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22.02.2012

15:58 Uhr

Umstrittener Fonds

Deutsche Bank begräbt die „Todeswetten“

Eine ethisch zweifelhafte Geschäftsidee hat der Deutschen Bank viel Kritik eingebracht. Jetzt reagiert die Bank. Sie bietet Anlegern den Ausstieg aus der sogenannten „Todeswette“ an.

Der geschlossene Fonds „db Kompass Life 3“ hat der Deutschen Bank viel Kritik eingebracht. dpa

Der geschlossene Fonds „db Kompass Life 3“ hat der Deutschen Bank viel Kritik eingebracht.

Nach öffentlicher Kritik bietet der Konzern Anlegern den Ausstieg aus dem geschlossenen Fonds „db Kompass Life 3“ an. Das Produkt ist eine Art Wette auf die Restlebensdauer von etwa 500 Menschen: Sterben die sogenannten Referenzpersonen früher als erwartet, erhöht sich die Rendite für die Investoren. „Die Anleger werden in Kürze ein schriftliches Rückkaufangebot erhalten. Damit können sie ihr investiertes Kapital unter Abzug zwischenzeitlich erhaltener Zahlungen zurück erhalten“, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mit.

Damit reagiere die Bank auf die „öffentliche Diskussion um die Berechtigung des Produkts“. Der „Spiegel“ hatte Anfang Februar über Kritik des Bankenverbandes an der „Todeswette“ berichtet. „Dies ist mit unserer Wertordnung, insbesondere der in ihrem Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen“, zitierte das Magazin die Ombudsstelle des Bankenverbands.

Der Fonds wurde nach Angaben der Bank 2007 aufgelegt. Etwa 10.000 Anleger, hauptsächlich aus Deutschland, investierten rund 200 Millionen Euro. Die Referenzgruppe bestehe aus US-Bürgern, die sich freiwillig gemeldet und dafür eine Entschädigung erhalten hätten.

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Finanzwetten auf den Tod von Menschen? Was makaber klingt, ist für die Deutsche Bank ein rentables Finanzprodukt. Doch der moralische Aspekt stört nun auch den Bankenverband derart, dass der Geduldsfaden reißt.

Die Fonds funktionieren so: Vor allem in den USA gibt es einen Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Wer in Amerika eine Lebensversicherung besitzt und über das gesparte Geld früher als vereinbart verfügen will, kann sie an Dritte verkaufen. Die Betroffenen erzielen dabei oft einen besseren Preis, als wenn der Versicherer die Police zurücknimmt. Der Käufer zahlt einmalig eine Summe aus. Er übernimmt es fortan, die monatlichen Prämien des Versicherten zu begleichen, und erhält dafür die gesamte Versicherungssumme ausgezahlt, wenn der Versicherte stirbt. Aus Sicht des Käufers bedeutet ein früher Tod einen Gewinn. Ein langes Leben dagegen reißt ein Loch ins Portemonnaie.

Diskussionen um die Fonds kursieren bereits seit einiger Zeit, das Handelsblatt berichtete bereits 2010 über das fragwürdige Finanzprodukt. Anleger beklagten unter anderem, dass der Fonds nicht die erhofften Gewinne abwirft.

Von

dpa

Kommentare (11)

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typisch_deutsch

22.02.2012, 16:19 Uhr

wenn dann konsequent:

verbietet auch Lebensversicherungen!!!

JohnDoe

22.02.2012, 16:53 Uhr

Es geht hier um das Verbot bzw. die Rüge, aus dem Tod eines Menschen Gewinn zu erzielen. Das Verbot von Lebensversicherungen auf das eigene Leben, wäre ein tiefgreifender Eingriff in das Recht, SICH SELBST, gegen dieses Risiko abzusichern.

MW65719

22.02.2012, 16:58 Uhr

Und auch die Krankenversicherung bitte. Schließlich ist es ja ethisch auch nicht zu vertreten, dass man gegen die Gesundheit der Menschen wettet.

Aber schön, dass die hirnbefreiten "Gutmenschen" mal wieder eine Möglichkeit gefunden haben, die unbedarfte "Volksseele" gegen die bösen Banken (speziell die Deutsche) aufzubringen.
Äußerst bedauerlich, dass die Deutsche Bank hier eingeknickt ist (wobei ja kein Anleger das Angebot zur Rückabwicklung annehmen muss). Ich stehe als (Klein-)Aktionär zwar vollstens hinter der von Ackermann und dem Vorstand aufgestellten Regel "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen", aber zum guten Ruf der Bank gehört für mich eben auch, dass sie sich nicht von jedem Hirnfurz einiger "Gutmenschen" ins Bockshorn jagen lässt. Selbst wenn diser Gutmensch bim BdB als Ombudsmann beschäftigt ist.

Ich frage mich sowieso, wer den eingschaltet haben soll. Ein Anleger, der genau wusste, was er tat, als er den Fonds gekauft hat, jetzt aber moralische Bedenken geltend macht, weil er vorzeitig an sein Geld will - ein opportunistischer (moralisch gefestigter) Lügner also?
Ein Versicherter, der dringend Geld gebraucht hat, die Lebensversicherung nicht mit hohem Verlust vorzeitig kündigen wollte und sie deshalb verkauft hat - und jetzt die Hand beißt, die ihm dabei geholfen hat, einen größeren Betrag als den Rückkaufwert zu behalten?
Oder irgendein anderer, gar nicht direkt beteiligter "Gutmensch" (gerne aus dem kirchlichen Umfeld?), der meinte, peinlich berührt zu sein?

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