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11.01.2008

19:43 Uhr

Wettbewerber

Staatsfonds setzen Großinvestoren zu

VonHans G. Nagl

Finanzinvestoren rechnen bei Übernahmen künftig mit wachsendem Wettbewerb durch Staatsfonds. Die staatlichen Fonds verfügen über große Summen – und im Wettbewerb mit Private Equity über einen entscheidenden Vorteil.

FRANKFURT. „Die haben richtig tiefe Taschen“, sagte Deutschland-Chef von BC Partners, Stefan Zuschke. „Und sie sind schon heute da, sie konkurrieren.“ Der Private-Equity-Manager verwies auf die jüngsten Finanzspritzen von staatlichen ausländischen Fonds für angeschlagene Großbanken wie Citigroup, Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS.

Staatsfonds etwa aus Singapur oder Abu Dhabi investierten in der Summe mittlerweile weit über 20 Mrd. Dollar. Medienberichten zufolge sollen Citigroup und Merrill Lynch trotzdem Interesse an weiteren Mitteln haben und mit Staatsfonds im Gespräch sein. Hintergrund sind die schier unaufhörlichen Milliardenabschreibungen im Zuge der Finanzkrise. Weltweit sind derzeit mehr als 2 500 Mrd. Dollar in Staatsfonds geparkt und warten auf Anlagemöglichkeiten.

Im Wettbewerb mit Private Equity verfügen sie nach Zuschkes Einschätzung über einen entscheidenden Vorteil: Sie müssen nicht zusätzlich hohe Management-Gebühren erwirtschaften. Damit können sie niedrigere Renditen in Kauf nehmen und für ein Übernahmeobjekt mehr bieten. „Die rechnen einfach anders“, resümierte der BC-Deutschland-Chef. Hinzu komme, dass es mitunter bei Investments womöglich primär um den Transfer von Technologie gehe.

Die eigene Strategie will BC Partners dennoch nicht ändern. Der Aufbau einer Investmentbank oder eines Hedge-Fonds komme ebenso wenig wie das Engagement bei faulen Krediten in Frage, sagte Zuschke. „Das ist nicht das, was wir können.“ Der Konkurrent Blackstone erwägt den Kauf der Londoner Investmentbank Close Brothers. Nennenswerte Minderheitsbeteiligungen von über 25 Prozent an Großkonzernen wie der Deutschen Post wollte der Private-Equity-Manager aber nicht ausschließen. Aktuell liegen noch gut 30 Prozent der Post-Anteile bei der KfW, die diese mittelfristig privatisieren will. Die staatliche Förderbank hat bereits Telekom-Papiere an Blackstone verkauft – allerdings handelte es sich hierbei nur um knapp fünf Prozent.

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Zuschke rechnet trotz der historisch einmaligen Verwerfungen auf den Finanzmärkten für BC Partners weiter mit Jahresrenditen von über 20 Prozent. Die Finanzierungsbereitschaft der Banken bei Private-Equity-Deals werde im zweiten Halbjahr wieder zurückkehren, fügte er hinzu. Derzeit sei es aber unmöglich, größere Kreditpakete zu bekommen: „Nördlich von zwei Mrd. Euro brauchen Sie gar nicht anfangen.“

Aktuell zählt BC Partners zu den Bietern für die türkische Supermarktkette Migros. Zuschke sagte, 2008 könnte sich das Unternehmen von bis zu drei seiner Investments trennen. In der Branche gelten unter anderem der italienische Anbieter der Gelben Seiten, Seat Pagine Gialle“, sowie der Maschinenbauer Mark IV als Kandidaten. Geld für den neunten Fonds will BC frühestens Ende 2009 einsammeln. Zuschke zufolge wird dann ein zweistelliges Milliardenvolumen angestrebt.

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