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05.01.2009

11:28 Uhr

Zweckoptimismus in Fondsbranche

„Die Hysterie legt sich“

VonKora-Cora Krause (Robert Landgraf, Anke Rezmer und Oliver Stock)

Die zur Wirtschaftskrise ausufernde Finanzkrise wird der Fondsindustrie im neuen Jahr Einschnitte bescheren. Beim Frankfurter Gespräch des Handelsblatts zum Thema „Fondsbranche: Auswege aus der Krise“ wurde klar: Die Fondsbranche rechnet mit Personalabbau – und hofft auf bessere Zeiten.

Aktuell sehen sich die Fondsanbieter in einer Abwarteposition. Erst wenn sich die Märkte beruhigen, wird Geld zurück in Fonds fließen. Foto: Archiv

Aktuell sehen sich die Fondsanbieter in einer Abwarteposition. Erst wenn sich die Märkte beruhigen, wird Geld zurück in Fonds fließen. Foto: Archiv

FRANKFURT. „Die Profitabilität der Fondsanbieter ist infolge der Vermögensabschmelzung deutlich gesunken“, sagt Stefan Jaecklin, Partner beim Unternehmensberater Oliver Wyman. Kostensenkungen, auch Personalabbau, sind seiner Ansicht nach unausweichlich: Nach dem Gewinneinbruch von 30 Prozent im vergangenen Jahr müssten die Kosten um zehn bis 30 Prozent gesenkt werden, erwartet er. „Und Personalkosten sind der größte Kostenblock“. Zudem rechnet er mit einer deutlichen Vereinfachung der Fondspaletten, da vor allem Spezialprodukte mit oft kleineren Volumen Probleme bekommen dürften. Auch Horst Eich, Deutschland-Chef der Allianz-Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) kann sich vorstellen, dass die Zahl der Fonds abnehmen wird – „ im Verhältnis des Vermögensrückgangs“, wenn andere Effekte außen vor blieben.

Generell herrscht in der deutschen Fondsbranche nach dem wohl schlechtesten Absatzjahr ihrer Geschichte Zweckoptimismus vor. „2009 wird besser als 2008“, sagte Eich. „Es gibt die Chance auf schwarze Zahlen, denn die gesehene Hysterie beruhigt sich“, sagt er mit Blick auf die Rekordabflüsse aus Investmentfonds im Oktober von gut 50 Mrd. Euro und den im Vergleich besseren Absatz im November. Nach den am Freitag veröffentlichten Zahlen investierten Anleger im November per Saldo wieder knapp fünf Mrd. Euro in Fonds. Private haben aber weiterhin Geld abgezogen (s. nebenstehender Artikel). Das Vermögen der rund 6 000 für Privatanleger aufgelegten Publikumsfonds ist 2008 um gut ein Fünftel geschrumpft auf knapp 580 Mrd. Euro. In Spezialfonds stecken zudem rund 650 Mrd. Euro von professionellen Anlegern. Noch vorsichtiger schätzt Stephan Kunze, Europachef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, das Jahr ein. Er erwartet „keine relative Verschlechterung für 2009“, betont aber, dass die Branche „nicht besser als die Märkte“ sein kann.

Aktuell sehen sich die Fondsanbieter in einer Abwarteposition. Erst wenn sich die Märkte beruhigen, wird ein Teil des massiv auf Bankkonten geparkten Geldes zurück in Fonds fließen, sind sich die Experten einig. Zunächst dürfte das Kapital in Produkte mit geringen Verlustrisiken wie Garantie-, Anleihe- oder Mischfonds zurückkehren, meint Jaecklin. Ein gewichtiger Teil des Geldes werde nach den enttäuschenden Erträgen aktiv gemanagter Fonds auch in passiven Indexfonds (ETF) landen, die bereits heute Geld einsammeln. Anne Connelly, Deutschland-Chefin der US-Fondsratingagentur Morningstar, sieht hier aber auch eine Chance für aktiv gemanagte Fonds: „Wenn Anleger beginnen, genauer auf die Wertentwicklung zu schauen, trennt sich die Spreu vom Weizen.“

Strategisch richten sich die Fondsanbieter stärker auf einfachere Produkte aus. „Wenn sich der Kapitalmarkt stabilisiert, dürften sich Anleger wieder bekannten, etablierten Produkten mit langer Historie zuwenden, auch Aktienfonds“, sagt Kunze. Klare einfache Produkte statt Komplexität dürften dominieren, meint Eich.

„Nach Jahren starken Wachstums des Volumens über Produkte mit geringen Margen wie Geldmarktfonds wird es nun einen Wechsel hin zu qualitativem Wachstum geben“, erwartet Kunze von der DWS. In seinem Haus setze man nun stark auf Produkte, die dem Anleger Mehrwert gegenüber der Marktrendite böten. Die Branche müsse zudem Anleger über klare Produkte und Beratung unterstützen, dass sie Liquidität leichter erkennen, sagt er: „Wer gigantische Renditeaufschläge einstreicht, kann kein hochliquides Produkt haben.“ Auch bei Gebühren für Beratung gibt es neue Ansätze. „Kunden zeigen Interesse daran, statt Ausgabeaufschlägen beim Fondskauf eine direkte Beratungsgebühr zu bezahlen“, sagt Christian Wrede, Deutschland-Chef des US-Fondsanbieters Fidelity.

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