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19.04.2012

14:39 Uhr

Weltfondstag

Ein blaues Chamäleon gegen die Fondsflaute

VonJessica Schwarzer

Die Zahl der Anleger ist rückläufig, das verwaltete Vermögen auch – Investmentfonds haben schon bessere Zeiten gesehen. Das soll sich ändern, deshalb startet die Branche eine Werbeoffensive: den Weltfondstag.

Mit einem blauen Chamäleon - genannt Sparmäleon - wirbt der BVI für Investmentfonds.

Mit einem blauen Chamäleon - genannt Sparmäleon - wirbt der BVI für Investmentfonds.

DüsseldorfDie Werbekampagne fällt auf: ein knallblaues Chamäleon auf zartblauem Grund. Der Slogan – wohl eine Anspielung auf die Farben der einzelnen Fondsanbieter – lautet: „Heute erlebt Ihr Geld sein blaues Wunder! Oder sein grünes, gelbes, rotes…“  Am 19. April ist Weltfondstag, zum ersten Mal – und auch nur in Deutschland. Heute wird also besonders laut für den Investmentfonds getrommelt.

Die Argumente für das Produkt sind einleuchtend, suggeriert die Kampagne. „Keine andere Geldanlage lässt sich so perfekt ans Leben anpassen wie Fonds. Egal, was sie vorhaben, wie viel Sie investieren wollen und ob Ihnen die Renditechance oder die Sicherheit wichtiger ist: Sie finden immer ein passendes Fondsprodukt“, heißt es in der Anzeige, hinter der die Initiative „Investmentfonds für alle“ des Fondsverbands BVI steckt.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

So weit, so gut. Doch die Argumente bleiben scheinbar ungehört. Anleger parken ihr Geld lieber auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten, anstatt auf Fonds zu setzen. Von knapp zehn Millionen auf etwas mehr als sechs Millionen ist die Zahl der Fondsbesitzer seit 2001 geschrumpft. Das investierte Kapital  sank ebenfalls. Mehrere Börsencrashs haben Spuren hinterlassen.

Auch die Anzahl der Fonds ist rückläufig. Im vergangenen Jahr haben die Kapitalanlagegesellschaften mehr Publikumsfonds aufgelöst als neu auf den Markt gebracht. „419 neuen Produkten standen 436 Auflösungen gegenüber“, heißt es beim BVI. Noch deutlicher ist der Trend bei Aktienfonds: 170 wurden geschlossen, 110 neu aufgelegt. Anders sieht es bei Mischfonds aus, die zuletzt stärker nachgefragt wurden: 128 neuen Produkten standen 93 Auflösungen gegenüber. Trotz der Schließungen sind noch immer Tausende Fonds in Deutschland zum Vertrieb zugelassen.

Fondskauf

Hausbank

Die Mehrheit der deutschen Anleger handeln ihre Wertpapiere über ihre Hausbank. Doch gerade bei Aktienfonds, die rasch an Wert gewinnen oder verlieren können, ist der Gang zum Bankberater nicht immer optimal. Denn einerseits gilt die Alternative zu Recht als teuer. Zahlen Anleger hier beim Kauf doch meist den vollen Ausgabeaufschlag. Dafür bleibt jedoch die Rückgabe der Anteile spesenfrei. Das Problem: Die Abwicklung kann hier deutlich länger dauern als einen Handelstag. Das kann zwar gute Gründe haben. Vorsichtige bevorzugen dennoch die Abwicklung über die Börse.

Börse

Der sicherste Variante für zeitbewusste Anleger ist der Handel über die Börse. Dabei geben Anleger wie gewohnt ihre Order beim Bankberater ab, tragen aber als Handelsplatz die Börse Hamburg an. Dadurch fallen zwar Kosten an, die je nach Fonds etwas variieren können (www.fondsboerse.de). Dafür erfolgt die Abwicklung zeitnah. Beim Kauf von Papieren ist es ohnehin meist billiger, Fonds über die Börse zu kaufen. „Wenn Sie die Bank auf diese Option nicht hinweist, macht sie sich unter Umständen eines Beratungsfehlers schuldig“, sagt Johannes Fiala, Anwalt mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktrecht aus München.

