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14.08.2011

11:40 Uhr

Frankfurter Gespräch

„Nach der Korrektur droht die zweite Verkaufswelle“

VonMichael Detering, Robert Landgraf, Anke Rezmer

Die Turbulenzen an den Börsen könnten weitergehen. Im Interview verraten drei Anlageexperten, wie sich die Depots sichern lassen, ob der Einstieg wieder lohnt oder ein neuer Crash kurz bevor steht.

Frankfurter Gespräch (v.l.): Ingo Mainert (Allianz), Andreas von Loon (Hauck und Aufhäuser) und Gustav Holtkemper (Commerzbank) Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Frankfurter Gespräch (v.l.): Ingo Mainert (Allianz), Andreas von Loon (Hauck und Aufhäuser) und Gustav Holtkemper (Commerzbank)

Herr Holtkemper, was würden Sie in den turbulenten Zeiten einem Anleger raten, der 20 000 Euro anlegen möchte?

Gustav Holtkemper: Man muss differenzieren, mit welcher grundsätzlichen Haltung der Anleger den Märkten gegenübersteht. Wenn er meint, die Märkte sind zu nervös und haben nach unten übertrieben, dann sind das durchaus Kaufkurse. Wenn er denkt, wir haben eine krisenhafte, zugespitzte Situation, dann sollte er sein Geld liquide parken und warten.

Und wenn es sich um einen konservativen Anleger handelt?

Holtkemper: Dann empfehlen sich zum einen kurzlaufende Liquiditätsanlagen, etwa Tagesgeld und Festgeld, zum anderen Rentenpapiere, etwa Anleihen mit kurzer Laufzeit von zwei oder drei Jahren, um bei der Wiederanlage von steigenden Zinsen zu profitieren. Mit der Zeit kann man darüber nachdenken, wie man sinnvoll weiter vorgeht.

Stimmen Sie zu, Herr van Loon?

Andreas van Loon: Längerfristig machen beispielsweise Pfandbriefe als Parkplatz Sinn. Die als sicherer Hafen gern gekauften Bundesanleihen sind für mittlere Laufzeiten keine Alternative. Denn sie bringen aktuell weniger ein als Festgeld für drei Monate. Der Anleger verliert damit nach Inflation und Steuern Vermögen und geht noch ein Zinsänderungsrisiko ein. Das wäre spekulativ.

Börsen-Glossar

Blue Chips

Aktien von Konzernen, deren Börsenwert sehr groß ist. Die Papiere der 30 Dax-Unternehmen etwa werden als Blue Chips bezeichnet.

Daytrader

Händler, der versucht, geringe Kursschwankungen an den Börsen innerhalb kürzester Zeit auszunutzen

Discountzertifikat

Wertpapier, das den Kursverlauf eines Basiswertes (das können Aktien oder Indizes sein) abbildet, allerdings bei Kauf günstiger ist als der Basiswert. Im Gegenzug ist der Gewinn durch einen sogenannten „Cap“ gedeckelt.

Dividendenrendite

Ist die Dividende, die ein Unternehmen an seine Aktionäre ausschüttet, im Verhältnis zum Aktienkurs.

Emerging Markets

Der Begriff fasst die Gruppe der stark wachsenden Volkswirtschaften zusammen, die früher als Entwicklungsländer galten. China etwa, Indien oder Indonesien.

ETF

Exchanged Traded Fund – börsengehandelter Fonds, der nicht aktiv gemanaged wird.

Future

Terminkontrakt auf ein bestimmtes Gut, der je nach Ausgestaltung den Käufer verpflichtet, eine bestimmte Menge des Gutes zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher festgelegten Preis zu liefern oder zu kaufen.

Grauer Kapitalmarkt

Teil des Kapitalmarktes, der keinen offiziellen Regeln und gesetzlichen Bestimmungen unterliegt.

Hebelzertifikat

Strukturiertes Wertpapier, mit dem Anleger auf den Kursverlauf eines Basiswertes wetten können. Durch den Hebel partizipiert das Zertifikat stärker von Kursschwankungen als der Basiswert. Im schlimmsten Falle allerdings droht Totalverlust.

Junk-Bonds

Anleihen von Unternehmen mit schlechter Bonität.

Offener Immobilienfonds

Investmentfonds, der es Anlegern ermöglicht, mit relativ kleinen Beträgen in Immobilien zu investieren.

Rating

Gütesiegel für die Bonität eines Schuldners. Je besser das Rating, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Gläubiger sein Geld zurückbekommt.

Wie verhalten sich private Anleger angesichts der Börsenverluste?

