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03.07.2015

15:25 Uhr

Trotz geschlossener Börse in Athen

Wie die Zocker in Griechenland zulangen

Genau wie die Banken in Griechenland bleibt auch die Athener Börse seit Tagen geschlossen. Doch das hält Spekulanten nicht davon ab, weiter auf hellenische Aktien zu wetten. Ihr Trick: Ein Fonds aus den USA.

Die Anzeigetafeln an der Athener Börse sind ausgeschaltet. dpa

Handel ausgesetzt

Die Anzeigetafeln an der Athener Börse sind ausgeschaltet.

Wenn die Börse geschlossen bleibt, ruht der Aktienhandel. So sollte man meinen. Doch verwegene Anleger finden scheinbar immer eine Möglichkeit, auf Bulle und Bär zu setzen. So auch in Griechenland, das um einen Finanzkollaps zu verhindern Börse und Banken geschlossen hält. In dieser Phase größter politischer Unsicherheit sucht der ein oder andere Spekulant dennoch ein Investment dort - und wird fündig. Über den Umweg eines Fonds.

Allein in den letzten vier Tagen wurde der Global X FTSE Greece 20 ETF in einem Volumen von 15,9 Millionen Stück gehandelt. Vor allem Amerikaner griffen zu. Nach einem gewaltigen Absturz um 19 Prozent am Montag, konnte er in den letzten Tagen schon wieder die Hälfte der verlorenen Punkte gut machen. Scheinbar setzt der ein oder andere Börsianer am Aktienmarkt auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit.

Ein baugleicher Fonds, der aber in Europa gelistet ist, wurde für diese Woche allerdings aus dem Handel genommen. So ist die US-Version nun die einzige Möglichkeit für Anleger, auf griechische Aktien zu setzen, nachdem die Behörden die Athene Börsen vorübergehend schlossen.

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Mit den wenigen seiner Basisaktien, die noch gehandelt werden, hat der ETF nun die Rollen gewechselt: Von einem gewöhnlichen Fonds mit der Funktion, griechische Aktien abzubilden, zu einem spekulativen Werkzeug, um vorherzusagen, wo die Kurse letztlich stehen werden. „Der Fonds tut das, was er soll: Während die Bären hedgen können, haben die Bullen die Möglichkeit voll mitzugehen", sagt Eric Mustin, von WallachBeth Capital.

„Dadurch, das Griechenland faktisch verriegelt ist, ist es schon für die Märkte, dass es immer noch einige Zugänge gibt“, sagt Mustin. „Gerade gibt es unheimlich viele Stimmen, es herrscht kein echte Konsens darüber, ob die griechische Börse ihre Pforten öffnet. Klienten, die einen internationalen Fokus haben oder sich auf Emerging Markets spezialisieren, haben auf GREK gelugt, um ihre eigene Meinung kundzutun.“ GREK ist das Tickersymbol des US-amerikanischen ETFs.

Die profitabelsten Hedge-Fonds der Welt

Das Ranking

Sie verwalten riesige Summen und wenn sie Gewinn machen, geht er in die Millionen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat Hedge-Fonds weltweit nach ihrer Profitabilität gerankt. Berücksichtigt wurde der Gewinn für die ersten zehn Monate des Jahres 2014.

Platz 1: Pershing Square International

Manager: Bill Ackman
Rendite: 32,8 Prozent

Platz 2: Quantedge Global

Manager: Team-Managed
Rendite: 32,3 Prozent

Platz 3: STS Partners

Manager: Michael Craig-Scheckman, Scott Burg
Rendite: 23,9 Prozent

Platz 4: Hildene Opportunities

Manger: Brett Jefferson
Rendite: 23,6 Prozent

Platz 5: AHL Diversified

Manager: Tim Wong, Matthew Sargaison
Rendite: 21,1 Prozent

Platz 6: MBS Agency

Manager: William Mok
Rendite: 20,6 Prozent

Platz 7: Citadel Tactical Trading

Manager: Team-Managed
Rendite: 19,7 Prozent

Platz 8: Stratus

Manager: Team-Managed
Rendite: 17,7 Prozent

Platz 9: Citadel Global Equities

Manager: Team-Managed
Rendite: 17,3 Prozent

Platz 10: Dymon Asia Macro

Manager: Danny Yong
Rendite: 17,0 Prozent

Vergangene Woche hatte Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras die Öffentlichkeit mit der plötzlichen Ankündigung eines Referendums überrascht. Seit dem sind die Verhandlungen zwischen der hellenischen Regierung und den Institutionen - die ehemalige Troika, bestehend aus EU-Komission, europäischer Zentralbank und internationalem Währungsfonds - auf Eis gelegt. Am Sonntag soll das griechische Volk nun entscheiden, ob es die Reformprogramme der Gläubiger ablehnt oder ihnen zustimmt.

Am Montagmorgen hatte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen erlassen. Damit das Finanzsystem des Landes nicht kollabiert, bleiben seitdem die Banken im Lande geschlossen. Auch die Türen der Athener Börse haben sich seit einer Handelswoche nicht mehr geöffnet.

Über vier Millionen Scheine des ETFs wechselten diese Woche im Durchschnitt täglich den Besitzer. Ins Auge fallen vor allem die 6,3 Millionen gehandelten Papiere am Montag, wo doch der Schnitt im vergangenen Monat bei 1,2 Millionen gelegen hatte. Ein Tagesdurchschnitt von 28.400 Optionen auf den Fonds, die in dieser Woche gehandelt wurden, sind ebenfalls Rekord. Amerikaner stellen die größte Gruppe ausländischen Investoren auf dem griechischen Aktienmarkt dar, dessen gesamte Marktkapitalisierung etwa auf dem Niveau der Deutschen Bank liegt.

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