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13.04.2016

11:23 Uhr

Frankreichs Finanzminister Michel Sapin

„Deutschland darf gute Manieren nicht verlieren“

Die zuletzt sehr deutlich geäußerte Kritik von Finanzminister Wolfgang Schäuble an der Politik der Europäischen Zentralbank gefällt einem Amtskollegen gar nicht. Frankreichs Schatzmeister Michel Sapin verteidigt die EZB.

Frankreichs Finanzminister präsentierte am Mittwoch ein Stabilitätsprogramm für das Land. AFP; Files; Francois Guillot

Michel Sapin

Frankreichs Finanzminister präsentierte am Mittwoch ein Stabilitätsprogramm für das Land.

ParisFrankreichs Finanzminister Michel Sapin hat die scharfen Angriffe deutscher Politiker gegen die Politik der Europäischen Zentralbank kritisiert. Frankreich habe schmerzlich lernen müssen, dass man die Unabhängigkeit der EZB vollständig respektieren müsse, sagte Sapin am Mittwoch. „Ich hoffe, dass unsere deutschen Freunde sich an diesen Punkt erinnern.“ Sie sollten ihre guten Manieren nicht verlieren.

Die Kritik an der ultralockeren Geldpolitik der EZB war zuletzt in Deutschland immer massiver geworden. Am Wochenende hatten Politiker von CDU und CSU offen dazu aufgerufen, die unabhängigen Euro-Wächter stärker unter Druck zu setzen. Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte gesagt, dass er mit EZB-Präsident Mario Draghi gesprochen habe und ihm gesagt habe, dass die Hälfte des Wahlerfolgs der AfD auf die Niedrigzinspolitik der Notenbank zurückzuführen sei. Verschiedene Politiker der SPD hatten sich daraufhin gegen die scharfe Kritik an der unabhängigen Institution verwehrt.

So verteilt sich das Vermögen auf deutsche Haushalte

5. Perzentil – ärmste fünf Prozent

Bruttovermögen: 100 €
Nettovermögen: minus 3.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 7.500 €

Das 5. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

10. Perzentil

Bruttovermögen: 700 €
Nettovermögen: 0 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 9.600 €

Das 10. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

20. Perzentil

Bruttovermögen: 5.200 €
Nettovermögen: 2.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 14.300 €

Das 20. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

30. Perzentil

Bruttovermögen: 14.200 €
Nettovermögen: 10.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 17.800 €

Das 30. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

40. Perzentil

Bruttovermögen: 33.200 €
Nettovermögen: 27.100 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 21.100 €

Das 40. Perzentil bedeutet: Haushalte unter dieser Schwelle, gehören zu den ärmsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

50. Perzentil (Median)

Bruttovermögen: 77.200 €
Nettovermögen: 60.400 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 23.900 €

Der Median teilt Deutschland in zwei Hälften: Wer mehr hat, gehört zu reicheren Hälfte. Wer weniger hat, gehört zur ärmeren Hälfte. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

60. Perzentil

Bruttovermögen: 142.700 €
Nettovermögen: 111.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 27.800 €

Das 60. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 40 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

70. Perzentil

Bruttovermögen: 216.100 €
Nettovermögen: 174.900 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 33.100 €

Das 70. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 30 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

80. Perzentil

Bruttovermögen: 315.600 €
Nettovermögen: 274.700 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 39.600 €

Das 80. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten 20 Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

90. Perzentil

Bruttovermögen: 522.000 €
Nettovermögen: 468.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 50.300 €

Das 90. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten zehn Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

95. Perzentil - reichste fünf Prozent

Bruttovermögen: 816.500 €

Nettovermögen: 722.000 €
Jährliches Nettoeinkommen (Selbsteinschätzung): 60.000 €

Das 95. Perzentil bedeutet: Haushalte über dieser Schwelle, gehören zu den reichsten fünf Prozent in Deutschland. Quelle: Bundesbank, Daten beziehen sich auf das Jahr 2014.

Für die Unabhängigkeit der EZB war während der Gründungsphase vor zweieinhalb Jahrzehnten von der Bundesregierung heftig geworben worden. Frankreich hatte keine solche Historie mit seiner Notenbank wie Deutschland mit der Bundesbank.

Im März hatte die EZB den Leitzins auf 0,0 Prozent gesenkt, die negativen Zinsen für Bankeinlagen verschärft und höhere Anleiheaufkäufe beschlossen. Damit soll die Inflation wieder näher an das Ziel von knapp unter zwei Prozent geführt werden. Die Erreichung dieses Ziels ist die Hauptaufgabe der Zentralbank. Zuletzt waren die Preise in der Euro-Zone sogar leicht gefallen.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte nach den scharfen Angriffen vom Wochenende in einem Interview die Unabhängigkeit der EZB verteidigt. Im EZB-Rat entscheidet Weidmann über die europäische Geldpolitik mit. Zwar kritisiert er regelmäßig einzelne von Draghi bevorzugte Werkzeuge der Währungshüter. Doch im Grundsatz sei eine lockere Geldpolitik derzeit gerechtfertigt, so Weidmann. Die von deutschen Politikern kritisierten niedrigen Zinsen seien nur eine Auswirkung der Niedrigzinsen. Vielmehr profitierten die Bürger von niedrigen Kreditzinsen und geringeren Zinszahlungen des Staates für seine Schulden. „Menschen sind nicht nur Sparer“, so Weidmann.

Von

rtr

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