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27.06.2013

13:40 Uhr

Währungen

John Taylor kapituliert vor dem Euro

John Taylor machte keinen Hehl daraus, dass er nichts vom Euro hält. Die Währung sei wie ein Huhn, dem der Kopf abgeschlagen wurde, sagte er einst. Doch jetzt ändert der Hedge-Fonds-Manager überraschend seine Meinung.

Hedge-Fonds-Manager John Taylor galt lange als Euro-Skeptiker. Nun hat er die Währung wieder im Portfolio. Reuters

Hedge-Fonds-Manager John Taylor galt lange als Euro-Skeptiker. Nun hat er die Währung wieder im Portfolio.

„Der Euro ist wie ein Huhn, dem der Kopf abgeschlagen wurde. Das Tier rennt noch Minuten kopflos umher, bis es einknickt und stirbt.“
Mit diesen Worten wetterte John Taylor, Gründer und Manager des weltweit größten Devisen-Hedgefonds FX Concepts, gegen den Euro. Das war im Jahr 2010. Der Hedge-Fonds-Manager wettete nach eigenem Bekunden auf ein Ende des Euros. Doch die Wette ging nicht auf. Jetzt gibt Taylor seinen Fehler zu - und nimmt die ungeliebte Währung wieder in sein Portfolio auf.

„Die Fakten sprechen für sich“, sagte Taylor in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag, „Wenn man einen hohen Handelsbilanz-Überschuss hat, wenn die Kapitalzuflüsse groß sind und wenn die Notenbank streng ist - und diese Notenbank ist strenger als die der USA - dann wird die Währung einfach nicht nachgeben.” Und: „Selbst ich besitze den Euro.”

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Dass der bekennende Euro-Gegner seine Meinung ändert, kommt überraschend. Schließlich erklärte Taylor noch im März dieses Jahres einem Interview, dass seine Fonds den Euro schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr besessen hätten. Lieber seien ihm Währungen außerhalb der Eurozone - etwa der russische Rubel oder der rumänische Leu.

Zudem kommt die Einsicht spät. Schließlich erwirtschaftet die EU schon seit 2011 positive Überschüsse. Im April dieses Jahres betrugen sie knapp 16 Milliarden Euro. Die Gemeinschaftswährung hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt: Ende Juni konnte der Euro im Vergleich zu Dollar um rund 4,9 Prozent aufwerten und wies damit die beste Entwicklung unter zehn wichtigen Währungen auf, die von Bloombergs Correlation-Weighted-Indizes abgebildet werden. Dem konnten auch die leichten Einbrüche in den vergangenen Tagen wenig anhaben.

Taylor ist bekannt dafür, mit seinem Fonds, der über vier Milliarden US-Dollar verwaltet, in Krisenzeiten hohe Renditen zu erzielen. Satte 43 Prozent Rendite fuhr er ein, als George Soros gegen den britischen Pfund spekulierte. Doch das ist lange her. Er wäre nicht der erste Hedge-Fonds-Manager, den das Glück verlassen hat.


Kommentare (21)

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Oldi.

27.06.2013, 13:54 Uhr

Zitat: Wenn man einen hohen Handelsbilanz-Überschuss hat, wenn die Kapitalzuflüsse groß sind und wenn die Notenbank streng ist - und diese Notenbank ist strenger als die der USA - dann wird die Währung einfach nicht nachgeben.”
....................

Die Lohnstückkostenanpassung hatte Deutschland extrem wettbewerbsfähig gemacht.
Doch man darf nicht außer Acht lassen, dass die Exporte durch den für Deutschland unterbewerteten Euro subventioniert wurden. Deutschland drückte damit die Südländer an die Wand und exportierte seine Arbeitslosigkeit in die schwachen Eurostaaten. Damit sich die damalige Regierung mit dem erfolgreichen Wirtschaftsland Deutschland hervortun konnte, wurde ein Großteil der Exporte, staatlicherseits über Kredite bezahlt (Targetsalden). So stützte man indirekt den Arbeitsmarkt mit ca. 650 Mrd. Außenstände. Die Merkel’sche Politik der Wirtschaftsstärke Deutschland beruhte nur auf Manipulation der Marktwirtschaft und war eine große, aber gekonnte Illusion.

Ich vermute, so oder so ähnlich werden die Geschichtsbücher über dem großem Crash berichten.

Vicario

27.06.2013, 14:09 Uhr

Zitat : „Der Euro ist wie ein Huhn, dem der Kopf abgeschlagen wurde. Das Tier rennt noch Minuten kopflos umher, bis es einknickt und stirbt.“

Zu dieser Aussage hat sich nichts verändert.......nur Dank Draghi sind die Minuten zur Stunde geworden...!

In dieser Zeit will sich der Spekulant jetzt wohl noch ein goldenes Näschen verdienen.....?

Account gelöscht!

27.06.2013, 14:11 Uhr

@Oldi
Es kommt auf den Standpunkt an. Mr. Taylor sieht den Euro von außen, damit ist seine Bewertung schlüssig. Dasselbe sagt mondahu schon seit langem. Wenn es den Euro nicht schon gäbe, müßte man ihn erfinden, allerdings mit anderen internen Spielregeln.

Sie sehen den Euro von innen. Ihre Argumente sind sozusagen familienintern, zwar unbequeme Wahrheiten, aber eben nicht relevant, solange man den Euro als Weltwährung betrachtet und handelt. Die Unterschiede der deutschen Länder haben nie interessiert bei Bewertung der Mark (früher), die Mark war stark und unangefochten. Daß Kalifornien und Illinois bankrott sind interessiert jetzt auch nicht bei Bewertung des Dollars.

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