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25.01.2007

12:40 Uhr

Vermögensverwalter in der Kritik

Professor greift Fonds an

VonIngo Narat

Eugene Fama steuert auf Konfrontationskurs zur Anlagebranche: Der Finanzprofessor aus Chicago hält Prognosen für Unfug und viele Geldverwalter schlichtweg für Illusionisten.

FRANKFURT. „Alles Glück“, sagt er. Glück, das Wort ist positiv belegt. Doch aus dem Mund von Eugene Fama wird es zur Kampfansage an eine viele Billionen Dollar schwere Branche. Der Finanzprofessor an der Universität von Chicago stellt schlicht die Fähigkeit von Vermögensverwaltern in Frage, die sich so oft einer Sache rühmen: ihren Kunden nachhaltig mehr Rendite abzuliefern als der jeweilige Marktindex – ein hochaktuelles Thema in Zeiten tendenziell sinkender Erträge bei Aktien und Anleihen. Es geht um das Selbstverständnis der Finanzindustrie und für viele Anbieter um deren Existenzberechtigung.

Die Beschäftigung mit der Unfähigkeit von so genannten und selbst ernannten Experten ist dem 67-jährigen Fama zur Lebensaufgabe geworden. Schon vor Jahrzehnten veröffentlichte er Studien zu dem Thema, die weite Kreise zogen. Sie hatten solche Durchschlagskraft, dass er regelmäßig als Anwärter auf den Wirtschaftsnobelpreis gehandelt wird – bisher wartet er vergeblich auf die höchsten Ehren. Schneller als das Preiskomitee waren das Centre for Financial Studies und der Stiftungsfonds Deutsche Bank. Sie vergaben vor zwei Jahren ihren internationalen Preis für Finanzökonomie an den Amerikaner.

Der Vater von vier Kindern hat sich mit zwei zentralen Begriffen in das Gedächtnis der Finanzwelt gegraben: „Market Efficiency“ und „Random Walk“. Seine ernüchternden Thesen: In effizienten Märkten bewegen sich Kurse nur zufällig (siehe „Ernüchternde Theorien“). Genau aus diesem Grund lacht er, wenn er auf „Alpha“ angesprochen wird. Unter diesem Schlagwort vermarkten immer mehr Geldverwalter Ideen und Produkte an ihre Kunden. Der griechische Buchstabe soll gerade diese Fähigkeit zur Erwirtschaftung von Mehrrenditen gegenüber einem Index dokumentieren.

Einwände lässt Fama nicht gelten. Auch Beispiele von Superinvestoren wie David Swensen, der mit dem Yale-Stiftungsfonds spektakuläre Renditen erzielt und selbst in den Aktienbaissejahren schwarze Zahlen schrieb, lassen ihn kalt. „Es gibt eben positive und negative Ausreißer“, sagt er. „Und die negativen werden oft unterschlagen.“

Bei den langfristigen Leistungsbilanzen sieht es seiner Meinung nach düster aus: „Von den zehn größten Hedge-Fonds vor rund zehn Jahren beispielsweise ist heute keiner mehr im Geschäft“, unterstreicht er seine Ansicht. Ob die bejubelten Superinvestoren wie Swensen ihr Ansehen zu Recht genießen? Fama antwortet vorsichtig. „Schwer zu sagen, wir sehen immer nur ihre vergangene Performance.“

Einige Praktiker widersprechen Famas Thesen vehement. Ein deutsches Haus wie die schnell wachsende Firma Lupus Alpha trägt seinen Anspruch bereits im Namen. Und auch Jochen Kleeberg, Leiter des Consultingunternehmens Alpha Portfolio Advisors für institutionelle Investoren, sagt aus seiner Beratungspraxis heraus: „Es gibt durchaus Verwalter, die Informationen besser verarbeiten und Mehrrenditen liefern.“

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