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21.11.2011

09:40 Uhr

Fondsmanager-Gipfel

Ratlose Geldelite

VonJörg Hackhausen

Die Schuldenkrise macht selbst erfahrene Börsianer ratlos. In ihrer Not rufen auch sie nun nach der Notenpresse. Wer ihnen zuhört, dem bleibt nur eins: Galgenhumor.

Peter E. Huber, Jens Ehrhardt, Eckhard Sauren, Christoph Bruns und Klaus Kaldemorgen (v.l.nr.) beim "Sauren Fondsmanagergipfel" in Köln.

Peter E. Huber, Jens Ehrhardt, Eckhard Sauren, Christoph Bruns und Klaus Kaldemorgen (v.l.nr.) beim "Sauren Fondsmanagergipfel" in Köln.

KölnDie besten Geldmanager, alle seit mehreren Jahrzehnten im Geschäft, jeder verwaltet Milliarden – und keiner weiß eine überzeugende Antwort. Wie sollen wir aus der Schuldenkrise wieder rauskommen? Das Einzige, was den Experten - Klaus Kaldemorgen, Jens Ehrhardt, Christoph Bruns und Peter E. Huber – beim „Sauren Fondsmanagergipfel“ in Köln darauf entgegnen: Die Europäische Zentralbank muss Geld drucken. Sie soll Anleihen der Schuldenstaaten aufkaufen, die Märkte beruhigen und den endgültigen Kollaps noch ein wenig aufschieben.

„Mir fällt nichts Besseres ein“, gibt Kaldemorgen zu. Er stand lange an der Spitze der DWS, Deutschlands größter Fondsgesellschaft. Jetzt schaut Kaldemorgen ein wenig hilflos drein. „Entweder die EZB kauft die Schulden auf oder die Staaten zahlen die Schulden nicht zurück“, sagt er. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera sei das.

Der Moderator, Eckhard Sauren, der gleichzeitig auch Ausrichter der Veranstaltung ist, fragt in die Runde: „Fällt niemandem etwas Besseres ein?“ Der spöttisch, scherzende Unterton ist dabei nicht zu überhören. Das Publikum lacht. Galgenhumor nennt man das wohl.

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“

Die Schuldenkrise frisst sich quer durch ganz Europa. Es geht längst nicht mehr allein um Griechenland, Portugal oder Irland. Es geht ums Ganze. Italien und Spanien haben es immer schwerer, sich an den Märkten mit Kredit zu versorgen. Selbst Frankreich, die Niederlande oder Österreich müssen mit ansehen, wie die Zinsen ihrer Anleihen klettern. Nur die Bundesrepublik genießt uneingeschränktes Vertrauen bei den Anlegern - noch. „Das ist an Dramatik nicht zu überbieten“, sagt Peter E. Huber, Chefvolkswirt der Vermögensverwaltung Starcapital. Schließlich seien alle westlichen Industriestaaten betroffen. Kaldemorgen ergänzt: „Die Grenzen der Staatsverschuldung sind definitiv erreicht.“

Ein Streitgespräch sollte es werden, so war es auf der Internetseite des Veranstalters angekündigt. Der Einzige, der ein wenig auf Krawall gebürstet ist, ist Christoph Bruns von der Loys AG. „Wir haben als Experten auch versagt“, sagt er. Streit liegt ansonsten nicht wirklich nicht in der Luft, stattdessen einstimmige Ratlosigkeit.

Kommentare (27)

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theo

21.11.2011, 09:52 Uhr

Ja, entweder, die sind alle gekauft von Hochfinanz oder völlig dämlich.

karstenberwanger

21.11.2011, 09:58 Uhr

Man kann das alles nicht mehr ernst nehmen. Experte nennt sich heute jeder Idiot der sich einen Massanzug leisten kann und seinen Senf abgibt. Kompetenz und Wissen hat ebenso nichts mehr mit Abschlüssen zu tun. All diese Leute haben uns dahin geführt wo wir heute sind... mit Eliten hat das gar nichts mehr zu tun.

Der Bürger kann sich nur noch selbst informieren, sein Eigentum notfalls auch mit Gewalt gegen den Staat organisiert schützen und hoffen dass dieser ganze Wahnsinn bald zusammenkracht und das Volk vielleicht endlich gegen diese KReise aufsteht. Alles andere wird weiter nach unten führen...

Geldvernichtung

21.11.2011, 10:02 Uhr

Die Gegenposition der Staatsschulden sind primär Sparguthaben. Wer Staatsschulden tilgen will, muss dazu auch die korrespondierenden Vermögen vernichten. Die Deutschen sind eine Nation mit hohen Sparquoten.
Das lässt sich alles u.A. bei der Bundesbank auf deren Statistikseite nachlesen. Bloß scheint das kaum einer zu machen.
Es existiert ein mathematischer Zusammenhang zwischen Verschuldung, Sparquoten, BIP und Außenhandel.
Wenn die Deutschen wie die Weltmeister sparen, muss dafür irgend jemand Schulden machen. Finden sich diese Schuldner im Ausland, nennt man dies Exportüberschüsse.
Weil der durch die kleinbürgerliche Immobilienzockerei in USA/UK/Spanien verursachte Schaden im Billionenbereich liegt und dieser Schaden erst erwirtschaftet werden muss, ergeben sich daraus zwangsläufig Einschränkungen, welche auf Beschäftige und Rentner/Arbeitslose verteilt werden müssen.
Dieser Effekt ist unvermeidlich und die Politik hat nur die Wahl, wie sie diese Einschränkungen verteilt.
(Quelle: Flugor / spon-Forum)

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