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27.01.2010

10:37 Uhr

Vermögen

Deutsche Fonds geraten ins Hintertreffen

VonIngo Narat, Anke Rezmer

Ausländische Fondsgesellschaften machen Boden gut. Vermögensverwalter wie der französische Fondsmanager Edouard Carmignac haben im vergangenen Jahr Milliarden eingesammelt und damit heimische Anbieter im Hinblick auf die Fondszuflüsse abgehängt.

Noch verwaltet die Deka deutlich mehr Vermögen als die ausländische Konkurrenz ap

Noch verwaltet die Deka deutlich mehr Vermögen als die ausländische Konkurrenz

FRANKFURT. Die vielfach auf Aktienfonds spezialisierten ausländischen Fondsgesellschaften punkteten vor allem bei Vermögensverwaltern und Dachfonds, seitdem die Aktienbörsen im Frühjahr 2009 gedreht haben. Zwar liegen die deutschen Häuser wie DWS oder Deka immer noch unangefochten vorne, was das verwaltete Vermögen betrifft. Doch neu angelegtes Geld fließt immer häufiger in Produkte von Spezialisten wie Carmignac, die britische Schroders oder der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock aus den USA.

Hierzulande wird in Publikumsfonds insgesamt ein Vermögen von 552 Mrd. Euro verwaltet. Ausländische Häuser managen nach Zahlen des Fondsverbands BVI und Schätzungen gerade mal rund 15 Prozent davon, der Rest wird von heimischen Adressen wie DWS, Allianz Global Investors, Union Investment und Deka verwaltet.

Im vergangenen Jahr konnten die vor allem auf Dividendentitel spezialisierten Ausländer überproportional viel neues Kapital einsammeln. Auch litten sie - mit Ausnahme einzelner Anbieter wie Pioneer - nicht unter den massiven Abzügen aus Geldmarktfonds, die vor allem von den nationalen Häusern angeboten werden. Nach einer Schätzung des Handelsblatts investierten die heimischen Anleger allein in die Publikumsfonds der bekannten größeren ausländischen Adressen mehr als fünf Mrd. Euro. Aus den Produkten der genannten vier nationalen Fondshäuser zogen die Anleger dagegen 2009 bis Ende November rund zehn Mrd. Euro ab.

In diesem Jahr erwarten die Anbieter, dass ihre Stärke, die Auswahl attraktiver Aktien für so genannte aktiv gemanagte Fonds, noch stärker gefragt sein dürfte als 2009. "Anleger haben noch immer große Summen am Geldmarkt geparkt. Nach der aktuellen Korrektur werden sie schauen, wo sie mehr Ertrag bekommen können", sagt Andrej Brodnik, Deutschland-Chef von Blackrock. "2010 werden vor allem Fonds mit europäischen Aktien und Lateinamerika-Titeln gefragt sein." Auch Peter Schwicht, Deutschlandchef von JP Morgan Asset Management: "Für 2010 erwarten wir positive Absatzzahlen, nicht zuletzt weil die Privaten wieder Aktienengagements aufbauen." Aus Mangel an Alternativen mit attraktiver Rendite dürften Dividendentitelfonds gefragt bleiben, meint auch Norbert Welp, Vertriebschef bei Pioneer Deutschland. Star-Manager Carmignac rechnet beispielsweise mit spannenden Zeiten für US- und Schwellenländeraktien, die in seinen meist globalen Portfolios stärkeres Gewicht bekommen sollen.

Neben Aktienfonds erwarten die Anbieter noch Zuflüsse bei Misch- und Rentenfonds sowie marktneutralen Strategien. "Wir glauben, dass die Mehrzahl der Kunden über defensivere Strategien in den Markt zurückkehren. Dazu dienen sicher Mischfonds", sagt Achim Küssner, Deutschlandleiter von Schroders. Brodnik erkennt "großes Interesse an marktneutralen Strategien", die Vermögensverwalter und Dachfondsmanager zur Diversifizierung von Anlagerisiken ins Depot nehmen.

An Selbstbewustsein fehlt es den dynamischen Ausländern nicht: Bis 2012 will Carmignac das verwaltete Vermögen seiner Gesellschaft noch einmal um die Hälfte auf 50 Mrd. Euro steigern. Deutschland sei dabei eines der wichtigsten Länder, sagt er. Fidelity-Deutschalnd Chef Christian Wrede sprach - wenngleich schmunzelnd - sogar von Marktführerschaft. Fidelity gehört zu den wenigen Aktienhäusern am Markt, die mit der Verwaltung von Fondskonten ein zweites Standbein stärken wollen, um "weniger von den stark schwankenden Märkten abhängig zu sein." Aktienprodukte machen aktuell rund 85 Prozent des Fondskapitals aus. Fidelity und einige andere stark aktienlastige Anbieter wie Franklin Templeton haben 2008 stark unter dem Verfall der Märkte gelitten. Ihr verwaltetes Vermögen in Publikumsfonds hatte sich nahezu halbiert.

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