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07.03.2013

06:23 Uhr

Vermögensverwalter im Interview

„Bestimmte Geschäfte macht man nicht“

VonJörg Hackhausen

Die Spekulation mit Lebensmitteln steht in der Kritik. Unter Beschuss: die Deutsche Bank. Im Interview erklärt ein Experte, warum er solche Geschäfte ablehnt - und wie er vom Boom der Nahrungsmittelbranche profitiert.

Walter Sommer, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grossbötzl, Schmitz & Partner in Düsseldorf.

Walter Sommer, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grossbötzl, Schmitz & Partner in Düsseldorf.

Herr Sommer, Sie investieren im Nahrungsmittelsektor. Finden Sie das unanständig?

Walter Sommer: Nein, denn wir spekulieren nicht mit Grundnahrungsmitteln oder Agrarrohstoffen. Das überlassen wir anderen. Wir investieren in Unternehmen, die Nahrungsmittel herstellen und vertreiben – vom Saatguthersteller über Düngemittel-Produzenten bis hin zum Hersteller von Fertiggerichten. Das ist etwas völlig anderes.

Warum keine Agrarrohstoffe?

Wir sind keine Moralisten. Aber bestimmte Geschäfte macht man einfach nicht. Wir können auch gar nicht anders, wir brauchen immer eine Bilanz, die wir analysieren können. Weizen, Mais oder Reis haben keine Bilanz. Davon lassen wir die Finger.

Die Deutsche Bank sagt, die Terminmärkte hätten keinen Einfluss auf die Preise für Nahrungsmittel und hält an derartigen Geschäften fest. Was sagen Sie?

Was auf den Terminmärkten geschieht, ist kein Würfelspiel im Hinterzimmer, ohne irgendwelche Auswirkungen. Manchmal wird das so dargestellt, aber das stimmt nicht. Die Spekulation mit Grundnahrungsmitteln beeinflusst definitiv die Preise.

Das sind Qualitätsaktien wert

Coca Cola

Marktkapitalisierung: 168 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 3 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 8,4 Prozent

Heinz

Marktkapitalisierung: 23 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 20,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 32,7 Prozent

L'Oreal

Marktkapitalisierung: 67 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 2,2 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 21,6

Kursentwicklung (1 Jahr): + 28,3 Prozent

LVMH

Marktkapitalisierung: 67,5 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 2,4 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 5,6 Prozent

McDonalds

Marktkapitalisierung: 94 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 3,4 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,2

Kursentwicklung (1 Jahr): - 6,1 Prozent

Nestlé

Marktkapitalisierung: 204 Milliarden Franken

Dividendenrendite: 3,5 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 13 Prozent

Procter & Gamble

Marktkapitalisierung: 209 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 3 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 18,8

Kursentwicklung (1 Jahr): + 17,9 Prozent

SAP

Marktkapitalisierung: 70 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,1

Kursentwicklung (1 Jahr): + 21,2 Prozent

Starbucks

Marktkapitalisierung: 40 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 25,3

Kursentwicklung (1 Jahr): + 12,2 Prozent

Unilever

Marktkapitalisierung: 88 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 3,5 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,4

Kursentwicklung (1 Jahr): + 14,3 Prozent

Wal Mart

Marktkapitalisierung: 232 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 2,3 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 14,1

Kursentwicklung (1 Jahr): + 10,9 Prozent

Walt Disney

Marktkapitalisierung: 100 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 1,2 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,2

Kursentwicklung (1 Jahr): + 33,2 Prozent

Wieso sollte man überhaupt in Unternehmen aus der Lebensmittelbranche investieren?

Der Trend ist doch klar: Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung wird auch der Nahrungsmittelsektor wachsen. Das sind hervorragende Voraussetzungen für ein Basiskonsuminvestment mit existenzieller Bedeutung.

In der Vergangenheit wurden schon viele Megatrends ausgerufen, die anschließend in einer großen Enttäuschung für Anleger endeten.

Ich gebe Ihnen recht, es gab viele Modeerscheinungen, die gekommen und dann wieder gegangen sind. Aber bei Nahrung handelt es sich nicht um eine Mode. Jeder Mensch muss essen – es geht nicht ohne. Überlegen Sie, welche Rolle das Essen in unserer Gesellschaft spielt. Wenn wir etwas feiern wollen, dann gehen wir mit Freunden Essen und Trinken. Oder schauen Sie sich an, wie viele Kochsendungen im Fernsehen laufen. Wir denken jeden Tag circa 15 bis 20 Mal ans Essen. Wenn wir aber zwei Tage nichts zu essen bekommen, dann verschiebt sich das radikal. Dann denken wir nichts anderes als: Wo bekomme ich etwas Essbares her?

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Die Agrarministerin kritisiert das Geldhaus scharf.

In weiten Teilen der Welt ist das die Realität. Die Menschen haben nicht genug, um sich ausreichend zu ernähren.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die Welt mehr Nahrungsmittel produziert. Es geht nicht anders. Jeden Tag wächst die Weltbevölkerung um 228.000 Menschen. Bis zum Jahr 2030 werden mehr als acht Milliarden Menschen auf der Erde leben. Zugleich ändern sich die Essgewohnheiten. In den Schwellenländern entsteht eine Mittelschicht, die westliche Standards adaptiert. Der Verbrauch von Fleisch und Molkereiprodukten wird deutlich steigen. Wenn sich jeder Mensch wie ein Mitteleuropäer ernähren würden, dann bräuchten wir fünf Mal so viele Ressourcen, wie auf der Erde vorhanden.

Kommentare (8)

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Honululu

07.03.2013, 08:21 Uhr

In der Branche wird tatsächlich mit minderwertigen Lebensmitteln immens viel Geld verdient. Ich bin mittlerweile wieder umgestiegen auf Grundnahrungsmittel und habe alle Aktien und Anleihen aus dieser "Nahrungsmittelbranche" abgestoßen.

Die Geschichte vom Schlaraffenland ist nämlich wahr und unwahr zugleich. Beim Verzehr dieser minderwertigen Lebensmittel bekommen Sie die Quittung beim Zahnarzt, beim Hausarzt und bei den vielen anderen Ärzten, die Sie konsultieren müssen. Nein, nicht schon mit 30 aber spätestens mit 50 wird es teuer. Doppelt und dreifach gezahlt hinterher.

Moralapostel

07.03.2013, 08:39 Uhr

Mit der Moral ist das so eine Sache. Nicht umsonst streiten sich Philosophen verschiedenster Richtungen seit Jahrhunderten darüber.

Man könnte auch der Ansicht sein, dass Investments in Firmen wie Monsanto oder Symrise, die einerseits genmanipuliertes Essen oder künstliche Geschmacksstoffe produzieren, einen genauso negativen Beitrag leisten wie das Spekulieren mit Mais oder Weizen.

gamoschka

07.03.2013, 08:46 Uhr

Pah, Hauptsache Distinktion. Ich persönlich halte die Monopolisierung der Nahrungsmittelindustrie für wesentlich gefährlicher für die Welternährung als die Spekulation. Pah, Hauptsache Distinktion. Ich persönlich halte die Monopolisierung der Nahrungsmittelindustrie für wesentlich gefährlicher für die Welternährung als die Spekulation. Ausgerechnet Nestle. Kohle machen ist OK, aber dann auch noch die Moralkeule schwingen. Unsere Welt ist gemacht, auch der Hunger. Und eine Handvoll global agierender, renditegetriebener Konzerne wird das Ernährungsproblem definitiv nicht lösen. Hier ist Diversifizierung gefragt, und die wird gerade drastisch zurückgefahren.

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