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10.01.2005

08:46 Uhr

Wirtschaftliche Auswirkungen der Flutkatastrophe werden gering eingeschätzt

Fondsmanager sehen gute Chancen bei europäischen Aktien

Mit Optimismus blicken Manager europäischer Aktienfonds auf das Jahr 2005. So rechnet etwa Joerg de Vries-Hippen, Co-Manager des Fonds Industria der Investmentgesellschaft Dit, mit einer anhaltenden konjunkturellen Aufschwungphase.

HB FRANKFURT/M. „Wenn es keine exogenen Schocks gibt, dürfte es noch ein paar Monate aufwärts gehen“, glaubt er. Dabei sei die Flutkatastrophe in Asien zwar eine furchtbare Tragödie, die wirtschaftlichen Auswirkungen für Europa seien jedoch relativ gering. Bei den Ölpreisen rechne er eher mit einer Entlastung. „Der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar ist historisch gesehen auch noch nicht Besorgnis erregend. Deshalb sind wir weiterhin vorsichtig optimistisch für Aktien, zumal die Renditechancen im Anleihenbereich derzeit eher begrenzt sind,“ sagt der Portfoliolenker. Der Fonds Industria liegt mit einem Plus von 9,06 Prozent innerhalb von zwölf Monaten an siebter Stelle unter den zehn hinsichtlich des Volumens größten europäischen Aktienfonds. Unter allen 412 ausgewerteten Produkten in dieser Kategorie reicht die Wertentwicklung des Fonds für Rang 245.

Angesichts der Platzierung im hinteren Mittelfeld verweist de Vries-Hippen darauf, dass er mit einem längerfristigen Anlagehorizont als zwölf Monate agiere. „Man muss auch mal durchhalten, wenn es nicht so gut läuft und sich nicht gleich beirren lassen. Vergangenes Jahr haben sich die Märkte – auch durch Hedge-Fonds – teilweise irrational bewegt, und es sind viele Werte gelaufen, in die wir nicht investiert hätten und haben.“

Nach Angaben von de Vries-Hippen orientiert sich der eher auf geringes Risiko ausgelegte Fonds Industria stark am Aktienindex MSCI Europa. „Auch wegen der Fondsgröße liegt die maximale Abweichung bei fünf Prozent. Die Chance gegenüber einem Indexprodukt besteht darin, die Marktphasen im Fonds zu spielen und damit den Index zu übertreffen“, sagt de Vries-Hippen.

„Aber genau das hat der Fonds – wie der Durchschnitt dieser Fondsgruppe – in den vergangenen Jahren nicht geschafft“, kritisiert Thomas Portig, Leiter der Fondsanalyse bei H.C.M. Capital Management in München. Im Gegensatz dazu habe beispielsweise der Nordea-1 European Value Fund in schwächeren Jahren weniger verloren und sei in steigenden Märkten etwa gleich gut oder besser gelaufen als der Index.

„Wir suchen ohne Beschränkung auf eine bestimmte Marktkapitalisierung nach Unternehmen mit unterbewerteter Ertragskraft“, erklärt Leon Kirch, Co-Manager des Nordea-Fonds. Derzeit sehe er vor allem bei kleinen und mittelgroßen Firmen Chancen auf Kursgewinne. Als ausgemachter Einzeltiteljäger spielten für ihn Unternehmensgröße, Länder oder Branchen eine untergeordnete Rolle. „Wir versuchen, das Risiko im Fonds dadurch zu reduzieren, dass wir das Unternehmen und den Hintergrund der Ertragskraft verstehen. Deshalb ist der Unternehmensbesuch ein integraler Teil des Prozesses“, sagt Kirch. Investiert werde übrigens nur mit einem Sicherheitspuffer: „Der Titel muss einen Abschlag von 50 Prozent auf den fairen Wert aufweisen, bevor wir kaufen“, so Kirch. Die Bilanz zeigt: Mit vielen europäischen Aktienfonds war 2004 ordentlich Geld zu verdienen. Nach Meinung von Experten wird diese Fondsgruppe auch 2005 wieder vorne liegen.

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