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12.04.2011

12:35 Uhr

Von wegen grün

Ökofonds verdienen an Atom-Aktien

VonAnnika Williamson

Nicht überall wo Öko draufsteht, ist Öko drin: In vielen Nachhaltigkeitsfonds finden sich Aktien von Atomkonzernen. Nach der Katastrophe in Japan müssen Anleger umdenken.

Für die Anleger ist es schwer durchschaubar, ob sie mit grünen Fonds auch in das investieren, was sie tatsächlich verantworten möchten. Quelle: dpa

Für die Anleger ist es schwer durchschaubar, ob sie mit grünen Fonds auch in das investieren, was sie tatsächlich verantworten möchten.

DüsseldorfVerdiene Geld und tu dabei Gutes – mit diesem Anspruch verkaufen zahlreiche Fondsgesellschaften nachhaltige und umweltverträgliche Investments. Doch seit in Japan eine Kernschmelze droht und keiner mehr weiß, wohin die Unmengen an verstrahltem Meerwasser sollen, merkt so mancher Anleger, dass er über einen klimafreundlichen Fonds in eine riesige Umweltkatastrophe investiert hat. In vielen Ökofonds stecken Aktien von Atomkonzernen.

Die britische Bank HSBC bietet etwa einen ‚Climate Change’ Fonds an, der ganz offen damit wirbt, neben Solar-, Wind- und Wasserkraft auch in Atomenergie zu investieren. Unter den 15  größten Werten im Portfolio sind drei Unternehmen aus der Atomenergiebranche, und mehrere Energiekonzerne, die Atomkraftwerke betreiben. Eines davon ist derzeit besonders prominent: die Tokyo Electric Power Company, kurz: Tepco. Das Unternehmen betreibt das Kraftwerk im japanischen Fukushima, das durch den Tsunami vor einem Monat schwer beschädigt wurde. Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Folgen der Katastrophe ebenso verheerend sein könnten wie einst in Tschernobyl.

Noch schwerer ist für Anleger zu durchschauen, ob sich ein Unternehmen indirekt im Bereich Nuklearenergie engagiert. Siemens zum Beispiel hat es mit seiner Nachhaltigkeitspolitik in viele Ökofonds geschafft, ist Mitglied im Dow Jones Sustainability Index und stand 2010 an der Spitze des Carbon Disclosure Leadership Index (CDLI). Die Atomenergie ist dem „grünen Konzern“ allerdings nicht fremd: Erst vergangenen Monat ist Siemens aus einem Joint Venture mit dem französischen Atomkonzern Areva ausgestiegen, allerdings nur, um mit dem russischen Konzern Rosatom ein neues Atomenergieunternehmen gründen zu können.

Klimafreundlich mag die Atomenergie erst einmal sein, denn sie produziert Energie ohne CO2-Ausstoß. Nachhaltig kann sie sich allerdings nicht schimpfen. Japan beweist, wie leicht die Kernkraft außer Kontrolle gerät, und nicht einmal das Endlagerproblem ist gelöst.

Die Nachhaltigkeitsbranche überprüft jetzt, ob die CO2-freie Atomenergie wirklich in einen Ökofonds gehört. Ein ähnlicher Fall erschütterte die Fondsbranche schon einmal vor fast genau einem Jahr, als eine Ölplattform im Golf von Mexiko explodierte. Prompt wurde BP als Auftraggeber der Plattform aus dem Dow Jones Sustainability Index und verschiedenen Fonds mit Anspruch auf Nachhaltigkeit verbannt. Das Logo mit der grün-gelben Sonne und der Werbespruch „Beyond Petroleum“, jenseits vom Öl, hatten BP unverdient auf die Bühne der umweltfreundlichen Konzerne gehoben.

Kommentare (3)

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GuteNacht

12.04.2011, 13:00 Uhr

Seit wann verschläft das Handelsblatt solche Nachrichten eigentlich? Schon am 23. März (!!) hat diese Seite http://www.finanznews-123.de/gruene-geldanlagen-alles-andere-als-umweltbewusst/ über dieses für Anleger sehr sehr wichtige Thema berichtet. Gute Nacht, ehemalig beste Wirtschaftszeitung, kann man da nur sagen!

Account gelöscht!

12.04.2011, 13:45 Uhr

Kernenergie ist die Zukunft der Energieversorgung, auch wenn es Ökochaoten und Anarchisten nicht passt. Als promovierter Maschinenbauingenieur frage ich mich immer wieder, wie Leute mit Abitur so naiv sein können um ernsthaft zu glauben, man könne über 7 Mrd. Menschen per Windmühlen und durch Kuhescheißevergasung mit Strom versorgen. Die Verblödung der Deutschen resultiert aus der Tatsache, dass man heutzutage Abitur machen kann, ohne Fächer wie Physik und Chemie belegt zu haben. In Japan weiß jedes Schulkind, dass Kernenergie die Zukunft der Stromversorgung ist, wenngleich sicherlich die AKWs der 2. Generation zunehmend durch AKWs der 3. und 4. Generation ersetzt werden.

Account gelöscht!

12.04.2011, 16:51 Uhr

Na da können wir uns ja mit den japanischen schulkindern mächtig freuen, herr Dr.-ing !!!

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