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10.12.2013

12:09 Uhr

Weniger Ertrag

Hedgefonds hinken dem Markt deutlich hinterher

Hedgefonds steuern in diesem Jahr auf die schlechteste Kursentwicklung im Vergleich zu US-Aktien seit 2005 zu. Der ehemalige Fondsmanager Stan Druckenmiller bezeichnete die Ergebnisse als “eine Tragödie”.

Hedgefonds rennen den US-Aktien hinterher: Im Vergleich zum S&P 500 schneiden Hedgefonds bereits das fünfte Jahr in Folge schlechter ab. dpa

Hedgefonds rennen den US-Aktien hinterher: Im Vergleich zum S&P 500 schneiden Hedgefonds bereits das fünfte Jahr in Folge schlechter ab.

New YorkDie 2,5 Billionen Dollar (1,8 Billionen Euro) schwere Hedgefonds-Branche hinkt den amerikanischen Aktien hinterher. Bis Ende November kommen Hedgefonds auf einen Ertrag von 7,1 Prozent, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die US-Aktienbenchmark Standard & Poor's 500 hingegen erzielte einschließlich wieder investierter Dividenden einen Ertrag von 29,1 Prozent - ein Abstand von 22 Prozentpunkten. Damit steuert die Branche in diesem Jahr auf die schlechteste Performance im Vergleich zu US-Aktien seit mindestens 2005 zu.

“Hedgefonds, die sich auf Leerverkäufe konzentriert haben, hatten es schwer”, sagt Nick Markola, Leiter Analyse bei Fieldpoint Private, einer Vermögensberatung in Greenwich, Connecticut. “Die Hedgefonds waren defensiv positioniert. Die Maßnahmen der Zentralbanken waren gut für Aktien und haben den Hedgefonds ein schwierigeres Umfeld beschert.”

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Im Vergleich zum S&P 500 schneiden Hedgefonds bereits das fünfte Jahr in Folge schlechter ab. Die Aktienmärkte profitieren vom Anleihekaufprogramm der US-Notenbank Federal Reserve, das die Konjunktur ankurbelt und die Aktienkurse steigen lässt. Dabei dürften die Fonds in diesem Jahr rund 50 Milliarden Dollar an Gebühren von ihren Anlegern kassieren.

Der Milliardär und ehemalige Hedgefondsmanager Stan Druckenmiller stellte im November die ganze Branche in Frage und bezeichnete die Ergebnisse als “eine Tragödie”. Er frage sich, warum die Anleger die deutlich höheren Hedgefondsgebühren für jährliche Renditen im Bereich von acht Prozent zahlten, sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV am 22. November. “Von uns wurde erwartet, dass wir jedes Jahr auf 20 Prozent kamen, egal wie der Markt sich entwickelte”, erklärte er mit Bezug auf alte Hedgefondskämpen wie Michael Steinhardt, Julian Robertson, Paul Tudor Jones und George Soros. ‘Druckenmiller selbst kommt für einen Zeitraum von über zwei Jahrzehnten auf einen jährlichen Ertrag von durchschnittlich 30 Prozent.

Hedgefonds verlangen von ihren Investoren meist eine Verwaltungsgebühr von zwei Prozent der angelegten Summe sowie 20 Prozent der Gewinne, wobei große Investoren manchmal einen Nachlass erhalten. Aktiv gemanagte US-Aktieninvestmentfonds verlangen laut dem Fondsanalyseunternehmen Morningstar im Schnitt 1,3 Prozent an Gebühren. Diese Fonds erzielten in diesem Jahr bis Ende November einen durchschnittlichen Ertrag von 31 Prozent, so Morningstar.

Im November kamen Hedgefonds auf einen Ertrag von 0,2 Prozent, wie der Bloomberg Global Aggregate Hedge Fund Index zeigt. Seit Ende 2008 hinken sie um 97 Prozentpunkte hinter dem S&P 500 her. Einige Hedgefondsmanger verweisen auf staatliche Interventionen an den Märkten, rekordniedrige Zinsen und die ähnliche Entwicklung vieler Anlagen als Gründe für ihren fehlenden Renditevorsprung.

Kommentare (1)

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AndreasSchultenberg

10.12.2013, 13:46 Uhr

Wer Äpfel mit Birnen vergleicht, der vergleicht auch Hedgefonds mit den Aktienmärkten.
Wer sich auch nur halbwegs in der Finanzwelt auskennt, der weiß, das Hedgefonds eben genau so konzipiert sind. In der Regel werden sie einem steigenden Aktienmarkt immer hinterher laufen. Dafür verlieren sie im fallenden Markt aber auch weniger, oder gewinnen, was meist der Fall ist, auch hier.
Im Übrigen ist es unsinnig alle Hedgefonds unter eben diesem Oberbegriff zusammen zu fassen. Hedgefonds sind so vielfältig wie das Leben auf der Erde. Es gibt sprkulative und weniger spekulative, lang wie kurzfristig orientierte.
Und hier werden alle diese zusammen mit nur einem Aktienindex verglichen?

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