Van Loon: Unsere Privatkunden reagieren relativ entspannt. Viele haben Aktien verkauft, als bestimmte Kursniveaus durchbrochen wurden, und diskutieren mit uns Möglichkeiten, Geld zu parken, oder etwa auch Anlagen in Immobilien.

Bei Ihnen Herr Holtkemper?

Holtkemper: Es gibt Kunden, die sagen, die Fundamentaldaten haben sich in den vergangenen zwei Wochen nicht geändert, die Auftragsbücher von Konzernen wie Siemens oder Daimler sind immer noch voll. Es gibt aber auch viele Kunden, die beunruhigt sind. Diese Kunden haben einen Teil ihres Depots liquidiert. Von panikartigen Verkäufen kann man aber nicht sprechen. Wenn eine gesunde Mischung an Anlageformen vorhanden ist, dann gibt es auch kein panikartiges Verhalten. Der risikobewusste Kunde sollte aktuell nicht mehr als 30 bis maximal 50 Prozent Aktien im Depot haben.

Herr Mainert, nach dem Börseneinbruch – sehen wir derzeit Kaufkurse?

Ingo Mainert: Das kommt auf den Anlagehorizont an. Grundsätzlich sagen die meisten Anleger, sie seien strategische Investoren und würden ihr Geld langfristig anlegen. In der Realität sprechen wir nach Umfragen aber nur von sechs Monaten. Doch um auf Aktien zu setzten, muss der Anleger viel Zeit mitbringen – mindestens zwei Jahre. Er braucht tiefe Taschen.

Wie weit kann der Dax fallen?

Mainert: Das ist aktuell nicht zu beantworten. Bei einem zwischenzeitlich erreichten Niveau von 5 500 nähern wir uns dem Buchwert der 30 Unternehmen aus dem Dax, der aktuell bei 5 200 Zählern liegt und durch das Eigenkapital der Konzerne gedeckt ist. Bevor es zu einer Bodenbildung kommt, sehen wir aber meist Panikverkäufe. Mitte der Woche waren erste Ansätze zu erkennen.

Kommentare (7)

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Bernhard65

14.08.2011, 12:05 Uhr

Auch die Glaskugel dieser Weisen ist sehr trübe und ihre Prognose in welche Anlagen umgeschichtet werden soll ist ebenfall nicht mehr wert als 50 Prozent. Es gibt nur eine Strategie die immer gilt: Breit streuen über alle Anlageklassen hinweg und Kosten minimieren. Also keine Provisionspapiere der Banken kaufen usw. gut umgesetzt kann man dies unter anderem unter www.fonds-etf.de oder www.yavalu.de verwirklichen. Runter mit den Kosten.

ssommerf

14.08.2011, 13:17 Uhr

Hahaha "Experten" zum Thema und als erste Antwort auf die Frage was empfehlen Sie:
"Man muss differenzieren, mit welcher grundsätzlichen Haltung der Anleger den Märkten gegenübersteht"

Finde ich immer wieder gut solche Aussagen mit dem Prädikat "Expertenmeinung" zu versehen. Zum Vergleich bringen Sie Ihr Kfz mit 120.000 Km zu Ihrem Händler und fragen ihn "Lohnt es noch hier Geld zu investieren oder gleich einen Neuen kaufen".
Wenn Sie Glück haben antwortet der nicht "Da müssen Sie differenzieren, ich kenne ihre grundsätzliche Haltung gegenüber den Möglichkeiten der Fortbewegung nicht..."

Bleibt immer aktuell:
http://www.youtube.com/watch?v=RAKsMnAM8vk

Profit

14.08.2011, 14:02 Uhr

Das ist so hanebüschend, was die "Experten" da so von sich geben. Für so ein Geschwätz würde ich nicht einen müden Euro ausgeben. Aber anscheidend gibt es immer noch genug einfältige Zeitgenossen, die diesen "Analysten" ihr Geld hintragen. Vollkommen nutz- und sinnloses Gerede. Beispiel: "Wenn Sie glauben, daß die Kurse nach oben gehen, kaufen Sie. Glauben Sie dagegen sie gehen nach unten, raten wir nicht zum Einstig." Geht es eigentlich noch dämlicher?! Interessant, daß ein Blatt wie das HB sich mit so einem Unfug abgibt. Was glauben die HB-Redakteure eigentlich, welche Art von Leser sie haben? Bei der BLÖD-Zeitung kann man wenigstens manchmal noch schmuzeln und sieht wohlgeformte Beauties, aber so...

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