Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2011

14:54 Uhr

Wolfgang Matis

Der neue starke Mann der DWS

VonIngo Narat, Hans G. Nagl

Kaum hat sich Klaus Kaldemorgen als Chef der Fondsgesellschaft DWS zurückgezogen, steht auch schon sein Nachfolger in den Startlöchtern: Wolfgang Matis rückt aus dem Mutterkonzern Deutsche Bank an die Spitze der Fondstochter auf. Als CEO verantwortet er dort 274 Mrd. Euro.

Wolfgang Matis: Der neue starke Mann der DWS hat Prokura über das weltweite Geschäft der Fondsgesellschaft. Pressebild

Wolfgang Matis: Der neue starke Mann der DWS hat Prokura über das weltweite Geschäft der Fondsgesellschaft.

FRANKFURT. Wolfgang Matis. Wer? Für die Öffentlichkeit ist der neue starke Mann der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, ein Unbekannter. Nur die Finanzszene kennt ihn.

Als Nachfolger für den 57-jährigen Chef Klaus Kaldemorgen hatte ihn keiner auf der Rechnung. Matis geht aber gut ins Rennen. Der 54-Jährige ist mit einer bislang unbekannten Machtfülle ausgestattet. Als Chief Executive Officer (CEO) ist Matis nicht nur Sprecher der Geschäftsführung für die deutsche Einheit, wie bisher Kaldemorgen, sondern weltweiter Chef. Damit ist er verantwortlich für 274 Milliarden Euro an betreuten Anlegergeldern.

Dass Matis keineswegs irgendwer ist, zeigt sich an den Posten, für die er im Gespräch war. Schon vor sechs Jahren wurde er bei der Commerzbank als Nachfolger für Chef-Investmentbanker Mehmet Dalman gehandelt, berichten Insider. In letzter Sekunde wurde nichts daraus, weil Matis noch absprang.

Matis gilt in Branchenkreisen als Mann klarer Worte. "Hart, karg, aber gerecht", so beschreibt ihn ein Weggefährte. Der Manager hat sein komplettes Berufsleben beim heimischen Branchenprimus verbracht, angefangen mit einer Lehre in jungen Jahren. "Matis ist einer der letzten Mohikaner, das ist ein Kapitalmarktvollprofi", heißt es bei einem Konkurrenten anerkennend. "Es gibt in Deutschland wenige, die die Märkte so gut verstehen." Einen Großteil seiner Karriere hat Matis im Bereich festverzinsliche Wertpapiere verbracht. In den vergangenen Jahren tummelte er sich aber auch im Aktiengeschäft.

Die daraus erwachsene Autorität wird Matis gut gebrauchen können, um wieder Ruhe in die DWS zu bringen. Denn eine klare Linie ist nötig nach all den vielen strategischen Richtungswechseln der vergangenen Jahre. Gerade zuletzt drehte sich das DWS-Personalkarussell so schnell wie nie. Eine wichtige Aufgabe von Matis ist die internationale Expansion. Die DWS ist ein Markenname in Deutschland, aber eben nicht im Ausland. Und gerade das Ausland lockt mit Wachstumschancen. Der Inlandsmarkt gilt Branchenkennern als verteilt. Hier kann die DWS nur verlieren, denn die Bankengruppen mit üppigen Filialnetzen, das heißt die Sparkassen und Volksbanken, haben die größeren Absatzpotenziale.

Matis steht aber nicht nur für internationale Expansion. Er ist von Hause aus Investmentbanker. Seit über drei Jahrzehnten in Diensten der Bank, leitet er seit sechs Jahren den Bereich Global Markets Deutschland und damit das Kapitalmarktgeschäft. Für die Bank ist dieses Profil wertvoll. Aus Konzernsicht erscheint eine engere Verbindung von Portfoliomanagement und Investmentbanking logisch. Fondsverwalter nutzen immer stärker Derivate, und manche Anlagegeschäfte sind erst mit den Mitteln einer Investmentbank überhaupt möglich.

Die DWS-Mitarbeiter müssen sich jetzt an einen neuen Chef gewöhnen. Im Gegensatz zur breiten Öffentlichkeit ist Matis für sie jedoch kein unbeschriebenes Blatt. Die Fondsmanager kennen den Deutsch-Banker, weil sie schon Wertpapiere über das Mutterinstitut gehandelt oder von dieser schon einmal Neuemissionen in ihre Depots genommen haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×