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03.06.2012

15:48 Uhr

Vertrauenskrise

Das Ende der Immobilienfonds

VonHeike Schwerdtfeger
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Fondsmanager in Zeitnot verramschen Immobilien. Anleger der Krisenfonds sehen trotzdem kaum Geld: Erst einmal sind die Banken dran. Sie haben die Fonds mit Krediten aufgepumpt und fordern ihre Milliarden zurück.

Harte Zeiten für die Anleger von Immobilienfonds: Viele warten noch auf ihr Geld, denn die Banken sind zuerst dran. dpa

Harte Zeiten für die Anleger von Immobilienfonds: Viele warten noch auf ihr Geld, denn die Banken sind zuerst dran.

DüsseldorfAls mündelsicher galten sie einmal, als Wertpapiere, bei denen ein Verlustrisiko ausgeschlossen ist, sodass ein Vormund selbst das Geld von Waisen dort anlegen darf. Noch 2009 stufte das Amtsgericht Fürth den SEB Immoinvest als mündelsicher ein. Gerd Merkel kann darüber heute nur noch bitter lachen. Ihm geht es wie rund einer Million Anlegern in Deutschland: Sein Geld hängt in Immobilienfonds fest, die ihm von Bankberatern als sichere Investments verkauft wurden. Beide Fonds, in die er investiert hat, stehen vor dem Aus, neben dem sechs Milliarden Euro schweren SEB Immoinvest auch noch der halb so große Axa Immoselect. Von seinem Höchstkurs Anfang Mai hat der SEB-Fonds schon sechs Prozent verloren, der Axa-Fonds ist seit seinem Hoch Ende 2010 um 7,3 Prozent gefallen. Doch das sind nur die offiziellen, von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Zahlen. Anleger misstrauen diesen zu Recht. Wer den SEB-Fonds an der Börse verkauft, bekommt 35 Prozent weniger, beim Axa-Fonds liegt der Abschlag bei 53 Prozent.

Die beiden Fonds und noch sechs weitere müssen in den nächsten Jahren sämtliche Immobilien verkaufen und werden dann zwangsweise aufgelöst. SEB Asset Management und die Credit Suisse mit ihrem Fonds CS Euroreal hatten in diesem Mai mit einer verzweifelt anmutenden Abstimmung versucht, die Fonds zu retten: Anleger sollten entscheiden, ob die Fonds im Normalbetrieb weitergeführt werden sollten – dann hätten sie ihre Anteile behalten müssen – oder ob sie ihr Geld zurück haben wollten, selbst wenn sie die Fonds damit in die Abwicklung schickten. Beide Plebiszite scheiterten krachend: Beim CS Euroreal wollten Anleger Anteile im Wert von knapp drei Milliarden Euro zurückgeben, bei nur 5,7 Milliarden Euro Fondsvermögen, das zum Großteil in Büroimmobilien steckt, die sich nicht von einem Tag auf den anderen verkaufen lassen. Bei SEB AM, die zu der Zahl der Rückzahlungsbegehren schweigt, dürfte das Ergebnis ähnlich gewesen sein. 60 Prozent der Anleger, die den SEB-Fonds im Depot bei der Münchner DAB Bank halten, wollten verkaufen, kamen aber nicht zum Zuge.

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Investor Merkel sagt, er hätte sich nicht träumen lassen, dass beide Fonds, die anfangs nur mal für sechs Monate vorübergehend geschlossen werden sollten, jetzt dichtgemacht werden. Er rechne mit hohen Verlusten, sagt er, so wie die, die Anleger mit dem Morgan Stanley P2 Value erlitten haben, der seit Schließung die Hälfte an Wert verloren hat – auch nach offiziellen Zahlen. „Ich vermisse bei den Fondsgesellschaften das Bewusstsein für den Anleger, der auf das Geld angewiesen ist“, sagt Merkel. Jetzt sei er froh, nur überschaubare Summen investiert zu haben. Trotzdem beunruhigt es ihn, dass er vergeblich auf eine für April angekündigte Ausschüttung der Axa wartete. „Ich hoffe, dass alles mit rechten Dingen zugeht und Anleger nicht an der Nase herumgeführt werden.“

Auch nach vier Krisenjahren stecken in offenen Immobilienfonds noch immer 85 Milliarden Euro. In 19 Portfolios konnten auch Privatanleger mit Beträgen ab 50 Euro einsteigen. Noch immer zehren sie von ihrem einst guten Ruf, profitieren auch von Zuflüssen von Anlegern, die vor drohender Inflation Schutz im Betongold suchen. Ihre Pluspunkte haben offene Immobilienfonds längst verspielt:

  • Anleger sollten in Gewerbeimmobilien investieren und trotzdem täglich verkaufen können. Das ist inzwischen bei vielen Fonds nicht mehr möglich.
  • Die Fonds sollten, weil sie in verschiedene Immobilien investieren, das mit dem Kauf einer einzelnen Immobilie verbundene Risiko streuen. Inzwischen verbuchen viele dennoch zweistellige Verluste. Die Wertsteigerungen, die viele Fonds auf Basis der von Sachverständigen ermittelten Immobilienwerte ausgewiesen hatten, existierten nur auf dem Papier.

Kommentare (5)

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dasistschontraurig

04.06.2012, 09:15 Uhr

Es ist schon unendlich schwach von der AXA, dass im April keine Ausschüttungen erfolgt sind! Das war versprochen. Vielleicht mag es daran liegen, dass es Probleme mit Darlehen gegeben hat bzw. gibt. Dennoch muss man das Kommunizieren und nicht ignorieren. Was micht richtig stört ist aber, dass das Marketing in anderen Produkten weiter ungeniert weiter läuft. Dieser Fonds wird nur noch stiefmütteerlich behandelt. Für mich ist und so sollten sich mehr Anleger verhalten, die Fondsgesellschaft kein Thema mehr. Ich werde nie mehr in deren Produkte investieren. Das Vertrauen ist erledigt, weil die Anleger vermuten müssen, dass andere Fonds mit der gleichen Qualität gemanaget werden.

R.Hermes

04.06.2012, 10:26 Uhr

Meines Wissens werden Anleger gleichzeitig bedient. Wie kann da die Bank bevorzugt werden?

Ronald Hermes..

TBT

04.06.2012, 11:52 Uhr

@dasistschontraurig

wer lesen kann ist klar im Vorteil:

Die Kapitalrückzahlungsrate
sollen jeweils
im April bzw. Oktober eines Jahres
erfolgen, sofern ausreichend freie
Liquidität durch Objektverkäufe geschaffen
werden konnte.

Punkt 2.5
http://www.axa-immoselect.de/downloads/QuA.pdf

Geschichtsstunde: Erinnern wir uns nochmal an 2008. Warum sind die offenen Immobilienfonds in diese Lage geraten?

Weil alle Anleger, ja, auch die privaten aus Angst Ihre Gelder aus nahezu allen Anlageklassen auf die Bank gebracht haben. Wurde ja von der Regierung deutlich hingewiesen, dass Spareinlagen bei Banken sicher seien. Dumm nur, dass keine Aussage zu Investmentsondervermögen getroffen wurde. Hätte man Offene Immobilienfonds richtig allokiert, als Beimischung, könnte man jetzt auch abwarten, was innerhalb der Auflösungszeiträume geschieht. Wir deutschen Anleger müßen noch viel lernen. Investment - Risiko - Rendite. Sobald was nicht funktioniert ist es natürlich ein leichtes alle Anderen vernatwortlich zu machen.

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