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29.07.2011

09:37 Uhr

Wachstumsweltmeister

Ghana - unbeständiger Musterschüler

VonWolfgang Drechsler

Ghana gilt als Afrikas Vorzeigestaat, doch Investoren sollten vorsichtig sein. Die Infrastruktur ist marode, und die Börse ist wenig liquide. Fondsmanager sehen trotzdem rosige Aussichten.

Fan des Fußballteams aus Ghana Quelle: dpa

Fan des Fußballteams aus Ghana

KapstadtBonyere ist eine afrikanische Idylle wie aus dem Bilderbuch. In dem Fischerdorf im Südwesten von Ghana ist die Zeit stehengeblieben. Gleich hinter dem Strand liegt ein Friedhof mit verwitterten Grabsteinen, ein paar Hundert Meter weiter im Inland jäten Bauern ein Maniokfeld.

Doch in Bonyere hat die Moderne Einzug gehalten: Vor drei Jahren wurden hier rund 50 Kilometer vor der Küste kommerziell nutzbare Erdölvorkommen entdeckt und in Rekordzeit erschlossen.

Stärken und Schwächen

Rohstoffreichtum

Ghana verfügt über Gold, Kakao und Tropenhölzer, vor drei Jahren wurden die ersten Ölvorkommen entdeckt, das Potenzial an weiteren Ölfunden ist groß.

Verteilung

Mit Hilfe eines Softwaresystems von SAP will die Regierung die Rohstoffeinnahmen fair verteilen, sie sollen nicht wie sonst in Afrika in den Taschen einer kleinen Elite landen.

Politische Stabilität

Das Land gilt als stabile Demokratie, der Staat gewährt Rechtssicherheit.

Schlechte Verwaltung

Die Verwaltung, das Bildungs- und Gesundheitssystem gelten als sehr mangelhaft.

Schwache Infrastruktur

Beispiel dafür ist die marode Stromversorgung. Kaum ein Unternehmen kommt ohne Dieselgenerator aus.

Mangelnde Exporte

Außer nicht veredelten Rohstoffen wie Gold, Kakao und Öl exportiert Ghana immer noch sehr wenig.

Die beteiligte britische Explorationsgesellschaft Tullow Oil hofft, bereits ab August rund 120000 Barrel am Tag zu pumpen. In diesen Tagen will das Unternehmen nun auch an die Börse von Ghana (GSE) gehen, um dort 4 Millionen Aktien im Wert von rund 50 Millionen britischen Pfund zu platzieren.

So beeindruckend die Aufbruchstimmung anmutet: Bonyere ist noch immer die Ausnahme. Noch hat Ghanas Hinwendung zu Marktwirtschaft und Demokratie nicht die erhoffte „Investmentdividende“ abgeworfen. Jetzt will das Land aufschließen. Für 2011 und 2012 prophezeit die OECD dank der nun aufgenommenen Ölproduktion Wachstumszuwächse von elf bis zwölf Prozent.

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Der Zuwachs fußt auf einer stabilen Grundlage: Die Inflation der Landeswährung Cedi ist von mehr als 50 Prozent vor zehn Jahren auf knapp acht Prozent geschrumpft. Auch die Zinsen sind gefallen. Und schließlich hat der Privatsektor zuletzt Interesse an den Entwicklungsplänen der Regierung bekundet. Die gestiegene Kreditvergabe und der Kapitalzufluss signalisieren wachsendes Vertrauen.

Gleichwohl wundern sich viele Beobachter, warum es dem Land in über einem halben Jahrhundert nicht gelungen ist, etwa ein passables Bildungs- und Gesundheitswesen oder eine auch nur ansatzweise effiziente Verwaltung zu errichten. Nach einer Studie der Weltbank dauert es in Ghana zum Beispiel über ein Jahr, um ein Unternehmen anzumelden. Auch ist die Stromversorgung derart marode, dass kaum ein Unternehmen derzeit ohne eigenen Dieselgenerator auskommt.

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Symptomatisch für den Nachholbedarf ist auch die Entwicklung der ghanaischen Börse, wo noch immer kaum mehr als eine Stunde am Tag gehandelt wird. Zu den Schwergewichten zählen hier neben dem südafrikanischen Goldriesen Anglogold Ashanti auch die Ecobank Transnational. Immerhin sorgte der winzige Aktienmarkt ausgerechnet im Krisenjahr 2008 für Schlagzeilen: Mit einem Plus von 30 Prozent avancierte Ghanas Aktienmarkt zum Weltchampion der Börsen.

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