Onlinebroker

Fondskäufer, die wissen, was sie wollen, sollten Onlinebroker oder Fonds-Supermärkte ins Kalkül ziehen. Sie bieten meist nicht nur eine Auswahl unter tausenden Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Oft können sie hier auch problemlos auf Sparpläne auf Wunschfonds abschließen, die sie via Hausbank nicht bekommen. Die Anbieter handeln die Fondsanteile dabei über dieselben Plattformen wie die Profis. Manche der Anbieter garantieren zudem eine taggleiche Abwicklung der Aufträge, sofern die Order vor zwölf Uhr eintrifft.

Absichern

Wie bei Aktien können Fondsanleger bei manchen Anbietern zudem Limits setzen. Das bedeutet, sie beauftragen den Händler etwa mit einem Stopp-Loss den Fondsanteil zu verkaufen, sobald der Fondspreis unter eine gewisse Grenze fällt. Diese Order kostet wird dann bei steigenden Kursen nicht ausgeführt. Einige Online-Broker ziehen diese Grenze auf Wunsch bei steigenden Kursen kostenlos nach.

Dass viele Anleger Investmentfonds den Rücken gekehrt haben, liegt auch an der Kursentwicklung, denn viele Fondsmanager schneiden schlechter ab als ihre Vergleichsindizes, also Dax oder Euro Stoxx. Der Gretchenfrage, ob es sich tatsächlich lohnt, sein Geld Fondsmanagern anzuvertrauen, sind zuletzt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und das Münchner Institut für Vermögensaufbau (IVA) auf den Grund gegangen. „Etliche aktiv gemanagte Fonds schaffen es langfristig tatsächlich, besser abzuschneiden als die entsprechenden Benchmarks. Das Vorurteil, dass Fondsmanager nicht in der Lage sind, den Markt zu schlagen, ist damit also widerlegt. Es sind allerdings nicht sehr viele, die dies schaffen“, fasst DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler das Ergebnis der Studie zusammen. 

Analysiert wurden aktiv gemanagte Publikumsfonds, die zehn Jahre oder länger am Markt sind und ein Volumen von mindestens 7,5 Millionen Euro aufweisen. Von den insgesamt rund 7.000 Produkten, aus denen deutsche Anleger wählen können, erfüllten 1.284 diese Voraussetzungen. Die Spanne reichte von Aktienfonds über Rentenfonds bis hin zu Geldmarkt- und Mischfonds. Basis waren die zehn Jahresrenditen der Jahre 2002 bis 2011.

„Die Studie zeigt, dass es für aktive Investmentfonds offenbar schwierig ist, nach der Betrachtung von Kosten, eine Zusatzrendite gegenüber der jeweiligen Benchmark zu erzielen“, sagt IVA-Experte Andreas Beck. Dennoch sei dies in den vergangenen zehn Jahren immerhin 238 der betrachteten Investmentfonds gelungen, was einem Anteil von 19 Prozent entspricht. Rund drei Viertel der Fonds haben es geschafft, ungefähr die Marktperformance abzüglich ihrer Verwaltungskosten zu erzielen.

Kommentare (2)

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werner

19.04.2012, 18:54 Uhr

wenn Sie Fond lesen ...schnell wegrennen - ich habe seit 17 Jahren den Adiverba - regelmäßige Einzahlungen - Ergebnis: Minus 21% - tolle Leistung der Allianz

Account gelöscht!

02.05.2012, 13:43 Uhr

Hallo Werner, ja, das kenne ich. Aktienfonds sind einfach zu teuer. Das kann nicht klappen.

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