Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.02.2011

13:00 Uhr

Unrechtmäßige Gebühren

Wie Fondsgesellschaften ihre Kunden abkassieren

VonJens Hagen

Exklusiv Millionen Deutsche setzen auf Investmentfonds. Doch viele Produkte enttäuschen die Anleger. Kein Wunder: Häufig sind die Gebühren so hoch, dass hohe Renditen fast unmöglich sind. Verbraucherschützer klagen jetzt dagegen.

Die Fondsgebühren sind häufig ebenso intransparent wie hoch. Quelle: gms

Die Fondsgebühren sind häufig ebenso intransparent wie hoch.

DÜSSELDORF Die führenden Fondsgesellschaften in Deutschland hatten bisher ein gutes Leben. Weitgehend unbehelligt und freihändig konnten sie die Kosten für ihre Produkte festlegen. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn Verbraucherschützer gehen jetzt erstmals gegen die Gebührenpraxis vor.

In einer umfangreichen Untersuchung hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) die Gebühren der 50 volumenstärksten Fonds für Privatkunden überprüft. Das Ergebnis, das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ist für viele Anleger ein Schlag ins Gesicht. Mit knapp 60 verschiedenen Gebührenarten kassieren die Gesellschaften ihre arglosen Kunden ab. Vor allem direkt nach dem Kauf eines Fonds langen sie zu: Im ersten Jahr sind wegen des Ausgabeaufschlags selbst zweistellige Kostenquoten möglich. In den Folgejahren sind mehr als zwei Prozent üblich.

Einige Gebühren werden nach Ansicht der Verbraucherzentrale sogar zu Unrecht erhoben. Deshalb hat sie die drei großen Anbieter Allianz Global Investors, LBBW Asset Management und Union Investment stellvertretend für die Branche abgemahnt. Alle genannten Unternehmen bestätigen gegenüber dem Handelsblatt die Abmahnung, möchten aber vor einem persönlichen Gespräch mit den Verbraucherschützern in der Öffentlichkeit keine Stellung beziehen.

Transparent informieren Fondsgesellschaften einzig beim Thema Aufgabeaufschlag. Diese Gebühr ist beim Kauf von Fondsanteilen zu zahlen. Angegeben wird hier immer die maximale Kaufgebühr, die etwa beim Kauf am Bankschalter fällig wird und in Einzelfällen bis zu sieben Prozent betragen kann. Wer auf Beratung verzichtet und bei Online-Brokern oder via Fondsbörsen kauft, zahlt in der Regel erheblich weniger.

Fonds-Gebühren im Überblick

Ausgabeaufschlag

Der Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf an. Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds kann er relativ gering sein, bei Geldmarktfonds liegt der Satz etwa häufig bei rund ein Prozent. Er kann aber auch deutlich höher sein wie bei Aktienfonds, wo fünf Prozent keine Seltenheit sind. Dies bedeutet, dass bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beim Geldmarktfonds für 49,50 Euro Anteile erworben werden, beim Aktienfonds hingegen nur für 47,61 Euro.

Fondskäufer können den Ausgabeaufschlag aber reduzieren. Direktbanken oder Fondssupermärkte im Internet bieten niedrigere Sätze an oder verzichten sogar ganz auf diese Gebühr. Zu den bekanntesten Fondssupermärkten zählen beispielsweise fondssupermarkt.net, avl-investmentfonds.de und infos.com. Gute Kunden dürfen außerdem auf Sonderkonditionen bei der Hausbank hoffen.

Je länger der Anleger investiert bleibt, desto weniger stark wirkt die Kaufgebühr. Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag einzahlt und durchschnittlich fünf Prozent Jahresrendite erzielt, steht nach drei Jahren bei 3.690 Euro. Ohne Kaufgebühren wären es 3.885 Euro. Wer zehn Jahre investiert bleibt, kommt mit dem Ausgabeaufschlag auf ein Guthaben von 14.725 Euro, ohne Gebühr wären es 15.500 Euro. 

Verwaltungsgebühr

Die Verwaltungsgebühr liegt im Regelfall zwischen null und zwei Prozent. Oft ist dieser Satz etwas höher, wenn der Ausgabeaufschlag gering ist und umgekehrt. Die Verwaltungsgebühr wird - einmal im Jahr oder auch monatlich - aus dem Fonds bezahlt. Wenn die Gebühr zum Beispiel 1,2 Prozent ist und der Fondswert 10.000 Euro, beträgt die Gebühr 120 Euro im Jahr und das neue Fondsvermögen noch 9.880 Euro. 

Depotbankgebühr

Die Investmentgesellschaft hinterlegt das Fondsvermögen bei einer sogenannten Depotbank. Für das Führen dieses Depots wird eine Gebühr erhoben, die im Regelfall aus dem Fondsvermögen bezahlt wird. Diese Gebühr kann bei großen Fonds bis zu 0,3 Prozent des Fondsvolumens per anno ausmachen.

Zusätzlich ist die Depotbank berechtigt, eine Transaktionsgebühr von bis zu 100 Euro je Transaktion, die nicht über die Depotbank getätigt wird, zu erheben. Auch eine zusätzliche Verwahrgebühr von bis zu 0,1 Prozent pro Jahr ist rechtens. Neben den genannten Vergütungen verlangen einige Gesellschaften eine weitere tägliche Vergütung in Höhe von bis zu 0,75 Prozent pro Jahr. 

