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21.01.2009

07:28 Uhr

Frankfurter Gespräch des Handelsblatts

Charttechniker schlagen Alarm

VonUlf Sommer

ExklusivAnleger müssen sich auf fallende Kurse und neue Tiefstände einrichten. Das ist das Urteil technischer Analysten in einem Frankfurter Gespräch des Handelsblatts.

Die Charttechnik verheißt Anlegern nichts Gutes. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Charttechnik verheißt Anlegern nichts Gutes. Foto: dpa

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Nach dramatisch fallenden Kursen gleich zu Jahresbeginn erwarten die Analysten allenfalls kurzfristig eine Erholung. "Der Markt ist extrem überverkauft", sagt Michael Riesner von der Schweizer Großbank UBS. Technisch orientierte Analysten leiten aus dem Verlauf der Kurscharts Rückschlüsse auf die Zukunft ab. Inmitten der schweren Baisse beim Platzen der Internetblase hatten viele Charttechniker 2001 und 2002 trotz stark gefallener Kurse vor einem Einstieg gewarnt. Seitdem orientieren sich auch in Europa viele Investoren am Verlauf der Charts. Eine Fülle von Computerprogrammen sind daraus ausgerichtet. In den USA genießt die Zunft seit den legendären Erfolgen des Börsenaltmeisters Jesse Livermore in der Panik von 1907 und der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1932 hohes Ansehen.

Von einer ausgeprägten Baisse spricht Christian Henke von der WestLB: "Erholungen sind nur kurze Gegenbewegungen innerhalb eines intakten Abwärtstrends." Von einer Kehrtwende ließe sich erst dann sprechen, wenn der Dax die 5 300er-Marke überwinde - wonach es aber nach dem miserablen Jahresbeginn überhaupt nicht aussehe. In diesem Bereich verläuft die "Nackenlinie", also die Verbindungslinie zwischen den Hochpunkten seit dem vergangenen Herbst, die für eine Trendwende signifikant überschritten werden sollte. Je öfter ein Index an solchen Marken scheitert, desto mehr gewinnen diese als Widerstand an Kraft. Allein schon deshalb, weil sich immer mehr Anleger an ihnen orientieren. Die Prognose erfüllt sich also selbst.

Eine ganze Reihe negativer Faktoren belastet den Markt. Dazu zählt neben dem überaus schlechten fundamentalen Umfeld, das für die Zunft nur eine untergeordnete Rolle spielt, die fallende 200-Tage-Linie. Sie berechnet sich aus dem Kursdurchschnitt der vergangenen 200 Handelstage. Auch der Trend, dass jedes Kurshoch unter dem vergangenen liegt, jedes Tief das vorangegangene aber unterschreitet, stimmt die Experten skeptisch. Ebenso wie in der Baisse bis 2003 fallen Zwischenerholungen zwar heftig aus, verpuffen aber rasch wieder.

Sollte das bisherige Tief von 4 000 Punkten nicht halten, sehen WestLB-Experte Henke und der bankenunabhängige Charttechniker Frederik Altmann den Dax bis auf 3 300 Punkte fallen. Auf dieses Niveau wäre der Index im November gefallen, hätte ihn die zeitgleich bis auf 1 000 Euro gestiegene VW-Aktie nicht um 700 Punkte nach oben verzerrt.

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