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21.11.2011

15:35 Uhr

Umfrage

ETF-Anleger werden vorsichtiger

Immer mehr Anleger bevorzugen börsengehandelte Indexfonds, die direkt in die Aktien eines Index investieren. Ihre Skepsis gegenüber ETFs, die die Entwickung eines Indizes über Tauschgeschäfte nachvollziehen, wächst.

Banker in der City of London: Anleger werden vorsichtiger bei swap-basierten Indexfonds. dapd

Banker in der City of London: Anleger werden vorsichtiger bei swap-basierten Indexfonds.

FrankfurtDie Bedenken von Investoren hinsichtlich börsennotierter Indexfonds (ETFs) auf Derivatebasis haben einer Umfrage zufolge in den vergangenen Monaten stark zugenommen. 55 Prozent der professionellen und 35 Prozent der privaten Anleger haben momentan Bedenken gegenüber ETFs, welche die Wertentwicklung von Indizes über Swap-Derivategeschäfte nachvollziehen, zeigen die am Montag veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage des Analysehauses Morningstar. Bei der vorigen Morningstar-Umfrage vom März 2011 waren nur 33 Prozent der Profis und 23 Prozent der Privatanleger besorgt.

Einige ETFs - die sogenannten physisch replizierenden - bilden die Wertenwicklungen von Finanzmarktindizes ab, indem sie in die Indexpapiere investieren. Andere vollziehen die Indexperformances über Swap-Derivategeschäfte mit Banken nach.

In der aktuellen Umfrage gaben 90 Prozent der Teilnehmer an, physisch replizierende ETFs zu bevorzugen, nur zwei Prozent präferierten swap-basierte Fonds. Im März waren es 74 Prozent beziehungsweise acht Prozent gewesen. Der Rest ist unentschlossen.

Drei Methoden, einen Index abzubilden

Full Replication

„Full replication“ heißt übersetzt volle Nachbildung. Bei der Methode steckt das Vermögen des ETFs in den Aktien des zugrundeliegenden Index – und zwar entsprechend der Gewichtung der Aktien im Index. Das heißt, das Börsenbarometer wird eins zu eins nachgebildet.

Optimised Sampling

Diese selektive Teilnahme bedeutet, dass der ETF einige aber nicht alle Aktien eines Index erwirbt. So bildet er den Index näherungsweise ab. Dieses Verfahren wird – häufig aus Kostengründen – vor allem bei Indizes verwendet, in denen besonders viele Aktien notiert sind.

Swap

Bei Swap-ETFs (Swap = Tausch) wird das Fondsvermögen in Wertpapiere, beispielsweise Aktien oder Anleihen, investiert. Zusätzlich zu diesem Basisportfolio wird mit einer Bank ein sogenannter Swap abgeschlossen. Der ETF-Anbieter tauscht so die Wertentwicklung des Basisportfolios gegen die Performance des abzubildenden Index. Die Kombination aus Basisportfolio und Swap stellt sicher, dass der ETF die Wertentwicklung des jeweiligen Index möglichst exakt nachvollzieht.

In den vergangenen Monaten hat die Kritik an börsennotierten Indexfonds stark zugenommen. Unter anderem haben die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Internationale Währungsfonds (IWF) und der Finanzstabilitätsrat auf die Risiken für das weltweite Finanzsystem hingewiesen, die von ETFs ausgingen. Dabei kritisierten sie vor allem Derivate- und Wertpapierleihegeschäfte innerhalb der Portfolios. Denn dadurch entstehe ein Kontrahentenrisiko, das vielen Anlegern nicht bewusst sei. Soll heißen: Fällt der Swap- beziehungsweise Wertpapierleihepartner aus, ist die Wertentwicklung des ETFs ungewiss.

Die Bedenken der Investoren hinsichtlich des Kontrahentenrisikos sind in den vergangenen Monaten gestiegen. 41 Prozent der Teilnehmer aus der Morningstar-Umfrage sind in dieser Hinsicht sehr besorgt, im März waren es 29 Prozent.

An der Morningstar-Umfrage nahmen 501 Privatanleger und 92 professionelle Investoren aus Großbritannien teil. Diese stimmten in den vergangenen Monaten auf der Internetseite von Morningstar ab. Die Teilnehmer sind nicht zwangsläufig die gleichen wie in der März-Umfrage.

Von

rtr

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