Performance Fee

Die Performance Fee ist eine erfolgsabhängige Gebühr. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds eine bessere Wertentwicklung aufweist als ein vorher festgelegter Vergleichsindex, wie zum Beispiel der DAX, wird die Performance Fee gezahlt. Wenn eine Performance Fee von 20 Prozent vorgesehen ist, bedeutet das zum Beispiel: Ein Kunde hat ein Fondsvermögen in Höhe von 20.000 Euro. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Das Mehr an Rendite von zwei Prozent sind 400 Euro. Davon bekommt die Gesellschaft 20 Prozent, also 80 Euro. 

Performance Fees sind an ganz unterschiedliche Bedingungen geknüpft. Die Investmentgesellschaft profitiert von einem besseren Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, muss sich aber nicht zwangsweise auch an Verlusten beteiligen, falls der Index besser war.

Es ist auch möglich, dass Anleger Performance Fee`s zahlen müssen, obwohl der Fonds Verluste gemacht hat. Wenn der Vergleichsindex zehn Prozent Minus gemacht hat, der Fonds aber nur sechs Prozent Minus, war er besser als der Vergleichsindex. Dann lässt die

Investmentgesellschaft es sich vergüten, dass der Fond zwar Verluste gemacht hat, aber eben nicht so viel wie andere. 

Transaktionskosten

Transaktionskosten entstehen, wenn im Fonds eine Umschichtung der Wertpapiere stattfindet, also beispielsweise Aktien verkauft und andere dafür gekauft werden. Bei einer solchen Umschichtung entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden. Je öfter umgeschichtet wird, desto mehr Gebühren müssen gezahlt werden und desto geringer ist die Rendite.

Wegen mangelnder Transparenz bleibt die Höhe der Transaktionskosten in der Regel im Dunkeln. Eine Ausweisung der relevanten Daten im Fondsprospekt geschieht laut Studie der Verbraucherzentrale NRW kaum oder nur unzureichend. 

Sonstige Gebühren

Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten keine Grenzen gesetzt. Rechtliche Vorgaben gibt es so gut wie nicht. So kann es passieren, dass Anleger nicht nur den Ausgabeaufschlag beim Kauf bezahlen, sondern auch einen Rücknahmeabschlag bei der Rückgabe der Anteilsscheine. Und wenn ein Fonds Geld einnimmt, weil er Wertpapiere verleiht, dann kassiert die Gesellschaft dafür oft auch eine Gebühr. Hier empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Fondsunterlagen und des amtlichen Verkaufsprospekts um herauszufinden, welche sonstigen Kosten anfallen können.

Eine Hilfe beim Vergleich von Fonds anhand der anfallenden Kosten ist die Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine Gesamtkostenquote, die für Transparenz sorgen soll. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Grund ist, dass in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. So sind weder die Ausgabeaufschläge enthalten, noch die erfolgsabhängigen Gebühren (Performance Fee`s). Die Aussagekraft der TER ist daher begrenzt. Laut Morningstar liegt sie bei Aktienfonds bei gut zwei Prozent.

Hart kritisieren die Verbraucherschützer die neuerdings häufig verlangte Performance Fee. Die Gebühr wird vor allem bei Fonds erhoben, die überdurchschnittliche Renditen erzielen. Das Fondsmanagement soll so zusätzlich von guten Leistungen profitieren. Das Problem: "Viele Gesellschaften haben die Gebühr vor zwei Jahren eingeführt, pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem die Kurse im Keller waren", sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale NRW und Leiter des Internetportals Verbraucherfinanzwissen.de. Wer beim Ausbruch der Finanzkrise Anteile an Aktienfonds hielt, fuhr oft hohe Verluste ein, die er allein tragen musste. Vom Gewinn in der anschließenden Erholungsphase profitiert dagegen auch der Fondsemittent.

"Seit der Finanzkrise sind die Gebühren für Fonds deutlich gestiegen", sagt Maximilian Kreitlmeier, Analyst bei der Ratingagentur Mornigstar. Das gelte sowohl für fixe wie für variable Bestandteile. Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio/TER) liege bei deutschen Aktienfonds aktuell im Mittel bei 1,55 Prozent. 2007 waren es noch 1,35 Prozent.

Der Gebührenanstieg ist ein deutsches Phänomen. Bei weltweiten Standardwerten lag der Anstieg nur bei 0,04 Prozentpunkten. Der Grund: Bei den deutschen Werten ist der Anteil an deutschen Fondshäusern besonders hoch. Hierzulande führten viele Gesellschaften auf der Suche nach neuen Geldquellen Performance Fees ein", sagt Kreitlmeier. Die Anleger machen es ihnen dabei nicht gerade schwer: "Deutsche Anleger sind bislang nicht sehr kostenbewusst, das Thema spielt in der öffentlichen Wahrnehmung eher eine geringe Rolle", hat der Morningstar-Analyst beobachtet.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Un.B.Leavable

16.02.2011, 14:51 Uhr

Das ist alles nichts neues! Nur für die Kunden, die es lieber bequem haben wollen und sich selbe kein eigene Meinung drüber machen wollen ist diese Nachricht schockierend. Das kleingedrückte lesen ist doch nicht nötig - oder? Deswegen haben Berater, die auf Honorarbasis arbeiten möchten es so schwer haben - die Kunden möchten doch übers Ohr gehauen worden!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×