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11.03.2011

09:40 Uhr

Frank Lehmann

„Ich kann Ihnen sagen, wie Sie schnell arm werden“

VonChristian Panster

Die Deutschen gehen viel zu fahrlässig mit Geld um, sagt Ex-Fernsehmoderator Frank Lehmann. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, worauf es an der Börse ankommt und wie sich Anleger vor Bankverkäufern schützen können.

Für die ARD kommentierte Frank Lehmann jahrelang das Börsengeschehen. Quelle: dpa

Für die ARD kommentierte Frank Lehmann jahrelang das Börsengeschehen.

FrankfurtHerr Lehmann, wie ist es um das Finanzwissen der Deutschen bestellt?

Nicht gut, um es vorsichtig auszudrücken.

Woran liegt das?
Da gibt es verschiedene Gründe. Wir Deutschen sind viel zu lange gepampert worden. Altersvorsorge? Da haben wir unsere gesetzliche Rentenversicherung, müssen wir uns also nicht drum kümmern. Geld anlegen? Macht alles unser werter Herr Bankberater, unsere werte Frau Bankberaterin! Viele Anleger sind einfach zu bequem. Sich mit den eigenen Finanzen auseinander zu setzen, erfordert sehr viel Geduld. Das ist harte Arbeit – und viele drücken sich lieber davor.

Aber wer sich auf seinen Bankberater verlässt …
Der ist verlassen, wollten Sie sagen. Und das stimmt in vielen Fällen; die Beratung an deutschen Bankschaltern ist mitunter erbärmlich! Was da an so genannten innovativen und angeblich erfolgreichen Finanzprodukten über die Theke geht, ist schon abenteuerlich. Einem 84-jährigen etwa einen geschlossenen Fonds mit Laufzeit von 20 Jahren an die Backe zu kleben und seriöse Beratung zu nennen, das schreit förmlich nach Anruf der Gerichte. Aber: Die Pleite von Lehman Brothers war vielleicht doch auch ein heilsamer Schock.

Warum das denn?
Weil Anleger nach dem Absturz der Finanzwirtschaft in ihrem Depot nur Minus-Zeichen gesehen und dann zum ersten Mal geprüft haben: was hab ich denn überhaupt in meinem Depot? Und mit großen Kulleraugen zu der bitteren Erkenntnis kamen: Da sind ja Dinge drin, die hat mir mein Berater nicht richtig erklärt. Wer sich übervorteilt fühlt, schaut seinem Banker auch genauer auf die Finger, der kümmert sich wieder intensiver um sein eigenes Depot, fragt nach – und lässt nicht nur machen. So müsste es eigentlich sein.

Ist es aber nicht…
Die Deutschen sind immer noch zu unbedarft, was die eigenen Finanzen angeht. Wenn sie ich eine Waschmaschine oder ein neues Auto kaufen wollen, dann wird verglichen und verhandelt, was das Zeug hält, wochenlang. Um jeden Cent wird da gefeilscht! Und beim eigenen Depot? Zu anstrengend, zu kompliziert, lieber nicht.

Also sind die Anleger selbst Schuld – und nicht die Berater?
Beide sind schuld. Die Anleger, weil viele zu bequem sind, die Banker, weil sie die Bequemlichkeit schamlos ausnutzen.

Kommentare (12)

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Kostolany

11.03.2011, 10:44 Uhr

Ich bedaure, daß Frank Lehmann nicht mehr die ARD-Börse
moderiert, es war lustig, aber immer auf den Punkt gebracht.
Ich empfinde ihn als einer von wenigen, denen ich ein
Vermögen anvertrauen würde.
Leider haben wir keine Lehmanns, Kirchhoffs ...
in der Politik, sondern Resters, Rürups, Wulfs, Schröders im Gefolge von Maschmeyers & Co

buldi

11.03.2011, 10:58 Uhr

Im Grunde hat Herr Lehmann Recht, aber dennoch ist jeder seines Glückes Schmied - soll heissen, wenn jemand sein sicherlich schwer verdientes eigenes Geld ungeprüft Bank-oder Geldberatern hinterher wirft ist er nun mal selber schuld. Selbst die Volkshochschule bietet heutzutage preiswerte Kurse über die Geldanlage an - Teilnahme kann man allerdings nicht erzwingen und Dummheit stirbt nie aus.

122

11.03.2011, 11:38 Uhr

Es gibt eine Liste von ca. 34.000 Kunden des AWD, die in der Mehrzahl mit der Anlage ihres Ersparten bei der Maschmeyer Firma ein Fiasko erlebt haben.
...
Menschen, die ihr Erspartes meist im Blick auf ihre Altersversorgung in Geschlossenen Fonds angelegt haben, haben auf den AWD und Maschmeyer vertraut. Das Vertrauen war auch ein von Dritten bezeugtes Vertrauen – von Gerhard Schröder und vom jetzigen Bundespräsidenten zum Beispiel.
...
Fragen zu stellen ist dringlich, hier eine Auswahl, die Sie nach eigener Fantasie ergänzen sollten:

*Was wusste der Bundespräsident und frühere Ministerpräsident von den Methoden seines Freundes Maschmeyer?

*Wusste er von den Ursachen und Hintergründen von Maschmeyers märchenhaftem Vermögen, als das Ehepaar Wulf noch nach der Wahl zum Bundespräsidenten in Maschmeyers Villa auf Mallorca Ferien machte?

*Ist der Bundespräsident bereit, seinen Einfluss auf Maschmeyer zu nutzen, damit Maschmeyer mit den vielen 100 Millionen, die er mit fragwürdigen Methoden verdient hat, irgendwann seine Opfer entschädigt?

... Äußerung der Vertreterin der Stiftung Warentest, Ariane Lauenburg: „Ich glaube, dass Carsten Maschmeyer mit dem Geld der Anleger sehr gut lebt. Er hat seinen Wohlstand auf dem Leid der Anleger aufgebaut.“

Das ist wohl richtig gesehen und deshalb ist es auch berechtigt, dem Bundespräsidenten die notwendigen Fragen zu stellen. Vor allem auch jene nach der Bereitschaft, seinen Einfluss auf Maschmeyer geltend zu machen, um eine Entschädigung der Opfer zu erreichen.
...
Schreiben Sie ihm per E-Mail: poststelle@bpra.bund.de oder bundespraesident@bpra.bund.de

Oder per Post:
Bundespräsidialamt
11010 Berlin
...

Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=8638

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