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30.10.2015

12:18 Uhr

Franken und Euro

Das Schweizer Milliarden-Jo-Jo

VonHolger Alich

Der Wechselkurs des Schweizer Franken hat heftige Sprünge hinter sich. Die Politik der Schweizerischen Nationalbank hat das bewirkt – mit riesigen Auswirkungen. Im dritten Quartal macht die SNB einen Milliardengewinn.

Zuerst geschwächt, dann zum Kurssprung freigegeben – der Schweizer Franken. dpa

Schweizer Franken

Zuerst geschwächt, dann zum Kurssprung freigegeben – der Schweizer Franken.

ZürichDie Zahlen wirken auf den ersten Blick erschreckend: In den ersten neun Monaten verzeichnete die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Verlust von 33,9 Milliarden Franken (30 Milliarden Euro). Den Löwenanteil daran (31,2 Milliarden Franken minus) stammt aus Verlusten auf den gigantischen Währungsreserven von 566 Milliarden Franken.

Dennoch gibt es Zeichen der Besserung: Im dritten Quartal verdiente die Notenbank satte 16,3 Milliarden Franken. Bund und Kantone können damit auf eine Ausschüttung hoffen.

Das Ergebnis der Schweizer Notenbank schwankt extrem mit den Wechselkursen. Laut den Analysten der Credit Suisse verursacht zum Beispiel die Verteuerung des Dollar zum Franken um einen Rappen einen Wechselkursgewinn von 2,2 Milliarden Franken.

Die Notenbank hatte die riesigen Währungsreserven durch den Verkauf frisch geschaffener Franken aufgehäuft. Von September 2011 bis zum 15. Januar 2015 hatte die Notenbank mit diesen Franken-Verkäufen die heimische Währung gedrückt, um den Franken nicht jenseits der Marke von 1,20 Franken je Euro aufwerten zu lassen.

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Mitte Januar zog dann die Notenbank vollkommen überraschend die Notbremse und gab den Frankenkurs wieder frei. Grund war, dass eine andere Notenbank gegen die Schweizer SNB wettete: Die Europäische Zentralbank. Mit seinem Anleihe-Kaufprogramm pumpte EZB-Chef Mario Draghi Milliarden-Euro-Beträge in die Märkte, auch, um den Euro zu schwächen. Gegen die mächtige EZB wollten die Schweizer aber nicht antreten - und zogen sich zurück.

Entsprechend wertete der Franken nach der Kursfreigabe schockartig auf; und die zuvor angehäuften Währungsreserven, die primär in Dollar und Euro angelegt sind, verloren schlagartig an Wert. Das erklärt den Mega-Verlust im ersten Halbjahr.

Kommentare (3)

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Herr Ingo Tietz

30.10.2015, 12:32 Uhr

Die einzige Währung, die was taugt auf dieser Welt, ist der SCHWEIZER FRANKEN (stabil ohne Ende). Gründe: klare Politik, stabiles Rechtswesen, intelligente Politiker, patriotische Bevölkerung, kaum Korruption, Arbeitsrecht welches den Namen noch verdient und Gewerkschaften nicht alles gestattet, was nur Kosten verursacht und nichts bringt, bestes Altersversorgungsystem (alle müssen einzahlen), Volksentscheide, welche verhindern, dass Geld in den Kamin geschoben wird - und last but not least, sie sind nicht, wie auch Norwegen (denen geht es ebenfalls bestens) in der EU, echte Glückskinder also. Sogar der Autobahnvignette (für alle) wurde 1984 zugestimmt und hat seitdem ca. 7 Mrd. Fränkli in die Kassen dieses schlauen Völkchens gespült, einfach, transparent, kaum Verwaltung - da kann sich Dobrindt einen Emmentaler von abschneiden.

Account gelöscht!

30.10.2015, 13:12 Uhr

Naja, die Schweiz ist vielleicht schön zum Skilaufen und um sein Geld vor dem deutschen Fiskus zu bunkern. Aber sonst schön langweilig. Die haben ja noch nicht einmal eine modere Rennstrecke für den Motorsport.

Herr F. Gessw.

30.10.2015, 13:22 Uhr

Die Schweiz ist, nicht nur geografisch, so tief in der EU, dass Ihre diesbezügliche Aussage de facto falsch ist. Richtig ist, dass die Schweiz nationalistisch-egoistisch agiert und das auch immer schon getan hat - und deswegen ganz gut dasteht. Aber das geht ja auch innerhalb der EU, siehe Luxemburg und Liechtenstein.

All diese Länder sind besser dran, weil Sie reichen Privatpersonen und Konzernen aus den großen Nachbarländer beim Steuerbetrug unterstützen; in Summe schädigen sie damit natürlich die europäische Gemeinschaft, aber hey, wenn ich 100 € Gewinn machen kann dafür, dass mein Nachbar 1.000 Verlust macht... Dann mach ich doch 100€ Gewinn.

So kann man denken und das Geld von Warlords, Nazis, Kriegsverbrechern, Diktatoren und schlichtweg jedem menschlichen Abschaum einlagern und davon profitieren, dass diese Leute nur einen "sicheren" Hort suchen und daher keine großartige Verzinsung erwarten.

Aber man muss nicht. Ja, Norwegen geht es gut "außerhalb" (auch hier ist die Aussage mehr als relativ zu betrachten) - aber Schweden innerhalb geht es nicht schlechter. Und diese beiden Länder beuten wenigstens Ihre eigenen Ressourcen aus.

Ich will überhaupt nicht alles verteufeln. Die Schweiz hat definitiv besser strukturierte Sozialsysteme, speziell das von Ihnen bereits genannte Rentensystem sollten wir sofort übernehmen. Und viele Debatten, die dort angestoßen werden, zum Beispiel vor nicht allzu langer Zeit die 12 zu 1 - Gehälter-Debatte, sind gut und richtig und wichtig.

Aber die Schweizer sind nicht "klüger" als wir, im Schnitt nicht besser gebildet, fleißiger oder was weiß ich. Die Schweiz hat sich einfach nur 100 Jahre lang die Rosinen aus allen Verträgen herausgepickt - geschickt, keine Frage, aber da ist es eben wie mit Privatpersonen auch, die Ar********* machen i. d. R. Karriere, in der Gesamtschau kommen aber alle schlechter weg (sprich es können nicht alle so machen, sondern es funktioniert nur für wenige).

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