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27.01.2015

15:50 Uhr

Franken, Euro und die Schweiz

Ist dieser Mann ein Prophet?

VonJakob Struller

Thomas Jordan ist der Notenbankchef, der den Franken vom Euro getrennt hat. Und er hat präzise die Euro-Krise vorausgesagt – vor genau 20 Jahren. Wir haben seine Doktorarbeit gelesen. Sie ist verblüffend aktuell.

Thomas Jordan (l.) in Davos: Der Schweizer Nationalbanker steht hinter der Franken-Euro-Entkopplung. dpa

Thomas Jordan (l.) in Davos: Der Schweizer Nationalbanker steht hinter der Franken-Euro-Entkopplung.

DüsseldorfMintgrüner schmuckloser Einband, nüchterne schwarze Schrift, das Exemplar der Unibibliothek wirkt wie neu, kaum gelesen: Ein Bestseller ist „Seignorage, Defizite, Verschuldung und Europäische Währungsunion“ nicht gerade. Dabei hätten einige Politiker vielleicht mal reinschauen sollen, in das 300-Seiten-Werk von Thomas Jordan, der das Buch mit dem sperrigen Titel als Doktorarbeit schrieb.

Es geht darin um Probleme der Eurozone, unterschiedlich hohe Verschuldung der beteiligten Länder und um die Frage, ob man Geld- und Fiskalpoltik wirklich trennen kann. Themen, die ausführlich diskutiert werden – mittlerweile.

Doch Thomas Jordan analysiert in dem Werk nicht rückblickend die Fehler, die zur Krise geführt haben – sondern die, die zur Krise führen könnten. Das Buch stammt aus dem Jahr 1994. Wer es jetzt ließt, erkennt: Der Autor hat die Krise kommen sehen.

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

Zumindest hat er einige der zentralen Probleme der Eurozone präzise vorausgesagt. Heute, zwanzig Jahre später, ist Jordan Chef der Schweizerischen Nationalbank SNB – und was der damals 30 Jahre alte Doktorand prognostizierte, verrät einiges darüber, wie der heutige Notenbank-Präsident der Schweiz tickt.

Vollkommen überraschend hat die Schweizer Zentralbank vergangene Woche ihre Währung, den Franken, vom Eurokurs abgekoppelt. Der bis dahin gültige Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro war damit passé und prompt schnellte der Kurs in die Höhe, mittlerweile ist er bei 1,01 Euro angekommen.

Während die Schweizer Unternehmen an der Börse in Zürich nach unten rauschten, begann die Suche nach der Antwort auf die Frage, was hinter dem plötzlichen Sinneswandel der SNB steckt. So vielfältig die Gründe sind – eine gewisse Skepsis gegenüber der Stabilität des Euro schwingt in der Entscheidung mit.

Notenbank-Chef Jordan verwies bei der Pressekonferenz auf das „schwierige internationale Umfeld“ in der Geldpolitik. Mit der Franken-Euro-Kursgrenze hatte er auch die Geldpolitik der Schweiz an die Entscheidungen von EZB-Chef Mario Draghi gekoppelt – und damit sollte Schluss sein.

Dass Jordan an einen Euro, so wie er konzipiert ist, nicht glaubt, wird schon in seiner Doktorarbeit klar. Seiner Analyse zufolge „kommen für eine Europäische Währungsunion zur Zeit nur Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg in Frage.“

Kommentare (49)

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Herr richard roehl

27.01.2015, 16:04 Uhr

Da muss man kein Prophet sein, ökonomischer Grundsachverstand reicht aus, vielleicht sogar nur einfacher gesunder Menschenverstand. Jordan ist ja bei weitem nicht nur der Einzige.
https://www.youtube.com/watch?v=_2iBTxjixKw

Herr Werner Wilhelm

27.01.2015, 16:10 Uhr

@ Herrn Roehl

Das Selbe habe ich auch gedacht. An Erkenntnissen fehlt es im Euroland nicht, eher an Machern.

Herr walter danielis

27.01.2015, 16:11 Uhr

nicht unbedingt schlecht sein muß = gut ?

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