bei 4,0 Prozent und in Zürich bei 3,75 Prozent. Das geht aus einem im Dezember veröffentlichten weltweiten Immobilien-Ausblick von Credit Suisse Global Real Estate Research hervor.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Nach Einschätzung von Patrick Thomson, Leiter Staaten bei JPMorgan Asset Management in London, werden die Investments in Gewerbeimmobilien in Europa in den nächsten beiden Jahren auf rund 190 Mrd. Dollar jährlich ansteigen, gegenüber 160 Mrd. Dollar im Jahr 2012. Der größte Schub werde dabei von den Staatsfonds kommen.

Mehr als 70 Prozent der 108 Mrd. Euro, die im vergangenen Jahr für Mieten einbringende Liegenschaften in Europa, dem Nahen Osten und Afrika ausgegeben wurden, flossen nach Großbritannien, Frankreich und Deutschland, wie der Immobilienmakler DTZ Holdings Plc in seinem Ausblick für 2013 darlegte. Dieser Trend werde auch dieses Jahr anhalten, schrieben die DTZ-Analysten um Hans Vrensen in dem Bericht. In Deutschland werden die Büromieten in den Jahren 2013 und 2014 demnach um jährlich 2,2 Prozent steigen. In Großbritannien wird in dem Zeitraum ein jährlicher Anstieg um 2,6 Prozent erwartet.

Staatsfonds favorisieren bislang Objekte in Großstädten in Europa und in den USA, darunter London und San Francisco. Sie konzentrieren sich dabei auf hochwertige Gegenden, die am stabilsten sind und hohe Einnahmen bringen.

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